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Die Welt · 1912-03-08 · 10 (8.3.1912) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE BERLIN W15, SÄCHSISCHE STB. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVI. JAHRO BERLIN, 8. März 1912 unfe? rann 's *nx ,yh~\2 Nr. 10. An den Ufern des Paranä Es ist das Schicksal jedes neuen Gedankens, solange bekämpft zu werden, bis er ein gewisses Alter erreicht hat. Dann, wenn die Knaben zu Jünglingen, die Jünglinge zu reifen Männern geworden sind, ist der Gedanke — scheinbar über Nacht - Allgemeingut geworden, und nur greisenhafter Eigensinn sträubt sich, ihn anzuerkennen. Diese Wandlung vollzieht sich gegenwärtig auch gegenüber dem Zionismus. Schon hat sich einer der Hauptpunkte des zionistischen Programms — die Idee der Konzentration jüdischer Massen auf kolonisatorischer Grundlage — fast völlige Anerkennung im Judentum errungen. Man könnte einwenden, daß dieser Gedanke ja bereits vor dem Auftreten der zionistischen Organisation von Rothschild und Hirsch aufgenommen worden sei, aber dieser Einwand ist nicht richtig: Was Rothschild in Palästina leistete, war nur durch die durchaus zionistische Tätigkeit der Chowewe Zion möglich. Daß er sich der ersten Kolonisten annahm, die Pioniere stützte, ist sein großes und bleibendes Verdienst, dieses Pioniertum selbst aber war kein künstliches Erzeugnis der Philanthropie, sondern ein echtes Kind des Zionismus. Die Absichten des Baron Hirsch, der auf rein philanthropischer Grundlage eine ,,Großkolonisation" erstrebte, blieben unerfüllt und fanden im Herzen seiner Zeitgenossen keinen Widerhall. Die offizielle Anschauung der „maßgebenden" jüdischen Kreise war jeder bewußten Anhäufung von Juden feindlich. Sie sah in der Kolonisation ein Mittel, eine Anzahl Juden dem Ackerbau zuzuführen — wie dies auch heute noch hier und da für Deutschland empfohlen wird —, verhielt sich aber gegenüber der eigentlichen Konzentrationspolitik durchaus ablehnend. Hierin hat sich in den letzten Jahren ein bemerkenswerter Umschwung vollzogen. Soweit die Ostjuden in Frage kommen, gilt heute die Idee der planmäßigen Konzentration in weitesten jüdischen Kreisen für die allerpraktischste Lösung. Die nächsten Schritte auf der Bahn der Erkenntnis sind freilich noch nicht getan. Noch immer gleiten die neugebackenen Anhänger jüdischer Änsiedlungspolitik in die Irrtümer des Territorialismus. Sie sind noch nicht daran gewöhnt, mit den inneren Kräften des jüdischen Volkes zu rechnen, sie stellen sich die Massenan-siedlun^ als einen mechanischen Prozeß vor, der von einer philanthropisch-bureaukratischen Maschinerie vollzogen wird. Sie kennen nicht das völlige Fiasko der Ansiedlungsversuche des ßaron Hirsch und haben noch nicht begriffen, daß nur der nationale Gedanke und die Liebe zu Palästina eine jüdische Siedlung erstehen lassen kann. Die Zionisten haben in ihrem Kampfe gegen die Theorien der Philanthropie stets auf die Ergebnislosigkeit der Hirschsehen Kolonisationsmethode in Argentinien hingewiesen. Es erübrigt sich, die theoretischen Einwände heute zu wiederholen, denn wir haben den aktenmäßigen Beweis für unsere Behauptungen in der Hand. Herr Sonnenfeld, der Direktor der jea, hat im ersten Märzheft der Zeitschrift „Nord und Süd" einen Artikel geschrieben, der den Titel „Jüdische Bauernkolonien" führt. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß in diesem Artikel nicht etwa von den jüdischen Kolonien in Palästina die Rede ist. Auch ist es beinahe Raumverschwendung, mitzuteilen, daß das Wort Palästina" in diesem Artikel überhaupt nicht vorkommt. Es handelt sich ausschließlich um die Kolonien, die Baron Hirsch in Argentinien gegründet hat. Und was verkündet uns der Direktor der Jca? Er verkündet uns, daß der Baron Hirsch sich geirrt hat und daß sein Werk völlig gescheitert ist. ,,Baron Hirsch glaubte allen Ernstes, nicht nur die an den Grenzen Deutschlands und Oesterreichs der Befreiung und Rettung harrenden Unglücklichen einer neuen Heimat zuführen zu können, er war von dem stolzen Wahne erfüllt, die 4—5 Millionen im Zarenreiche ansässigen Juden in menschlich absehbarer Zeit aus dem neuen Aegypten hinaus und in ein neues gelobtes Land führen zu können." Also spricht Sonnenfeld, der seinerseits, wie aus dem Zitat hervorgeht, keinen derartigen „stolzen Wahn" hegt. Wir könnten damit ganz zufrieden sein und uns der Einsicht des Jca-Mannes freuen, wenn — ja, wenn er uns nach dieser wenig tröstlichen Einleitung auseinandersetzen wollte, was die Jca denn nun eigentlich will? Wir hören, daß einige tausend Kolonisten angesiedelt wurden — und fügen aus eigener Kenntnis der Dinge hinzu, daß die Abwanderung der Kolonisten in die Städte

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