Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 3 (19.1.1912)
- Date
- 1912-01-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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72 DIE^aKELT: Nr. 3 Es ist Pflicht jedes Zionisten, hier aushilfsweise durch Beteiligung an einer, — nach menschlicher Voraussicht in bezug auf Rückzahlung und Verzinsung durchaus gesicherten Anleihe einzuspringen — bis durch Gründung einer Erwerbsgesellschaft oder durch die Ueberschüsse des Bezalel ein größerer Betriebsfonds an Stelle dieser Anleihe zu treten vermag, was, wie es scheint, schon in kurzer Zeit zu erwarten steht. Hier gilt es nicht, für neue unerprobte Versuche Opfer zu bringen, sondern, ohne die Befürchtung irgendeines Verlustes, für eine in bester Entwicklung begriffene Sache leihweise und für eine kurze Spanne Zeit einige Mittel zur Verfügung zu stellen, durch die verhindert wird, daß eine große Anzahl arbeitswilliger und arbeitsfähiger Juden in Palästina ihre Existenzmöglichkeit verliert. Jeder Zionist möge bedenken, welch ein moralischer Schlag es für unsere Bewegung wäre, wenn es heißen würde, daß ein so eminent segensreiches Unternehmen wie der Bezalel, auf das wir Zionisten mit Recht stolz sein können, nicht einmal in der Lage ist, seine bisherige Position in Jerusalem aufrecht zu erhalten, und dies nur aus dem Grunde, weil es nicht den Kredit fordern kann, den bei uns jede Fabrik, wenn sie auch nur halbwegs so gut fundiert ist wie der Bezalel, mit Leichtigkeit zu erlangen vermag. Darum wenden wir uns mit der dringenden Aufforderung an die Einsicht und vor allem an das Herz aller Zionisten, dem Bezalel über seine augenblickliche Notlage hinwegzuhelfen und schlimmes Elend von den betroffenen Arbeitern abzuwenden, ehe es zu spät ist. Wer schnell gibt, gibt doppelt, denn Gefahr ist im Verzuge. Prof. Dr. O. Warburg. Auf Veranlassung des Schatzmeisters des Bezalel, Herrn Bertrand Hamburg, hat die Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem Fräulein Dr. med. Smeliansky als Anstaltsärztin angestellt. Durch diese Einrichtung soll bezweckt werden, daß sämtliche im Bezalel tätigen Personen unter ärztlicher Kontrolle stehen und auch die sonstigen hygienischen Verhältnisse an der Schule beobachtet werden. Fräulein Dr. med. Smeliansky wird ihre besondere Aufmerksamkeit der Bekämpfung der leider in Jerusalem noch stark auftretenden Augenkrankheit schenken. Die neue Einrichtung ist so gedacht, daß auch eine Unfallstation geschaffen werden soll. Zu diesem Zweck wird ein Ambulatorium eingerichtet, welches auch bei sonstigen Unglücksfällen in Aktion tritt. Fräulein Dr. Smeliansky hat die Absicht, einige Assistenten aut dem Gebiete der Krankenpflege auszubilden. Es stellt dies den ersten Versuch dar, einen sogenannten „Roten Davidschild" (nach dem Muster des „Roten Kreuz'4' und „Roten Halbmond") zu errichten. Es wurde ferner angeregt, daß die Arbeiter des Bezalel untereinander eine Krankenkasse bilden, in weiche sie monatlich einen geringen Teil ihres Lohnes einzuzahlen hätten. Als Aerztin für diese Krankenkasse soll Fräulein Smeliansky fungieren, welche auch die Behandlung der Angehörigen der Arbeiter unentgeltlich übernehmen wird. Verein „Bezalel" Haupt Versammlung Mittwoch, 24. Januar, S\rJ Uhr abends präzise, im Sitzungssaal des Zionistischen Zentralbureaus, Berlin W., Sächsische Straße 8. Tagesordnung: 1. Berichterstattung über das verflossene Geschäftsjahr. 2. Entlastung des Ausschusses. 3. Wahl des Vorstandes, Ausschusses und der Revisoren. 4. Genehmigung der behufs Eintragung in das Vereinsregister geänderten Satzung. 4. Geschäftliches. 5. Eventualia. Vorstand und Ausschuß des „Bezale 1". iWMMj (? xmmmj Stimmen über das Hebräische Gymnasium in Jaffa. Im Jubiläumsheft des „Haschiloah" finden sich zwei größere Aufsätze über das Hebräische Gymnasium in Jaffa, von denen der eine Dr. Schmarja L e v i n und der andere Achad-Haa in zum Verfasser hat. Wir geben im nachfolgenden das Wesentliche aus beiden Artikeln kurz wieder. Dr. Schmarja Levin äußert sich folgendermaßen über die vielfache Kritik, die das Jaffaer Gymnasium und seine Lehrtätigkeit in der jüdischen Presse erfahren hat: „So lange sich verschiedene, außerhalb der national-jüdischen Bewegung stehende Gesellschaften mit der Gründung von Schulen in Palästina befaßten, war Friede in Israel. So lange tausende von jüdischen Knaben und Mädchen gezwungen waren, ihre Schulbildung in fremder Sprache zu empfangen und auch den Geist fremder Völker in sich aufzunehmen, nchwiegen wir alle. Wir beriefen keine Protestversammlungen ein und schlössen uns nicht zum „heiligen Krieg" zusammen. Einzelne unserer Besten versuchten zwar von Zeit zu Zeit, auf die Gefahr hinzuweisen, die der Jugenderziehung in Palästina durch den Mangel an guten Schulen droht, in denen die Seelen unserer Kinder wenigstens nicht schon im zartesten Alter vergiftet werden, zu einer wirklichen Gegenaktion kam es jedoch nicht, und alles blieb beim alten. Nun hat uns der neue Jischub in jüngster Zeit eine Anstalt geschenkt, die ihrem ganzen Wesen nach einen lebendigen und wirkungsvollen Protest gegen das fremdartige Erziehungssystem darstellt, welches bisher die meisten Schulen in Palästina beherrschte. Der erste Versuch ist gemacht worden, eine höhere Schule, die ganz jüdisch ist, ins Leben zu rufen, um denjenigen Kreisen, die die Möglichkeit einer nationalen Renaissance leugneten, in sichtbarer Weise vor Augen zu führen, daß man im Lande der Väter sehr wohl ein neues Geschlecht gemäß den Anforderungen der allgemein menschlichen Kultur heranziehen kann, ohne doch unter fremden Tischen Brocken einer fremden Sprache und Abfälle einer fremden Literatur auflesen zu müssen, ohne daß sich eine tiefe Kluft auftun müßte zwischen dem täglichen Leben in der Umgebung des Kindes und demjenigen Leben, das sich in der Welt der Bücher widerspiegelt. Dieser Versuch ist, dank den wackeren Pionieren des Renaissance-Gedankens, und allen hämischen Skeptikern zum Trotz, bestens gelungen. Nun, da die Anstalt imposant vor unseren Augen aufragt, da sie über eine zahlreiche Lehrerschaft und hunderte von Schülern verfügt, ist sie mit einemmal zur Zielscheibe aller möglichen Angreifer und Kritiker geworden, die bestrebt sind, die Schule herabzusetzen und die öffentliche Meinung gegen sie einzunehmen.