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Die Welt · 1912-03-08 · 10 (8.3.1912) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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308 DIEÄELT: Nr. 10 Tone gehalten ist und die Annullierung der Aschkenasim- Konvention verlangt. Der Medschliss hat dem Graßrabbiner hierauf kurz geantwortet, daß Rabbi Nah um nicht kompetent sei, ein solches Ansinnen an ihn zu stellen, sondern daß nur beim Medschliss Umumi die Entscheidung liege, und hat Rabbi Nahum aufgefordert, sich an die Forderung der Regierung und die Vorschriften des Gesetzes zu halten. Es scheint nun sicher, daß es zur Nationalversammlung kommen wird. PALASTINA 738a ooojj Die Orangenausfuhr Jaffas Der jüngste Bericht des Jaffaer deutschen Vizekonsulats veranschlagt den Wert der jährlichen Orangeausfuhr Jaffas aut nahezu 6 Mül. Frcs. Die Bedeutung dieses Artikels für den Außenhandel Palästinas geht auch daraus hervor, daß der Grangeexport 39 o;0 der Gesamtausfuhr des Jaffaer Hafens ausmacht. Der Export ist von 440 000 Kisten im Jahre 1904 aut 1 000 000 in der Saison 1910 gestiegen und beträgt 1911, obwohl dieses Jahr nur einen Dreiviertelertrag aufweist, bis jetzt schon das gleiche Quantum. Da von Jahr zu Jahr neue Pflanzungen angelegt und frühere Anlagen ertragsfähig werden, wird man in einigen Jahren aut eine Ausfuhr von 2 Millionen Kisten rechnen können. Hauptabnehmer für Jaffa-Orangen ist England. In der Saison, von November bis März, gehen regelmäßig Frachtdampfer nach Liverpool. Die Fracht, die in der Regel 1 Shilling pro Kiste beträgt, ist von einer Linie bereits aut 6 Pence herabgesetzt worden. Der Export nach England betrug in der letzten Saison zwischen 700 000 und 800 000 Kisten. Nicht unerheblich ist auch der Absatz nach Aegypten und der europäischen Türkei. Neuerdings hat sich auch Rußland als guter Abnehmer erwiesen, und es sind Versuche im Gange, neue Märkte in Südafrika und Australien für die Orangen zu erschließen. Kleinere Mengen nehmen Oesterreich, Frankreich und Italien auf. Der Verkaui in Deutschland beschränkt sich im wesentlichen auf die Zeit vom Spätherbst bis Anfang Dezember. Die Einfuhr belief sich in Jaffa in der Kampagne 1910 aut etwa 10 000 Kisten und hat in der diesjährigen Saison ungefähr die gleiche Höhe erreicht. Arztwahl in einer palästinensischen Kolonie Der Waad (Vorstand) der Kolonie Jemma hat Herrn Dr. med. W. Levinsohn aus D w i n s k zum Koloniearzt berufen. Herr Dr. Levinsohn wird auch die übrigen jüdischen Kolonien in Untergaliläa besuchen. Der Eisenbahnbau Aphule—Jerusalem Für den im April d. J. beginnenden Bau der Eisenbahnlinie Aphule—-Jerusalem werden die technischen Vorarbeiten emsig durchgeführt. Durch die neue Linie erhält bekanntlich Haita eine direkte Eisenbahnverbindung mit Jerusalem. Aphule liegt an der Eisenbahnstrecke Haifa—Damaskus, und hier wird die neue Bahn nach Jerusalem hin — über G a n i n und Nablus (Sichern) — abzweigen. Die Länge dieser Zweiglinie beträgt ca. 170 km, also doppelt soviel als die Strecke Jaffa—Jerusalem. Der Bau dürfte 3 Jahre in Anspruch nehmen und wird einen Kostenaufwand von annähernd 40 Mill. Frcs. erfordern. Eine mechanische Weberei in Jerusalem Ein Jerusalemer angesehener jüdischer Bürger, Herr Mendel Rand, beabsichtigt, im Verein mit anderen jüdischen Kautleuten eine mechanische Weberei in Jerusalem zu eröffnen, die 200 jüdische Arbeiter beschäftigen soll. Das Aktienkapital des neuen Unternehmens beträgt 200 000 Frcs., wovon Herr Rand selbst die Hälfte gezeichnet hat. Aus Rischon-Lezion Der Waad der Kolonie hat beschlossen, für die hier ansässigen Jemenitenfamilien weitere zwanzig Wohnhäuser zu errichten. Die behördliche Genehmigung hierzu dürfte demnächst eintreffen. Die Schaffung einer neuen jüdischen Landarbeiterkolonie in der Nachbarschaft von Rischon gilt als gesichert. Sechzig Familien sollen aut dem betreffenden Grundstück angesiedelt werden und dort hauptsächlich Gemüse- und Gartenbau treiben. Von der hebräischen Bühne in Jerusalem Vor einer zahlreichen Zuschauermenge aus allen Kreisen der Jerusalemer jüdischen Intelligenz brachten dieser Tage die hiesigen „Liebhaber der hebräischen Bühne" (Chowewe Habamah Haibrith) M o 1 i e r e s „H a r p a g o n" in hebräischer Bearbeitung zur Aufführung. Sämtliche Darsteller ernteten für ihre vorzüglichen Leistungen stürmischen Beifall. Das hebräische Liebhabertheater in Jerusalem macht bedeutende Fortschritte. Eine ähnliche Einrichtung, die sich ebenfalls gedeihlich entwickelt, besteht bekanntlich auch in Jaffa. Eine Spende für die hebräische Sprachkommission in Jerusalem Der bekannte Zionsfreund und Förderer der hebräischen Literatur, Herr Hillel Zlatopolsky, hat dem Jerusalemer Waad-Halaschon (Kommission für die hebräische Sprachwissenschaft) eine vorläufige Spende von 1000 Frcs. überwiesen. Ein Buch über den Gemüsebau in Palästina Soeben ist aus der Feder des Kolonisten S. Cohen- Lipschütz eine hebräische Schrift über den Gemüsebau in Palästina erschienen. Das Büchlein enthält in volkstümlicher Darstellung alles Wissenswerte über diesen in Palästina wenig gepflegten Zweig der Landwirtschaft, dem sich jedoch neuerdings wieder das Interesse weiter Kreise zuwendet. Der Autor besuchte seinerzeit die Ackerbauschule „Mikweh Israel" bei Jaffa und war dann jahrelang in den jüdischen Kolonien als Landwirt praktisch tätig. Zum Kiewer Ritualmordprozeß Die Gerichtsverhandlung gegen den des Mordes an dem Knaben Justschinsky angeklagten Juden B e i 1 i s findet im Mai d. J. statt. Als Sachverständige für die Frage des Vorhandenseins sogenannter „Ritualmorde" bei den Juden hat die Verteidigung eine Reihe russischer Universitätsprotessoren — Theologen, Orientalisten, Psychiater und Chirurgen — sowie den Berliner Professor Strack vorgeschlagen. Unter den Verteidigern von Beilis befindet sich auch der hervorragende Advokat Bobritschew- Puschkin. Die infolge der Enthüllungen des Journalisten Br asul-Bruschko wsky verhaftete Frau Tschebyriakowa wurde vom Polizeigewahrsam ins Gefängnis übergeführt. Angriffe auf Juden in Bulgarien In Kustendil (Bulgarien) sollen Ausschreitungen gegen die Juden stattgefunden haben, wobei eine ganze Anzahl verwundet wurden. Diese Angriffe sind das Werk von Mitgliedern einer antisemitischen Vereinigung, die sich in Kustendil zu dem Zwecke gebildet hat, die jüdische Bevölkerung zu terrorisieren. Die „Balkanska Tribuna" will wissen, der Anführer sei ein Bulgare mit Namen Pani Ar so, welcher mit seinen Komplizen die Pogrome von 1901 organisiert hat. Trotz der sofort bei den Behörden eingereichten Klagen ist keiner der Angreifer festgen-olm'men worden. Die Juden erklärten bei einer Versammlung, daß, wenn die Regierung nicht einschreiten würde, sie gezwungen wären, sich selbst zu verteidigen. Der Großrabbiner von Bulgarien hat die Regierung gebeten, die zur Klärung der Sachlage nötigen Maßnahmen zu ergreifen. V. Jüdischer Turntag Am 26. und 27. Mai dieses Jahres wird die Jüdische Turnerschaft in Berlin ihren V. Turntag abhalten. Anschließend an die Tagung wird u. a. das erste jüdische Sportfest stattfinden, bei dem sich u. a. Fußball- und Hockeymannschaften der verschiedenen Vereine gegenübertreten werden. Außerdem werden leicht- und schwerathletische Konkurrenzen stattfinden. Der Verband steht auf dem Boden des Nationaljudentunis und wurde gelegentlich des sechsten

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