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Die Welt · 1912-01-19 · 3 (19.1.1912) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
16 (1912)
Issue
3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Die neueste Phase des polnischen Antisemitismus bildete die Frage der Stellung der Juden in der polnischen Selbstverwaltung, deren Einführung auf Basis der Regierungsvorlage erst jetzt von der Duma bestätigt wurde. Eine längere Zeit hindurch fanden vertrauliche und öffentliche Beratungen verschiedener polnischer Körperschaften darüber statt, in welcher Weise das Recht der Juden in der Selbstverwaltung eingeschränkt und ihr Einfluß gelähmt werden könnte. Die Verhandlungen ergaben, daß sämtliche Schichten der polnischen Oesellschaft für «ine weitgehende Beseitigung des jüdischen Elements sind. Als nun jetzt die Regierungsvorlage auf der Tagesordnung der Duma stand und die ganze Situation die Annahme der Beschränkungen der Judenrechte gewährleistete, hat es das polnische Kolo dennoch — gewissermaßen als Demonstration — für nötig befunden, zu betonen, daß die Polen die Einschränkung der Rechte der Juden fordern. Dadurch haben die Polen allerdings die Sympathien der russischen Opposition, der einzigen Freunde der polnischen kommunalen Selbständigkeit, eingebüßt; dagegen aber hat ihnen die sonst polenfresserische „Nowoje Wremja" die Hand zur Versöhnung ausgestreckt und sie als treue Brüder im Kampfe mit dem Judentum feierlich und liebevoll begrüßt. Es ist geradezu idyllisch, wie hier vereinter Judenhaß die sonst unversöhnlichsten Erzfeinde einander in die Arme wirft und Szenen beseligender Einmütigkeit schafft. Die unerbittliche Agitation gegen die Juden nahm in der polnischen Presse derart horrende Dimensionen an, daß sich sogar ein Muster-Assimilationsjude, wie Dr. Z. Kramsztyk, gedrängt fühlte, in einem Artikel in der „Nowa Gazeta" einen, natürlich gelinden Einwand dagegen zu erheben, daß man sogar in der „Kultura Po-lska" ganzen Gruppen von Juden den unschmeichelhaften Namen „Ratten" verlieh, daß man Juden, die in Polen leben, arbeiten und zum Oesamtwohlstand beitragen, das Recht verweigert, in kommunalen Fragen mitzusprechen, während alle Bürger Polens ohne Rücksicht auf die „historischen Rechte" Anspruch darauf haben müßten. Herr Dr. Kramsztyk, der gleich anderen Führern der jüdischen Assimilation, wohl sein ganzes Leben darauf hinarbeiten mußte, sich des jüdischen Naturells zu entäußern, das Denken und Fühlen nach den Anforderungen der Umgebung zuzurichten und nur solche Gedanken und Empfindungen aufkommen zu lassen, die die Probe der polnischen öffentlichen Meinung aushalten — hatte nun einen Moment des unvorsichtigen, vielleicht atavistischen Rückfalls in die jüdische Denkweise und dies genügte, um seine polnische Gesinnung in Frage zu stellen. Der „Kurjer Warszawski" (und auch die anderen polnischen Blätter) erteilte Herrn Dr. K. in Erwiderung auf seinen Artikel eine herbe Zurechtweisung, bezeichnete seinen Standpunkt als denjenigen eines „Litwaks" pur sang und sprach ihm jegliche Gemeinschaft mit der polnischen Nation ab. Auch die Replik des Herrn Dr. Kramsztyk, in welcher er einen Rückzug antritt, sein Polentum besonders beteuert und sich dagegen sträubt, daß man ihm „die jüdische Nationalität aufoktroyiert", vermochte sein tragisches Schicksal nicht mehr zu ändern. Der „Kurjer Warshawski" ließ sich vom Pathos des Herrn Dr. K. nicht beirren, bezeichnete ihn wiederholt als chauvinistischen Juden und verkündete ihm inappelabel, daß er jetzt das Anrecht, sich Pole zu nennen, eingebüßt habe. Fürwahr, wenn einst die hiesigen jüdischen Assimilanten, die uns Steine in den Weg unserer schweren Arbeit legten, in uns oft das Gefühl des Hasses wachriefen, so sollte jetzt diese Empfindung dem Gefühle des Mitleides für diese modernen jüdischen Märtyrer weichen, denen für die Opferung ihres eigensten Ich so schlechter Dank zuteil wird. o o o o o o i oooooooll —^ AUS DER BEWEGUNG O O O O O O O o o o o o o o Zionistischer Zentralfonds Das Actions-Comite hat sich an sämtliche Landesorganisationen mit dem Ersuchen gewandt, die Arbeiten zur Schaffung des Zentralfonds mit größter Beschleunigung aufzunehmen. Aus den vorliegenden Zuschriften ergibt sich, daß überall das größte Interesse für diese neue Institution herrscht, die uns endlich die gewünschte Gesundung unserer Finanzverhältnisse bringen soll. Manche Landesorganisationen wollen die erforderlichen Summen durch Umlagen auf die einzelnen Ortsgruppen oder Vereine aufbringen. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß die Agitation für den Zentralfonds nach Möglichkeit dahin führen soll, feste Jahresbeiträge von wenigstens 2 0 Mark zu erhalten. Wenn die Stimmung, die heute in allen Teilen der zionistischen Weltorganisation herrscht, sich in Taten umsetzen wird, so kann man damit rechnen, daß der Zentralfonds mindestens zur Verdoppelung der bisherigen Einnahmen des A.-C. führen wird. Und diese Verdoppelung ist unumgänglich notig. Der Schekel soll die laufenden Ausgaben der Organisation decken und wir hoffen, daß die Schekeleingänge so anwachsen werden, daß dies geschieht. Der Zentralfonds aber soll dem A.-C. die Möglichkeit gewähren, sein Tätigkeitsgebiet auszudehnen, sich immer neuen Aufgaben zuzuwenden und vor allem die kulturelle Arbeit im Orient in Angriff zu nehmen. Hoffentlich wird das Verständnis unserer Gesinnungsgenossen für diese Aufgaben ihren Opfersinn wecken, damit das A.-C. schon in nächster Zukunft die materielle Möglichkeit hat, neben der Propaganda und Verwaltungsarbeit der zionistischen Organisation neue Tätigkeitsgebiete zu erschließen. Generalversammlung des Odessaer Komitees Nachstehend veröffentlichen wir die Tagesordnung der Generalversammlung der russischen Chowewe-Zion, die vom 14. bis 18. Februar 1912 in Odessa stattfinden wird. Erste Sitzung: Mittwoch, 14. Februar — 26. Schwat — 7 Uhr abends. 1. Eröffnungsrede — Präsident M. U s s i s c h k i n. 2. Debatte über den Rechenschaftsbericht des Komitees für die abgelaufenen drei Jahre. Zweite Sitzung: Donnerstag, 15. Februar — 27. Schwat — 10 Uhr morgens. 1. Ein Institut für Bodenkredit in Palästina — Referent Dr. O. B u c h m i 1.

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