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Die Welt · 1912-01-26 · 4 (26.1.1912) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
– (sequence 20)
Language
German
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122 DIE LT: Nr. 4 Ch. N. Biliak: Gedichte. Aus dem Hebräischen übertragen von Ernst M ü 11 e r. Buchschmuck von O. Merschd () r f f e r. Herausgegeben unter Mitwirkung' der Vereinigung ^Hat'chilah" in Wien. Jüdischer Verlag G. in. b. H., Köln und Leipzig. 1011. Ch. N. Bialik ist unnestrittenerniaß-en der größte jüdische Dichter der (legenwart. Die neuzeitliche hebräische Literatur hat keinen hervorgebracht, der ihm auch nur annähernd gleichkäme, und im mittelalterlichen Schrifttum ist J e h u d a Halt1 w j der einzige, den er an Bedeutung, Einfluß und Gewalt der Sprache nicht überragt. Sonst steht dieser junge Dichter wie eine Pvramide da, hoch und weit alle anderen überschattend. Vor allem die Sprache. Oh er im AUisivsti! nach Form und Art der Haskala/eit dichtet, oder in der den Midraschim abgelauschten Sprache des „Großvaters" Mendele seine Muse reden läßt, seine Diktion ist stets vollendet, die Sprache erlesen, von höchstem Adel und feinstem Schliff. Das „Verhängnis Nemirows" oder die Feuerrolle" z. B. reichen in der Urgewalt ihrer Sprache an die besten Vorbilder aus dem prophetischen Schrifttum heran. Es ist aber nicht bloß die sprachliche Genialität, die Bialik zum größten Dichter unserer Literatur stempelt, sondern in erster Linie die geradezu vollkommene Erkenntnis und Durchdringung der jüdischen Psyche, der Adlerblick, der in die innersten Regungen jüdischen Denkens und Fühlens dringt. Lud über allein schwebt die grenzenlose Liebe zum Volke, die selbst aus dem schonungslosen Spotte, womit er die Schwachen seiner Brüder geißelt, mit sonniger Wärme hervorleuchtet So kommt es, daß der Schluß seines grandiosen N'emirowgedichtes wohl aufreizt, aber nicht verletzt, den Leser mit Zorn, aber nicht mit Abscheu erfüllt. Rialiks Dichtung ist von erstaunlicher Vielseitigkeit. Als der „Hamasmid" erschien, wurde es jedem klar, daß kein Dichter vorher der ungekannten Welt der Beth-rfamidrasch- Jünger gerecht geworden, keiner der tiefen Tragik ihres Lebens so tief empfundene Worte geliehen hatte! Hat nicht Smolenskv das Bildnis des Beth-Liamidrasch-Jüngers verzerrt, nicht P r a n d s t ä 11 e r ihn mißverstanden, nicht der letzte Skribent der Haskala-Periode ihn mit Hohn überhäuft? Bialik war der erste und der einzige, der eine Gloriole um sein Haupt wob. Andererseits haben seine Lieder an das Volk in Palästina einen fruchtbaren Wiederklang gefunden, sind /■] wirklichen Volksliedern geworden, die die von der Arbeit heimkehrenden Bauern im Chore singen. Er schuf die Legende der ,,Toten der Wüste''', die er in genialer Weise aus fünf Worten des Talmuds entstehen ließ." Er hat mystische Geschichte!! aus dem Sohar in einer ungeahnten Feinheit der Sprache wiedererzählt, wie es keiner vor ihm traf. Und in seiner ,,Feuerrolle4'' taucht er uns in eine orientalische Glut, die uns bezaubert und in ein unbekanntes, ungeahntes Mysterium versenkt. Selbst die Entgleisung seiner Novelle „Hinter dem Zaun4'' ist grandios. Kein Wunder daher, wenn unser großer Dichter in fast die europäischen Kult Ursprachen übersetzt wurde. Der Ruf eines hebräischen Dichters dringt nicht so leicht über die begrenzten Mauern der hebräischen Literatur, der so selten gute (Übersetzer beschiedeu waren. Mau denke nur an die Mandelkern'sche Uebersetzung von „Ahawath - Zion", einem Werke der romantischen Periode unserer Literatur, das wahrlich cinc< Chateaubriand würdig wäre, infolge der unzulänglichen Uebersetzung aber gän/lich unbeachtet blieb. Bialik hatte ir dieser Richtungmehr Glück. Seine Gedichte wurden sei: und meist gnit übersetzt. Die vorliegende Ueber- .tzung Frust Müllers ist wohl eine der besten. Mit feinsinnigem poetischen Verständnis und gründlicher Kenntnis der hebräischen Sprache ausgestattet, trat Müller an diese überaus schwierige Arbeit heran. Selbst Dichter und begeisterter Jude, hat Müller die großen Poeme Bialiks, wie etwa „Die Feuerrolle", „Die Toten der Wüste", mit künstlerischer Vollendung ins Deutsche übertragen. Den ganzen Reichtum des deutschen Sprachschatzes, der ihm zu Gebote steht, hat er an die Uebersetzung und Interpretation der Bialikschen Gedichte verwandt, um die herrliche Kunst des Dichters dem deutschlesenden Publikum zu vermitteln. Dort, wo ihm der Dichter hierzu räumlich viel Gelegenheit gab, wie in den großen Dichtungen, hat Müller seine Aufgabe mit großer Bravour, tiefern Empfinden und viel technischem Können gelöst. Weniger gelang ihm dies in den kleineren Gedichten, deren Form und Sinn, durch die Eigenheit der hebräischen Sprache bedingt, sich zu einer, man möchte sagen, epigrammatischen Einheit zuspitzt. Aber auch dort, wo, wie z. B. im Hamasmid", jüdisches Empfindungsleben mehr durch die Sprache als durch den Begriff zur Charakterisierung gelangt, reicht Müllers Uebersetzungskunst nicht mehr aus, dem Dichter gerecht zu werden. In den Liebesgedichten tut die mitunter freie Uebersetzung (wie bei dem Gedichte „Omrim, jesch baolam ahawa") dem Originale Abbruch. Am vollendetsten erscheint mir Müller Uebersetzung der „Toten der Wüste", wo die Hexameter schwungvoll und in edler Klangfülle dahinfließen. Alle Freunde der hebräischen Literatur werden Ernst Müller für seine wohlgelungene, ernste und mühevolle Arbeit Dank wissen. Er hat unsern großen Dichter dem Geiste des deutschlesenden Publikums näher gebracht, und vielleicht wird der eine oder andere sich durch die deutsche Wiedergabe verlockt fühlen, Bialik im Urtexte kennen und genießen zu lernen. Von Herrschdörfers Buchschmuck ist hervorzuheben, daß er das Bestreben hatte, die Einteilung des Uebersetzers in Federzeichnungen zu allegorisieren, was ihm in vielen Fällen gelungen ist. Wien. Dr. David Rothblum. Schluß des redaktionellen Teiles Eingegangen bei der Administration der „Welt": Für das hebr. Gymnasium in Jaffa: Gesammelt bei einer Chanukah-Feier russischer Studenten in Freiburg ...........IL 19.— Für Hygienisches Institut: per J. N. F. Wien....... . ..... Ji, .90 Für Palästina-Pflanzungsverein per Oesterr. Sammelstelle, Wien ......Ji. 25,35 Für die Tachkemoni-Schule: per Dr. J. M. Salkind u. Frau, London, aus Anlaß ihres S. Hochzeitstages ......'. . . Ji 8,16 per J. N. F. Wien..............Ji, —.40 Für die Nationalbibliothek in Jerusalem: Levkovics Erno, Halmay..........Ji —.42 per J. N. F. Wien.............M. —M Für den Kulturfonds: per J. N. F. Wien.............Jf, —.50 Für das Kinderasyl des Jaffaer Spitals: per J. N. F. Wien............. Ji, 1.-- Für den Jüdischen Verein Jaffa: per J. N. F. Wien.............Ji, .50 Für den Palästina-Fonds der Poale Zion: per J. N. F. Wien.............Ji —.65 Für das Lewinski-Lehrerseminar: per J. N. F. Wien............ . Jf. .40 Für den Tempelbau in Haifa: per N. Katzner, Krakau...........Ji, 4.25 Für den Bezalel: per Dr. Wilenski, Zariczin.........Jk 129. KONFITÜREN S—i PACKUNG für Pralines, Katzenzungen, Mokkabonnen Ueberau zu haben SCHOKOLADEN M— N —V Milch Nu88 Vanille Die Drei Neuen Edelsohokoladen Dresden 191V Kgl. Sächs. Staatspreis

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