Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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238 DIEÄELT. Bis zum April war Schwester Stiebel im Hospital in Jaffa tätig. Es ist für uns schwer, für dieses Hospital etwas zu tun. Nur mit großen Summen ist es möglich, das Krankenhaus zu reorganiseren, das unter dem Druck alter Schulden zu leiden hat, und trotz größerer Zuwendungen immer noch einige Monate im Jahre geschlossen werden muß. Wir hoffen Nr. 8 aber, daß es uns möglich sein wird, auch diesem Hospital in größerem Maße unser Interesse zuzuwenden. Die Moskauer Ortsgruppe unseres Verbandes hat auch in diesem Jahr für eine Wöcnnerinnenstube 3100 Frcs. und für eine Rekonvaleszenten stube 1000 Frcs. nach Jaffa überwiesen. o o o o o o fr NV_____ B_ o o o o o o o -4 AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o o o o o o o o lieh. Außer 200 Reiches nahmen Die zionistische Die Generalversammlung der russischen Chowewe-Zion (Vorläufiger Bericht.) Mittwoch, den 14. d. M., wurde in O d e s s a die Generalversammlung der „Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Palästina und Syrien" durch den Vorsitzenden, Ingenieur M. U s s i s c h k i n , eröffnet. Die Tagung fällt mit dem dreißigjährigen Jubiläum der Gesellschaft zusammen und gestaltete sich deshalb besonders feier- Delegierten aus allen Teilen des russischen zirka 800 Gäste an den Beratungen teil. Organisation war durch das Mitglied des Engeren Actions-Comites, Dr. Victor Jacobson, vertreten. Es herrschte eine gehobene Stimmung. In seiner Eröffnungsrede gab der Vorsitzende eine allgemeine Uebersicht über die kolonisatorischen und kulturellen Leistungen der Gesellschaft in den drei Jahren seit der letzten Generalversammlung. Er wies insbesondere auf die Bestrebungen der Gesellschaft zur Seßhaftmachung der jüdischen Landarbeiter und zur Förderung des höheren hebräischen Schulwesens hin. Sodann gedachte er der in der Berichtsperiode verstorbenen hervorragenden Zionsfreunde und Mitglieder der Gesellschaft, M. L. L i I i e n b 1 u m , E. L. L e w i n s k y , S. P. R a b b i n o vv i t z u. a. An den Geschäftsbericht knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der u. a. die Herren Hillel Zlastopolsky (Kiew), Dr. C h i s s i n (Jaffa) und M. Kleinmann teilnahmen. Es wurde insbesondere der Wunsch ausgesprochen, die Gesellschaft möchte der jüdischen Landarbeiterfrage in Palästina mehr Aufmerksamkeit zuwenden. In Erwiderung darauf teilte Präsident M. U s s i s c h k i n mit, daß das Komitee in Aussicht genommen habe, auf den der Gesellschaft gehörigen Grundstücken nächst den Kolonien Rischon-Lezion und Chedera neue Ansiedlungen jüdischer Landarbeiter — nach dem Muster der Landarbeiterkolonie E l n - Gannim bei Pethach-Tikwah — zu schaffen. Diese Mitteilung wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. In der zweiten Sitzung referierte Dr. Buchmil über das Projekt eines Instituts für Agrarkredit in Palästina. Dr. Jacobson, mit lebhaftem Beifall empfangen, ergänzte die Ausführungen des Referenten durch interessante Angaben über die landwirtschaftlichen Verhältnisse in der europäischen und asiatischen Türkei, die auf die Schaffung einer Agrarbank geradezu hindrängen. Die türkische Agrargesetzgebung diärfte in nächster Zeit reformiert werden, wodurch die Vorbedingung für eine erfolgreiche Tätigkeit derartiger Institute geschaffen sein wird. Eine jüdische Agrarbank werde auch von der arabischen ackerbautreibenden Bevölkerung Palästinas mit Freuden begrüßt werden, wie denn erfreulicherweise die Erkenntnis in immer weitere Kreise der Araber vordringt, daß eine großzügige jüdische Kolonisation auch für die arabische Bevölkerung von größtem Nutzen sei. Palästina mit seiner Bevölkerung von 23 Seelen pro Quadratkilometer biete noch Raum für Millionen neuer Ansiedler, und wenn diese, wie die jüdischen Kolonisten, die technischen Fortschritte und die wirtschaftlichen Hilfsmittel Europas ins Land bringen, so komme der Erfolg ihrer Arbeit naturgemäß dem ganzen Lande zugute und müsse einen allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung herbeiführen. Aul Vorschlag des Vorsitzenden Ussischkin wurde hierauf eine neungliedrige Kommission eingesetzt, die die weiteren Vorarbeiten in dieser Angelegenheit durchführen und etwaige Vorschläge prüfen soll. B. Goldberg (Wilna) referierte über „Gesellschaften und Institute für Bodenkauf in Palästina". Im Verlaufe seiner Ausführungen wies er auf die Bedeutung der Palestine Land Development Company hin und forderte die Generalversammlung auf, die Mitglieder der Gesellschaft zu einer intensiven Propaganda im Interesse dieser Gesellschaft zu verpflichten. In der Diskussion, an der sich die Herren S c h e i n k i n (Jaffa), Frankfeld und G i s s i n beteiligten, wurde insbesondere das jüdische Landarbeiterproblem in Palästina eingehend erörtert. Sodann referierte Agronom S u 0 m a n n (Odessa) über Gartenkolonien in Palästina*'. Er beantragte, zunächst in der Umgebung Jerusalems, späterhin vielleicht auch in der Nähe Jaffas und anderer palästinensischer Städte Gartenansiedlungen zu schaffen, deren Bewohner sich hauptsächlich mit Garten-, Obst- und Gemüsebau befassen sollen. Dieser Antrag wurde einer achtgliedrigen Kommission zur Prüfung übergeben. In der dritten Sitzung erstattete Dr. M. Glücksohn Bericht über die Tätigkeit des Informationsbureaus der Gesellschaft in Odessa., Jaffa, Jerusalem usw. Die Tätigkeit dieser Bureaus erfuhr in der dem Referat folgenden Diskussion eine lebhafte Kritik, auf die der Leiter des Jaffaer Bureaus, M. Scheinkin, in längeren Ausführungen erwiderte. In der vierten Sitzung, vom Sonntag, den 18. Februar, referierten Dr. Josef Klausner und M. Scheinkin über die kulturelle Tätigkeit in Palästina. Hierüber entstand eine sehr lebhafte, stellenweise erregte Debatte. Einerseits beschwerten sich manche orthodoxe Versammlungsteilnehmer über die Förderung, die das Komitee dem Hebräischen Gymnasium in Jaffa angedeihen lasse, andererseits führten die Vertreter der Jugend und der Arbeiterschaft darüber Klage, daß das Komitee dem „Hapoel Hazair" in Jaffa wegen eines in diesem Blatte erschienenen antireligiösen Artikels von J. Ch. Brenner die bis dahin gewährte Beihilfe entzogen habe. Der Vorsitzende Ussischkin erwiderte in einer sehr wirkungsvollen Rede allen Kritikern und setzte den Standpunkt des Komitees in der Kulturfrage auseinander. Schließlich wurde eine Kommission mit der Prüfung der Kulturfrage betraut. In der fünften (Montags-) Sitzung referierte W. J a b ot i n s k y über die Rechtsverhältnisse der ottomanischen Juden und die rechtliche Lage der jüdischen Kolonisten. An der Diskussion nahmen u. a. Dr. Jakob Kohan-Bernstein, Drujanow, Jacobson und Scheinkin teil. Wir bitten dringend, bei Brief- und Geldsendungen die untenstehende Adresse 96113!! anzugeben, um Verwechslungen mit einer bereits hier erscheinenden gleichnamigen Zeitung zu vermeiden. „Die Welt", Berlin W15, Sächsische Strasse 8.