Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 7 (16.2.1912)
- Date
- 1912-02-16
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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220 DIE ELT: Nr. 7 genossen absorbierende Aktion unternommen hat, wie etwa im Jahre 1910 für den Bezalel. — Erfreulicherweise hat ein anderes überseeisches Land, Canada, eine Zunahme der Spenden um ca. 33 (,«> gegenüber 1010 zu verzeichnen. Unsere dortigen Gesinnungsgenossen faßten bekanntlich den Beschluß, 1000 Dunam für die Landspende aufzubringen, für welche sie bereits mehr als den vierten Teil aufgebracht haben. — Der Fortschritt in England ist gegenüber dem Vorjahre, das auf die Hälfte gegenüber 1909 zurückgegangen war, unbedeutend. Noch immer sind die Organisationsverhältnisse in diesem Lande ungeklärt, denen allein dieser Tiefstand zuzuschreiben ist, Wir haben in letzter Zeit den Versuch unternommen, die Leitungen der beiden in England arbeitenden Organisationen, der Federation und des Order of Ancient Maccabeans, zu einer gemeinsamen, seit langem erhofften planmäßigen Tätigkeit für den Nationalfonds zu bestimmen. Nach den Erklärungen der betreffenden Kreise ist der gute Wille vorhanden, und wir erwarten demnach, daß sich nunmehr auch ein Weg" finden wird. — Es ist* kein Kompliment für Ungarn, daß es sich in beziig auf den Nationalfonds auf gleicher Stufe mit England befindet. Wenn auch in Ungarn die Organisa tions Verhältnisse gleichwie in England vieles zu wünschen übrig lassen, ist doch zu berücksichtigen, daß Ungarn nahezu viermal so viel Juden als England zählt, wozu noch kommt, daß ein großer Teil der ungarischen Juden in einem streng jüdischen Milieu lebt, das für den Nationalfonds einen äußerst günstigen Boden abgeben würde, wenn er entsprechend bearbeitet würde. Wir können nicht umhin, an dieser Stelle einen Mißstand zu erwähnen, der sich infolge des Beschlusses der letzten Landeskonferenz ergeben hat, und den wir unter keinen Umständen billigen können. Diese Konferenz hat nämlich den seltsamen Beschluß ' gefaßt, die dortige N.-F.-Kommission zu ermächtigen, von den Spenden Provisionsabzüge zu machen, die 40"'<> übersteigen. Selbstverständlich soll diese Provision für die Progapanda des Nationalfonds dienen und in erster Linie für die Erhaltung eines zu diesem Zwecke eingerichteten Bureaus. Wir haben der Konferenz bzw. der N.-F.-Kommission die Kompetenz bestritten, derartige Beschlüsse zu fassen bzw. so große Abzüge zu machen. Für die Festsetzung der Provision ist nach der bisherigen Uebung, wie bezüglich aller anderen Sammelstellen des N.-F., ausschließlich das Direktorium bzw. die Generalversammlung des N.-F. berufen. Gewiß können sich Umstände ergeben, wo erhöhte Ausgaben, namentlich bei Einrichtung von Bureaus, in der ersten Zeit notwendig sind, und bei denen man nicht nach einer bureaukratischen Schablone vorgehen kann. Dies kann aber nur für eine bestimmte, nicht allzulange Zeit gelten. Es scheint uns an der Zeit, daß sich unsere maßgebenden ungarischen Gesinnungsgenossen der Lösung dieser Frage ernstlich zuwenden und für die Entwicklung des Nationalfonds in Ungarn erstlich dieselbe Basis schaffen, wie sie in den übrigen Ländern mit ähnlich zahlreicher jüdischer Bevölkerung bereits vorhanden ist. In erfreulichem Fortschreiten begriffen ist Belgien, das eine Zunahme von ca. 30 gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen hat. An diesem Lande könnten sich manche größere Länder ein Beispiel nehmen. — Eine noch größere Zunahme hat Holland aufzuweisen. Dieses Land zeichnet sich übrigens auch sonst durch den systematischen Ausbau seiner Organisation, insbesondere der Büchsensammlungen aus. In Kroatien waltet ihres Amtes in besonders umsichtiger Weise eine Dame, Fräulein Clara Jacobi, der wir trotz der Schwierigkeiten, die sich mit der Uebersiedlung der Sammelstelle von Osiek nach Agram ergeben haben, eine Vergrößerung der Nationalfonds-Eingänge zu verdanken haben. — in Argentinien haben sich die Eingänge gegenüber dem Vorjahre fast verdoppelt, und es gereicht uns zu besonderer Freude, daß die Spenden zu einem großen Teile aus den jüdischen Kolonien stammen, die ein glänzendes Zeugnis dafür ablegen, daß selbst dort, wo unsere Brüder sich im Golus der Bearbeitung der Scholle widmen, es sie doch mit unwiderstehlicher Kraft nach dem Lande unserer Väter zieht. Bulgarien weist gegenüber dem Vorjahre einen Mehrertrag auf, hat aber noch immer nicht den Stand von 1909 erreicht, der an sicii selbst noch ungenügend ist, angesichts der Zahl der dortigen Juden und des nationalen Empfindens der dortigen Bevölkerung. In der Schweiz haben sich die Eingänge im letzten Jahre verdoppelt, und wir gehen wohl nicht fehl in der Annahme, daß dieser schöne Erfolg der Einwirkung des Kongresses zuzuschreiben ist. Bei der Türkei ist ein kleiner Rückgang gegenüber dem Vorjahre zu konstatieren. In Frankreich hat sich das Ergebnis verdoppelt. Man ist aber berechtigt, an dieses Land mit seiner zahlreichen aus dem Osten stammenden jüdischen Bevölkerung bedeutend größere Ansprüche zu stellen. Es ist zu hoffen, daß infolge der Propaganda, die sich in jüngster Zeit durch das Erscheinen des „Echo Sioniste'4 bemerkbar macht, die Einnahmen des N.-F. in dem nächsten Jahre vergrößert werden. Von den übrigen Ländern weisen Italien, O s t a s i e n und Griechenland ein Plus gegenüber dem Vorjahre auf, Aegypten und Brasilien die gleiche Summe, während Australien, Serbien, S c h w e d e n und D ä n e m a r k ein Minus aufweisen, Doch ist begreiflicherweise die Schwankung in diesen Ländern durch zufällige Momente vielfach beeinflußt. So hat Ostasien die große Zunahme gegenüber dem Vorjahre der Spende des Gesinnungsgenossen Kadoorie in Indien für den David und Fanny Wolffsohn-Fonds zu verdanken. Zum Schlüsse möchten wir erwähnen, daß wir uns auch im vergangenen Jahre bemüht haben, den Länderkreis unserer Organisation zu vergrößern, und zu diesem Zwecke mit Gesinnungsgenossen in Tunis, Portugal und Indien korrespondierten. Positive Erfolge werden sich jedoch in diesen Ländern erst nach einiger Zeit erzielen lassen. (Schluß folgt.) Zum Jahresergebnis 1911 Der Anteil des N.-F. an den Spenden für den Genossenschaftsfonds betrug im Jahre 1911 12 179.84 M. Zuzüglich des in der vorigen Nummer veröffentlichten Betrages von 541 549.37 M. ergibt sich also für das Jahr 1911 ein Gesamterträgnis von 553 729.21 M.