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Die Welt · 1912-03-15 · 11 (15.3.1912) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
11 (15.3.1912)
Date
1912-03-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 11 DIEÄELT 337 „Ich muß noch von den Lasten und leiden der Juden sprechen," erwiderte Reb Mordche. „L.'vwar zunächst die ,Lichtpacht', eine Steuer, die nur den Juden aufgebürdet worden war. Jeder Jude mußte für die zwei Kerzen, die am Freitagabend in seiner Stube brannten, wöchentlich einen halben Vierziger bezahlen. Das Eintreiben dieser Steuer wurde gewöhnlich einem Juden im Ort übertragen, der keine kleine Mühe hatte, das Geld aufzubringen. Er mußte oft zur Pfändung schreiten, und seine Wohnung war ein ständiges Magazin von allerhand merkwürdigen Gegenständen, die den Juden im Städtchen gehörten. Der Lichtpächter hatte einen schweren Stand. Er wurde von seinen eigenen jüdischen Brüdern gehaßt und verachtet, und es kam häufig vor, daß man ihm des Nachts die Fensterscheiben einschlug. Die Militärpflicht machte den Juden viele Scherereien. In Palechow, wo jetzt durchschnittlich jedes Jahr dreißig Juden assentiert werden, fiel es den ,Regierern' schwer, die drei bis vier Juden, die das Städtchen damals zum Militärdienst stellen mußte, aufzutreiben. Welcher Jude wollte zwölf Jahre hintereinander Soldat sein? Und das ,Dienen' war damals kein Spaß. Wer nur irgendwie konnte, kaufte sich für 500 Gulden einen Supp- I e n t e n , der für ihn dienen mußte. Es war aber nicht so leicht, einen Supplenten zu finden, der bei der Militärkommission Wohlgefallen fand. Wenn die jüdischen Soldaten dem Ergänzungsbezirk nicht rechtzeitig eingeliefert wurden, dann schickte die Militärverwaltung einen Exekutor in Gestalt eines Landdragoners her, den die Gemeinde 14 Tage lang beköstigen und mit einem täglichen Taschengeld von 2 Gulden versehen mußte. Oft tauchte plötzlich eine Militärkommission im Städtchen auf und schickte Häscher aus, die alle jungen Leute des Städtchens aufgriffen und :zur Assentierung schleppten. Wer tauglich war, wurde gleich fortgeführt und zu den Soldaten gesteckt, wenn er auch schon einmal befreit worden war oder gar seinen Vertreter beim Militär hatte. Da halfen keine Proteste. Der Kaiser brauchte eben plötzlich mehr Soldaten. Kein Wunder, daß die jungen Leute in steter Angst lebten. Ein junger Mann von 15—30 Jahren war nie seiner Freiheit sicher. Da die Häscher gewöhnlich bei Nacht in die Häuser drangen, schliefen die jungen Männer, um im Schlaf nicht überrascht zu werden, auf den Dachböden oder in den Scheunen. Fast jedes Haus hatte ein Versteck. In so einen engen, finsteren Raum habe ich einen großen Teil meiner Jugend verbracht. So manche Nacht, wenn unruhige Gerüchte die Stadt durchschwirrten, schlief ich irgendwo im Freien, in einem Obstgarten oder auf einem Baum, um den Schergen nicht in die Hände zu fallen. . . Es hat sich vieles geändert seit dieser Zeit," schloß Reb Mordche. „Jetzt gehen die Juden freiwillig zur Assentierung und dienen gerne ihre Militärzeit ab, aber der Soldat wird jetzt auch viel besser behandelt. Man weiß viel mehr als früher den Menschen zu schätzen." Wir erhoben uns und bogen langsam in den Feldweg ein, während sich die Sonne zum Untergang neigte. Kein Ton drang aus der Stadt hierher. Wir kamen zur Stadtweide. Kühe und Pferde weideten hier, von Bauernjungen behütet, und der grüne Rasen dehnte sich, soweit das Auge reichte. Schweigsam und ganz in wehmütige Gedanken über die gute alte Zeit eingesponnen, strebten wir beide dem dunkelnden Städtchen zu, ich und Reb Mordche. . . Hermann Blumenthal. Schluß des redaktionellen Teiles NEUE BUCH ER PALÄSTINA ALS JUDENLAND von Elias Auerbach. Im Auftrage des A.-C. verfasste, in 20000 Exempl. herausgegebene, längst vermisste Massenbroschüre über unsere Aufgaben in Palästina. — Preis: gewöhnliche Ausgabe 30 Pfg. (bei grösseren Bezügen bedeutender Rabatt!); bessere Ausgabe M. 1,-—. DEUTSCH-JÜDISCHER PARNASS von Moritz Goldstein. Dieser Aufsatz aus dem „Kunstwart" wird die Diskussion über das Verhältnis der Juden zur deutschen Kultur für lange Zeit hinaus beherrschen. — Preis M .0,75. HERMANN STRUCK, Katalog zu seinen Werken. Reich illustriert, 4 Original-Radierungen. Übersicht über das Schaffen unseres Meisters. Preis M. 10,—. WALTHER RATHENAU: zur Kritik der Zeit. Eine interessante Sammlung von Aufsätzen, darunter auch Jüdisches, des bekannten Verfassers von „Höre Jsrael\ — Preis M. 3,50 broschiert, M. 5,— gebunden. THE JEWISH YEAR-BOOK. Em stattstisches Jahrbuch für 1912 grösseren Stils. Sechszehnter Jahrgang. Preis M. 1,50. DAVIS TRIETSCH: Palästina Handbuch. Dritte umgearbeitete und verbesserte Auflage. 340 Seiten; Kartenbeilagen; biegsamer Leinenband; handliches Bädekerformat. Tausende neuer Tatsachen, letzte Daten, für jeden Palästinareisenden unentbehrlich. PreisM.3 —. ZIONISTISCHES MERKBUCH. Dritte vermehrte und verbesserte Auflage. Preis 20 Pfg. — Die österreichische Sonderausgabe erscheint demnächst. (Zu beziehen von unserer Vertriebsstelle in Wien II, Stefanienstr. 12, Administration der Jüdischen Zeitung.) JÜDISCHER VERLAG BERLIN W15, Sächsische Strasse 8 KONFITÜREN S-i PACKUNG für Pralinös, Katzenzungen, Mokkabonnen Ueberau zu haben SCHOKOLADEN M— N —V Milch Nute Vanille Di« Drsl Niusn EdeltohokolaftB Dresden 1911: Kgl. Sachs. Staatsprelt

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