Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 13-14 (29.3.1912)
- Date
- 1912-03-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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bar machte, wie er dann seinen schaffenden Anteil nahm an den jüdischen Kulturbestrebungen, aus denen Münchhausens Buch „Juda" und der erste „Jüdische Almanach" als Marksteine hervorragen, so ist er nun zum Illustrator der Bibel geworden. Ein unerschöpflicher Reichtum an Ideen ließ ihn und läßt ihn immer Neues gestalten. Und bei alledem trägt jedes seiner Bilder, die neueste Radierung wie das einfachste Exlibris die unverkennbaren Züge ihres Schöpfers an der Stirn geschrieben. Diese ganze bunte Mannigfaltigkeit ist doch ein einziges Ganzes, und dieses Ganze ist die so vielgestaltete und doch so einfach klare geistige Physiognomie dieses jüdischen Künstlers. Trotz dieser inneren Kraft hatten die ersten Leistungen Liliens immer noch etwas Wurzelloses. Aber je mehr er sich in seine eigene Natur vertiefte, um so mehr gelang es ihm, die Allgemeinheit zu erfassen und innerlich und äußerlich fester zu werden. Seine jüdische Natur ward ihm zum unbeugsamen Rückgrat. Keineswegs in seinen Ideen auf sein jüdisches Volkstum beschränkt, weit ausschauend über die Grenzen nationaler Eigenart, erkannte und fühlte er doch die Wichtigkeit dieses nationalen Eigenwesens für den Künstler, der selbständig strebt und nicht bloß in der Nachahmung anderer technische Fertigkeit zum Ausdruck bringen kann. So ist er Jude, durchaus Jude, und der so ganz nur Jude sein will. ' Bewußt wendet er sich zu den Quellen jüdischen Wesens. Er wird einer der ersten Anhänger des aufblühenden Nationaljudentums, das sich im Zionismus organisiert. Aber er wendet seine Sympathien nicht bloß in der Theorie dem Lande unserer Sehnsucht zu. Ihn zieht es mit mächtigem Zuge nach den Stätten unserer großen Geschichte. Er besuchte selbst das Land Israel und findet in ihm die allermächtigsten Anregungen für sein weiteres Schaffen. Er merkt wie jeder, dem die jüdische Geschichte kein versiegeltes Buch ist, daß hier die Wurzeln unserer Kraft stecken. Er sieht das vom Boden des Heiligen Landes fortgerissene Volk doch noch immer in dem Boden des Landes wurzeln und erkennt die ewigen Zusammenhänge zwischen dem Lande Israel und Israels Geschichte. So zeigt sich auch darin der Reichtum dieser Künstler- \X seele, daß, indem er das Land Israel mit seinen alten j Landschaften auf sich wirken läßt, in seiner Seele J ein Israel im alten Lande ersteht, daß in ihm das Land wieder blüht und die alten Stätten wieder aufgerichtet