Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 16 (1912)
- Issue
- 1 (5.1.1912)
- Date
- 1912-01-05
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 1 DIE ELT 21 Jacob Silber richtete sich hoch auf. Sein Atem ging schWer. Aus seinen Augen schössen Pfeile des Zornes. Um seinen Mund zuckte es von tiefer Verachtung. Es war, als kämpfe er mit sich, als suche er nach irgendeinem Entschluß. Und plötzlich, in einer blitzschnellen Eingebung, trat er an den Rand der Brücke. ^Meine Herren!" rief er laut und eine jähe Röte bedeckte seine Wangen, „ehe wir in jenes Land zurückkehren und den alten Fluch auf uns laden, wählen wir diesen Ausweg!" — Und ehe sich jemand dessen versah, hatte er sich über das Geländer geschwungen und war in der Tiefe verschwunden. Ein hundertfacher Schrei machte die Luft erzittern. Es entstand ein wildes, kopfloses Rennen. Man beugte sich über die Brüstung, und winkte und weinte und schrie. . . . Vom Ofener Ufer stießen zwei Zillen ab. . . . Aber es soll auf den Mann, von dem hier erzählt wurde, kein falscher Schein kommen. Es lag nicht in seiner Absicht, sich mit der Glorie des Märtyrers zu umgeben und die Welt von sich reden zu machen. Seine Tat war nichts als die Aeußerung des Zorns und Ekels, die in seiner Seele gewühlt hatten — ein verzweifeltes, waghalsiges Spiel, von dem er viel für seine Sache erhoffte. Und er wollte nicht sterben, denn er wußte, daß sein Tod den Zurückgebliebenen nichts nützen würde und daß sie dringend seiner Führung bedurften, wenn sie ans Ziel gelangen sollten. Er kämpfte darum verzweifelt gegen die Wellen, die ihn mit sich fortrissen. Aber das Schicksal wollte ihn zum Märtyrer haben. Er wurde wohi nach zehn Minuten mühevoller Rettungsarbeit ans Ufer gebracht, aber die seelischen Erregungen und die ungeheure Anstrengung im eiskalten Wasser hatten seine Kräfte völlig aufgezehrt. Eine Stunde später lag er im Krankenhause und ein verheerendes Fieber tobte durch den erschöpften Leib. Vier Tage lang kämpfte er gegen den Tod. Er sprach und schrie immerfort, hielt aufrührerische Reden an sein Volk und forderte die amerikanische Regierung zu einem Protest gegen das barbarische Land auf. Und schließlich wandelte er mit seinem Sohne durch die Straßen Jeruzalems, unter den Zedern des Libanon und auf dem Wege zum Berge Sinai, wo er mit Hilfe der vierhundert Auswanderer einen Tempel erbauen wollte. Er starb am Abend des vierten Tages nach seiner Erkrankung. Wo sind sie alle, die, um ein neues Dasein zu beginnen, mit Jacob Silber ausgezogen waren und dessen Tat und Tod miterlebt hatten? . . . Wo sind die Sandkörner, die, von der Sturmflut erfaßt, in die unendliche Weite des Meeres hinausgeschleudert werden? . . . Ais sie ihren toten Führer begraben hatten, da gab es für sie kein Halten mehr. Blindlings stürzten sie ins Ungewisse hinaus, und der Zufall trug sie fort, den einen dahin, den andern dorthin. Manche ruhen in der heißen Erde Brasiliens oder Mexikos, oder in den düsteren Forsten des nördlichen Kanadas, wohin das Schicksal sie als einsame Farmer oder Waldarbeiter verschlagen hat. Manche kämpfen noch heute in den Riesenstädten Amerikas verzweifelt um ihr Leben. Manche haben es zu Wohlstand und Ansehen gebracht. Aber keiner von allen, die noch da sind, hat Jacob Silber vergessen. Die Erinnerung an ihn ist zur Legende geworden. Schluß des redaktionellen Teiles Der Verlag M. Hübner (Familienblatt) in Nadwörna, Galizien, hat im Vorjahre 33 jüdische Volkslieder in 15 Ausgaben herausgegeben, ferner erschienen in vierter Auflage das bekannte zionistische Liederbuch ,,Schir-Zionu und ein jüdisches Volksliederbuch, beide zum Preise von je 60 Heller, von letzterem auch eine Prachtausgabe für 2 Kr. Wir machen unsere Leser auf diesen Verlag besonders aufmerksam und weisen schon jetzt auf die demnächst erscheinenden Lieder-Ausgaben, „Kleiner jüd. Theaterführer" usw. hin. Unsere geehrten Abonnenten, deren Bezugszeit am 31. Dezember 1911 ablief, bitten wir die Abonnementserneuerung unverzüglich f- •- -\ * vorzunehmen damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Den Beziehern in Deutschland und Oesterreich-Ungarn haben wir Zählkarten bezw. Posterlagscheine zugehen lassen, die wir zur "~ i kostenlosen Ueberweisung der Abonnementsbeträge zu benutzen bitten. Aus allen übrigen Ländern können die Abonnementsbeiträge per Postanweisung, Schecks auf europäische Banken oder per eingeschriebene Briefe überwiesen werden. Jedes abgelaufene Abonnement, das bis spätestens 31. Dezember 1911 nicht ausdrücklich abbestellt wurde, betrachten wir als erneuert. Alle Abonnenten, die das Blatt nicht direkt bei uns, sondern bei der Post abonnieren, müssen bei ihrer Abonnementsbestellung als Erscheinungsort Hauptpostamt - Zeitungsstelle; Schöneberg-Berlin, Hauptstr. 25 angeben. Es ist dies SV* unbedingt erforderlich, um Verwechselungen mit einer bereits in Berlin erscheinenden gleichnamigen Wochenschrift zu vermeiden. — Bestellungen auf Einbanddeckenfür den Jahrgangl911 der„Welt" bitten wir möglichst bald aufzugeben. Preis einer Einbanddecke inkl. Porto und Verpackung M, 2,50. — Auch im Jahre 1912 werden wir jede Woche eine Anzahl von Exemplaren der „Welt" auf holzfreiem Papier herstellen lassen. Wir empfehlen unseren geehrten Lesern, insbesondere aber allen Vereinsbibliotheken, Archiven usw. den Bezug dieser besseren Ausgabe der „Welt'*. — Diese Ausgabe kann selbstverständlich nur an ganzjährige Abonnenten geliefert werden und kostet für Deutschland und Oesterreich-Ungarn M. 18.— pro Jahr* „ alle übrigen Länder.......„ 24.— „ „ Der gebundene Jahrgang 1911 kann ab Januar zum Preise von M. 25,— bezogen werdea. — Wir empfehlen insbesondere zu Geschättsz wecken die Anschaffung dieses Jahrganges. Verlag „Die Welt". KONFITÜREN S—i PACKUNG für Prall n6s, Katzenzungen, Mokkabohnen Ueberau zu haben SCHOKOLADEN M— N —V Milch Nüst Vanille DI« Drei NtM» Edaltohttkoiiden BERLIN Dreeden 1911s Kgl. Sache. Staateprele