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Die Welt · 1912-02-23 · 8 (23.2.1912) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
8 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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246 DIEÄELT Mr. 8 Bedeutung sind: „Augebat iras, quod Judaei soli non cessissent." Es ist eben das Fatale, Schicksalschwere an ihm, daß er nicht „nachgeben" kann. Eine ferne, fremde Erscheinung inmitten einer ganz anderen, form- und wesensverschiedenen Welt. Er möchte ja hier und da sich anpassen, in die Verhältnisse schicken, und tut es auch nach Kräften. Er ist nicht mehr der Ahasver von ehedem, der hartnäckige Orientale, der an der Porta Capena, im kaiserlichen Rom, in Alexandrien, an seiner eigenen Art festhielt. Der Strom der Zeit riß ihn fort - zu den Barbaren, nach dem Norden, in die unwirtlichen Gefilde Sarmatiens, Daziens und noch weiter, viel weiter. Wo kein römischer Legionär hingedrungen war, führte das Leben und die Not den wandernden Ahasver. Wo kein römischer Miliarstein stand, wo kein abendländisches Symbol zu sehen war, überallhin wagte sich Ahasver vor. Und er büßte seinen Wagemut. Und bezahlte seine Kühnheit teuer . . . Und doch — jetzt steht er doch wieder dort, wo das antike Judenviertel einst war, wo der alte Matathia ben Cheresch lehrte, wo Agrippa, der letzte König von Jerusalem, seinen Fuß setzte. Und fühlt sein starkes Leben mitten unter den Ruinen . . . Die Römer sind verschollen, was sie hinterließen, gehört der Vergangenheit an. Er aber steht an der Grenzscheide zwischen altersgrauer Vergangenheit und blutwarmer Gegenwart. Seine Geschichte hat noch keinen Abschluß gefunden. Seine Seele lebt noch. Aber — ist sie nicht auch eine Trümmerstätte? Uebereinander geschichtete Stile, einander widersprechende Formen und Inhalte, Bestrebungen und Willensrichtungen, die sich gegenseitig aufheben? Nun sucht er in den alten Resten seiner römischen Vergangenheit und findet nichts. Die jüdischen Katakomben, die sagen ihm nichts, nicht viel mehr als die Katakomben der anderen. Gräber, Gräber, verborgene, geheime Zufluchtsstätten, alte, kaum zu entziffernde Inschriften. Ach nein — nicht das ist es, was er suchte. Gräber und dunkle Verstecke hat er genug gesehen . . . Leben, Zukunft, Hoffnung, einen Weg suchte er. Die Vergangenheit schweigt. Es schweigt das alte römische Ghetto, es schweigt die uralte Kirche von St. Angiolo, wo man einst, im Mittelalter, Ahasver zwang, kirchliche Bekehrungspredigten anzuhören . . . Es schweigt aber auch die neue Synagoge, die als Erinnerung und als Merkzeichen des alten Ghettolebens von den römischen Juden erbaut wurde. Was Ahasver in dieser Synagoge findet, befremdet ihn nur. Oder vielmehr, kommt ihm so altbekannt vor. Da ist wiederum eine demütige, stolztuende, aber im Grunde unterwürfige Denktafel zu Ehren der „Befreiung der Juden", der Verleihung der bürgerlichen Gleichheit . . . Das alte, bekannte Bild. Ruinen der Seele, verwitterter, abbröckelnder Geist . . . Und Ahasver überkommt seine alte, nagende Sehnsucht. Er weiß übrigens, was er suchte. Er weiß, daß „an den Toren Roms Messias sitzt". So lehrten ihn die alten Ueberlieferungen. Wie ein vermummter Bettler, wie ein Ausgestoßener, wie ein Heimgesuchter, sitzt an den stolzen Toren der „Urbs" der Führer Israels. Nur wird er noch nicht erkannt. Nur hat er sich selbst noch nicht erkannt. Und er harrt geduldig auf die Stunde des Erkennens, des Selbsterkennens . . . Lind immer wieder zieht Ahasver gen Rom, um den Messias unter der Schar der Ausgestoßenen und Leidenden zu finden. Und immer wieder zieht er nach vergeblichem Suchen wieder fort. Wie oft schien es ihm, als hätte er den Ersehnten gefunden. Aber es waren irrlichtelierende Träume ... Nun ist Ahasver entschlossen. Wieder einmal. Oder vielleicht zum erstenmal. Jetzt muß er den Führer, den Verborgenen, den Traum finden. Jetzt oder nie. Mit allen Mitteln der modernen Technik ausgerüstet, zog er auf die Suche. Hier und jetzt muß die letzte, größte Restauration sieb vollziehen. Die Wiederherstellung seiner Seele ... Und das ist es, was Ahasver ein neues, sonderbares Aussehen verliehen hat. Es ist kein flackerndes Feuer des unsicheren Tastens und Umherirrens in seinen Augen mehr. Ein fester Wille spiegelt sich in ihnen. Der Wille, zu siegen — oder den Kampf aufzugeben, neben dem alten, hingestreckten Gegner sich zur Ruhe zu legen — oder in neuer Jugend wiedergeboren zu werden. Und Ahasver wandert wiederum festen Schrittes vor die Tore Roms... Schluß des redaktionellen Teiles Der Original B. K. S. Türschliesser. Früher war man vielfach der Ansicht, dass ein Türschliesser ein Luxusartikel sei, doch ist man allmählich zu der Ansicht gekommen, dass er gerade zu einem Bedürfnis geworden ist. 1909/10. Wer den praktischen Wert eines gut funktionierenden Ttirschliessers kennt, kann auf diese Einrichtung niemals mehr verzichten. Die Annehmlichkeiten, die der B. 3L S. Türschliesser jahrelang bietet, lassen den Anschaffungspreis recht ba'd vergessen. Der B. K. S. Türschliesser hat sich infolge seiner hen-orragenden Güte bestens eingeführt und seine tadellos bewahrte und saubere Ausführung führt ihm täglich neue Anhänger zu. Dieser Türschliesser bietet aber nicht nur Annehmlichkeiten, er ist vielmehr in tapsenden Fällen zur direkten Notwendigkeit geworden; beispielsweise bei Krankenhäusern, Bahnhofsgebäuden, Theatern, Schulen, staatlichen und industriellen Gebäuden, Hoteis, Kirchen und Privathäusern. Er beseitigt Kälte, Zugluft, hält Geräusch und Geruch ab und arbeitet schnell, sicher und geräuschlos, ein heftiges Zuschlagen der Tür ist nicht möglich. Der B. K. S. Türschliesser kann auf jeder beliebigen Gangart je nach dem vorliegenden Bedürfnis bequem eingestellt werden. KON FITÜREN S—i PACKUNG für Prallnös, Katzenzungen, Mokkabohnen Ueberau zu haben SCHOKOLADEN M— N — V Milch Nuse Vanille Die Drei Neuen Edel schokoladen BERLIN Dresden 1911: Kgl. Sächa. Staateprelt

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