Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 7 (16.2.1912)
- Date
- 1912-02-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Ich meine, daß man jetzt mit Barandes gerade so verfährt, wie vor Zeiten polnische Edelleute mit ihren Juden zu verfahren pflegten. Und darum möchte ich auch über den Juden Brandes, der außer seinem literarischen auch noch -einen jüdischen Namen trägt, über Morris Cohen sprechen . .. Wenn auch andere über den Augenblick hinübergeglitten sind — wir dürfen dies nicht. Für uns haben die Beziehungen Brandes zu seinem Volk ein gewisses Interesse, wobei das Interessanteste ist, daß tjr eben eigentlich keine Beziehungen hat. Der sympathische Nerv, der mit dem eigenen Volke verbindet, ist bei ihm vollkommen atrophisch, und wenn Atrophie ein Glück bedeutet, dann ist er wahrlich der glücklichste Assimilant. Er spricht gerne davon, wie komisch es ihn berühre, wenn man ihn an sein Judentum, seine jüdische Abstammung erinnert. Seine Unwissenheit in allen das juden^ tum betreffenden Dingen ist rührend. Er hat stets danach getrachtet, die Literaturen aller Völker zu kennen. Sein Ciceroneschicksal wies ihn darauf an, stets auf dem Laufenden zu sein, kein Detail zu übersehen, neue Tal-ente vorzustellen, überhaupt nie zu spät zu kommen. Nur in einer Literatur wußte er gar nicht Bescheid, in der seines Volkes. Ich will Brandes nicht beleidigen, verstehe auch nicht, wie man es wagen könnte, einem siebzigjährigen Menschen nahezutreten. Aber wahr ist es doch, daß er für Skandinavien die Rolle eines lebendigen Grammophons, und zwar nicht bloß mechanisch, instrumentenhaft, sondern mit seltener Hingebung und mit der ganzen Wirkung einer lebendigen, empfindsamen Seele spielte, daß er ihm alle Lieder Europas, alle Lieder der großen Welt vorspielte — nur gerade eines nicht, das Lied seines eigenen Volk/es .... Brandes hat alles durchgemacht, alle Ideenbewegungen, alle Stimmungen durchlebt. Der mathematische Kopf von John Stuart Mill und die tiefe, kranke Seele seines persönlichen Freundes Nietzsche waren ihm gleich nahe. Wio war 207 Brandes nicht? Mit wem war er nicht bekannt? Wen hat er nicht interviewt? Nur an sein eigenes Volk ist er niemals herangetreten, nicht etwa, um in dessen R-eihen zu bleiben — davon will ich gar nicht reden —, sondern auch nur um sich einen Augenblick lang zu interessieren, eine kurze Frage zu tun. Der große Reporter von großen Menschengedanken, der literarische Sherlok Holmes, vor dem kein Geheimnis sicher war, — seinem eigenen Volk gegenüber war er hilflos, konnte er den Weg nicht finden. Eine so nervöse, empfindsame Natur, um es kurz zu sagen, ein solcher Jude, wie er im Buch steht, dem Wesen nach, der Unruhe nach — und verliert nicht ein Wort über das Erwachen des jüdischen Volkes! Wenn er wenigstens Utopie, Kinderei, Reaktion gesagt, wenn er meinetwegen dagegen gekämpft hätte! Aber wo?! In seinen Werken findet sich nicht ein Wort darüber. In seinen Beziehungen zum Judentum ist Brandes eine merkwürdige Erscheinung, ein Phänomen, eine Art Farbenblinder .... Brandes ist keine große Persönlichkeit. Aber er hat der Welt und besonders Skandinavien vielen Nutzen gebracht. Sein Leben war sehr interessant. Allein, es würde mich nicht wundern, wenn sich der alte Mann, jetzt abrechnend, erinnern würde, daß seinem Leben etwas gefehlt hat, — ein wichtiges Moment, daß, wenn es dagewesen wäre, das Bild schöner und vollkommener gemacht hätte .... Ja, auch das kann vorkommen, daß ein Tourist nach langem, langem Wandern heimkehrt, alle die Sachen auspackt, sich ausruhen will und plötzlich sich erinnert, daß er etwas sehr Wichtiges verfehlte, einen sehr wichtigen Punkt zu besuchen vergaß, ein Land mit ganz eigentümlichen Pflanzen und Vögeln, ein Volk mit einer eigenen Physiognomie und Kultur . . . Himmel, das eigene Volk! Wie traurig ihm da zumute werden mag! dieäelt V o o o o o o o o o o o o o o JJ AUS DER BEWEGUNG AUSWEIS Schekel Ru ßland. Moskau: Kopatkewitsch: Konstantinopel: Rbl. Rbl. 30.— JL 108 - —.50 „ 1.08 Türkei ps> 120 — 20.30 Italien. Florenz:............Lire 2.— Jk 1.50 Berichtigung: In Nr. 5 der Welt sind unter Zionistische Vereinigung für Deutschland ausgewiesen: Elberfeld M. 40.—, Halberstadt M. 10.--, statt Elberfeld M. 30.—, Halberstadt M. 20.—. Nachträglich für 5671 eingegangen: Rußland. (Spezifikation fehlt)..............#.215.35 Palästina. Jaffa Frs. 78.70, Rechowoth 5.— zus. Frs. 83.70 — JL 67 — Nachträglich für 5670 eingegangen: Palästina. Jerusalem:............Frs. 12.— JL 9.60 o o o o o o o —^ llooooooo -: Zionistischer Zentralfonds Deutschland. Berlin: Dr. A. Eliasberg M. 20.— Dr. M. Rosenblüth (1. Rate) M. 10—, zus......... C ö 1 n a. Rh.: S. Hoofien........... Frankfurt a. M.: Dr. S. Schwarzschild ■ Hamburg: Frau G. G. Cohen........ Aachen: Bruno Stern........... Hannover: Hans Block.......... Königsberg i. Pr.: M. Sambursky JL 30. - 20.— 50.— 100— 20.- 20.- 30.— F. JL 270. - in Wien: Westösterre ich. Durch die Sammelstelle des J. N. Wien: A. Boehm Kr. 100.— H. Lederer Kr. 100, Dr. E. Margulies Kr. 30.—, Georg Popper Kr. 30.—, E. Torczyner Kr. 25.—, Dr. Weleminsky Kr. 25.—, M. Marcus Kr. 10.—, Dr. Emil Lemberger Kr. 60.— zus. Kr. 380 — JL 323.- Vordemberg: M. Marmorek (1. Rate) Kr. 5 — „ 4.25 Kleine Spenden'..........Kr. 4.00 „ 4,17 .#.331.42 Türkei. Sammlung des Herrn M. G o r o d i c h z e, Konstantinopel: Konstantine pel: Dr. V. Jacobson (Restzahl.) Fr. 75 — JL 60.90 Rußland. .......Rbl. 500.- JL 1081.50 .......Rbl. 100.- „ 216.30 Petersburg I. Rosofl . J. B. . . . . 100.— Jk 1397 80