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Die Welt · 1912-03-01 · 9 (1.3.1912) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 9 blE2^! ELT Glasgow. In Glasgow ist ein neuer Verein unter dem Namen Young Men's Zionist League gegründet worden. Liverpool. Am 7. Februar fand in der Zionist Hall ein Gesellschaftsabend statt, den die Junior Zionist Asse*. ciation und die GirPs Zionist League veranstaltet hatten. — Eine Versammlung der Mitglieder der „Ivriah" National and Literary Society für Hebräisch-Sprechende fand am 6. Februar statt. Die Verhandlungen wurden in hebräischer Sprache geführt. Edinburgh. Am Sonntag fand zwischen der Young Men's Zionist Culture Association und der Jewish Literary Society eine Debatte statt. Die Herren Ocfcreut und Balkin sprachen für die Zionist Society, und die Herren Michaels on und L e v y für die Literary Society. Rumänien Gedenkfeier der rumänischen Zionisten Die zionistischen Vereine Rumäniens feiern diese Woche den 30 jährigen Gedenktag der Gründung des ersten rumänischen Vereins für die Kolonisation Palästinas. Diese erste Palästina-Organisation wurde im Jahre 1882 in G a I a t z unter dem Namen „ J i s c h u b Erez-Israel" ins Leben gerufen. Zur Feier dieses historisch denkwürdigen Ereignisses veranstaltet die zionistische Föderation Rumäniens eine Reihe von Festlichkeiten in den verschiedenen Städten des Landes. Als Vertreter des zionistischen Actions-Comites nimmt Herr Nahum Sok-olow an dieser Jubelfeier teil. Am 23. Februar traf er in Focsani ein, wo sich zu seinem Empfange Delegierte des zionistischen Zentralkomitees und zahlreiche angesehene Zionsfreunde aus allen Teilen des Landes eingefunden hatten. Am Vorabend des Sabbat und Sabbat morgens fanden in der Genieindesynagoge Festgottesdienste statt. Rabbiner Dr. Nacht hielt eine schwungvolle Festpredigt. Abends fand unter Beteiligung des Gemeindevorstandes und der Bnei-Brith- Loge eine große öffentliche Versammlung statt, in der Herr Nahum Sokolow eine mit stürmischer Begeisterung aufgenommene Gedenkrede hielt. Der Versammlung folgte ein Festbankett, wobei auf Anregung S o k o 1 o w s und des Rabbiners Dr. Nacht eine Kommission jüdischer Notabein des Landes zur Förderung des hebräischen Schulwesens eingesetzt wurde. Am 25. Februar fand eine großangelegte Feier in Galatz, dem Sitz des zionistischen Zentralkomitees statt. Am 27. Februar sprach Herr Sokolow in B r a i 1 a vor einer mehrtausendköpfigen Versammlung. Weitere Festlichkeiten werden in Bukarest, Jassy, Piatra, Bacau und einer Reihe anderer Städte abgehalten werden. Schweiz Organisation zionistischer Studenten aus Osteuropa. Die erste Konferenz der Organisation zionistischer Studenten aus Osteuropa findet am 5., 6. und 7. März in B e r n statt. Vereine und Einzelne, die Interesse an der Konferenz haben, mögen sich in allen Angelegenheiten derselben an Herrn R. Swerdlotf (cand. phil.), Cäcilienstr. 53, Bern, wenden. Während der Konferenz findet auch der □'Hnyn ÜV der Schweiz in Bern statt. Im Namen der Zentrale R. S w e r d I o f f, cand, phil. Brief aus Wien (Von unserem Berichterstatter.) Eine Protestversammlung der israelitischen Kultusgemeinderepräsentanz gegen den Vortrag Sombarts Für Sonntag, den 25. Februar, war ein öffentlicher, allgemein zugänglicher Vortrag des Rabbiners Dr. G r u n w a 1 d angekündigt mit der Tagesordnung: Erwiderung auf Sombarts Vorträge über die Zukunft der Juden. Bezeichnenderweise führte der Kultusgemeindepräsident Dr. Stern den Vorsitz. Die Beamtenschaft und gesamte Diener- 27 i schaft aus der Seitenstettengasse war in den Saal beordert, mit der Aufgabe, die Plätze zu besetzen und Bütteldienste zu leisten. Eine halbe Stunde vor dem angesetzten Termin ließ der Herr Präsident, trotzdem der Saal noch nicht zur Hälfte gefüllt war, den Haupteingang sperren, vor dem sich eine vielhundertköpfige Menge staute. Die Getreuen oder notorisch antizionistisch Gesinnten wurden durch eine Hinterpforte eingelassen. Als die auf Einlaß Harrenden erfuhren, daß man sie nicht zulassen wolle, trotzdem der Vortrag öffentlich und frei zugänglich und der Vortragsraum zum großen Teile unbesetzt war, wurden unwillige Rufe laut. Da tauchte eine große Schar von Polizisten auf, die scheinbar von der Veranstalterin, der Kultusgemeinderepräsentanz, konsigniert worden war und räumte die Straße. Nun darf man nicht etwa glauben, daß sich halbwüchsige Jugend angesammelt hatte. Die ältesten und angesehensten Gesinnungsgenossen wurden mit Brachialgewalt verjagt. Die Aufregung über das feige und nichtswürdige Vorgehen der Kultusgemeindeclique war ungeheuer und wird noch lange nachzittern. Die Schutzmannschaft nahm auch mehrere Verhaftungen vor und führte unter anderem die Gesinnungsgenossen Lucian Brunncr und Dr. Fritz L ö h n e r (Schriftsteller Beda) auf die Wachstube ab. Inzwischen hatte Dr. Stern die Versammlung mit der Erklärung eröffnet, die i s r a e 1 i t i s c h e K u 11 u s g e m e i n d e fühle sich verpflichtet, auf den Vortrag Sombarts über „die Zukunff der Juden" zu erwidern und habe zu diesem Zwecke diesen Vortrag veranstaltet. In einer überaus flachen und faden Rede suchte nun Dr. Grun w a l d zu beweisen, daß Sombart ein Antisemit sei und die Juden „f r o z z 1 e". (!) Ihm habe das Herz im Leibe gebebt, als er Sombart über die Judenfrage reden hörte. "Nicht mit einer Silbe berührte er das, was Sombart in seinem Vortrage über die Zukunft der Juden sagte. Das Wort „Zionismus" kam in der ganzen Rede überhaupt nicht vor. Es wäre ganz müßig, dieses Herumplätschern zwischen abgeschmackten Ghettogeschichtchen und fetten Kanzelphrasen wiederzugeben. Während seiner Ausführungen erklärte er auf einen Zwischenruf, daß nach seiner Rede eine Diskussion stattfinden werde und daß er jedermann antworten wolle. Gleichwohl schloß Dr. Stern nach dem Referate die Versammlung, entfernte sich fluchtartig und auch der gotiesfürchtige Herr Dr. Grunwald hielt sich nicht an das gegebene Wort und machte Anstalten, den Saal zu verlassen. Daran wurde er nun ernstlich gehindert und mußte widerstrebend die Diskussion eröffnen. Gg. Ob.-Ing. Stricker warf dem Referenten und seinen Hintermännern Unehrlichkeit vor. Sie wenden sich gegen Sombart und meinen den Zionismus. (Stürmische Zustimmung.) Erst als Sombart sich zum Zionismus bekannte, habe das Kesseltreiben gegen ihn begonnen. Es sei zu drastisch, wenn man dieselben Herren gegen de:; „Antisemiten Sombart" bis an die Zähne bewaffnet saeiten sieht, die „tief ergriffen hinter der Bahre Luegers einherschritten". Gg. Adolr Böhm fragte den Referenten, warum er Sombarts Ansichten über die Zukunft der Juden überhaupt nicht behandelt habe, wie er sich zum Problem „die Zukunft der Juden" und zum Zionismus stelle. Dr. Grunwald entgegnete, er habe sich nur mit der Person Sombarts und nicht mit seinem Wiener Vortrage befassen wollen. Der Titel des Vortrages sei irrig gewesen. Ueber den Zionismus habe er vor einem Auditorium, das davon mehr verstände als er, nicht reden wollen. - Einen gelungenen, wenn auch etwas verfrühten Purimscherz leistet sich die „Neue Freie Presse". Sie berichtet ihren Lesern von einem Kampf zwischen Zionisten und Jüdischnationalen anläßlich dieses Vortrages. Es seien nämlich, belehrt sie, nur die ersteren Anhänger,^ die letzteren hingegen heftige Gegner der Ausführungen Sombarts über die Judenfrage. Noch niemals sind die Wiener Assimilanten und Auchjuden so außer Rand und Band geraten, wie seit Sombarts öffentlicher Billigung des Zionismus und jüdischen Nationalismus und noch nie haben sie sich so unwürdiger und lächerlicher Mittel bedient.

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