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Die Welt · 1911-12-15 · 50 (15.12.1911) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
50 (15.12.1911)
Date
1911-12-15
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1364 Insurgenten jede Gelegenheit ergreifen, um die großen jüdischen Wählermassen gegen ihn einzunehmen." * Wie man in St. Petersburg über die P a ß f r a g e und die Agitation, die in Amerika im Zusammenhang damit betrieben wird, denkt, geht aus einem vom 10. ds. Mts. datierten Bericht des Petersburger Korrespondenten der „Times" hervor, von dem wir nachstehend das wesentliche anführen: „In Petersburger politischen Kreisen hält man die Beschwerden der Amerikaner in der Paßfrage für ganz unbegründet. Tatsächlich erhalten alle ernsthaften ausländischen jüdischen Geschäftsleute ungehinderten Einlaß nach Rußland, insbesondere die Amerikaner. Die „Nowoja Wremja" hebt hervor, daß die amerikanische Agitation lediglich auf Wahlumtriebe zurückzuführen sei. Die von Zeit zu Zeit aus Washington kommenden Nachrichten, wonach Rußland bereit sei, auf die amerikanischen Forderungen einzugehen, erweisen sich stets als verfrüht, um nicht mehr zu sagen. Der Gedanke an „Vergeltung" von Seiten Amerikas ist fallen gelassen, bis die jüdischen Wahlstimmen von den Politikern wieder gebraucht werden. Die russische Antwort an Amerika ist klar und unzweideutig. „Wir können die Paßfrage nicht im Sinne der amerikanischen Wünsche lösen", sagt Rußland, „ohne die gesamte Judengesetzgebung zu revidieren, und das zu tun, sind wir nicht gewillt." Die Russen wissen, daß die Politik der Unterdrückung der Juden ihre finanziellen Interessen auf dem großen Geldmarkt der Welt schädigt, und daß der Russenhaß, der sich im Auslände bemerkbar macht, zum großen Teil ebenfalls darauf zurückzuführen ist. Aber sie sehen dies alles als das kleinere Uebel an, das größere wäre für sie die Aufhebung der Einschränkungen für die Juden. Und man kann von Rußland nicht verlangen, daß es fremden oder amerikanischen Juden größere Rechte gewähre, als den einheimischen. Was die amerikanischen Drohungen anbelangt, so hat Amerika ein viel zu großes Interesse an dein Handel mit Rußland, als das es sich ernstlich entschließen wird, den Handelsvertrag aufzuheben. Die amerikanischen Staaten stehen hinsichtlich der Versorgung des russischen Marktes mit ausländischen Produkten an dritter Stelle, während sie als Konsumenten russischer Erzeugnisse erst die elfte Stelle einnehmen. Eine ,,Vergltung" könnte also nur die Form von Ausweisungen russischer Einwanderer annehmen, die hauptsächlich Juden sind, und das würde einen recht paradoxen Ausgang des Streites bedeuten." * * Statistisches über den Ackerbau in der Türkei. Unter diesem Titel schreibt der Konstantinopeler „Osmanische Lloyd": Soeben hat das Ministerium für Forst-, Bergwesen und Ackerbau eine Statistik über den Ackerbau in der asiatischen und afrikanischen Türkei herausgegeben. Das in türkischer Sprache verfaßte Werk enthält außerordentlich reiche Materialien für das Wirtschaftsleben, die Soziologie und selbst die naturwissenschaftlichen Verhältnisse des Landes. Es besteht aus einem allgemeinen Teil, sowie Spezialkapiteln über Getreidearten, Gemüsebau, Kultur- und Industriepflanzen (Tabak, Hanf, Opium, Oel), Weinbau, Fruchtbau, Tiere und tierische Produkte. Das erste dieser Kapitel bietet eine allgemeine Uebersicht über den Ackerbau in der asiatischen Türkei. Auf der ersten Tafel wird eine Uebersicht über das Verhältnis der bebauten Bodenfläche zum Gesamtareal der Wilajets gegeben. Danach beträgt die bebaute Bodenfläche der asiatischen Türkei nur 2,78 Prozent vom Flächeninhalt des Landes. Während der letztere 258 133 000 Hektar beträgt, umfaßt das in Betrieb befindliche Ackerland nur 7 180 789 Hektar. Das Verhältnis zwischen Ackerland und Oesamtfläche liegt am Nr. 50 günstigsten in Karassi, wo es 12,13 beträgt. Es folgen dann Trapezunt mit 11,70, Adana mit 11,67, Aidin mit 10,53, Hudawendigiar mit 9,85, Beirut mit 9,76, Bitlis mit 8,64, Biga mit 8,17. Am ungünstigsten liegt das Verhältnis in Bengasi mit 0,43, Sor mit 6,38, Basra mit 0,31, Bagdad mit 0,28 und Tripolis mit 0,066. Günstiger als man erwarten konnte, ist das Verhältnis in Jerusalem, das auf 5,28 berechnet wird, so daß das heilige Land darin noch Siwas (5,07) und Kastamuni (4,08) übertrifft. Für Konia beträgt das Verhältnis 6,91. Von der bebauten Bodenfläche gehört der größte Teil, nämlich 84,76 dem Getreidebau, 2,93 dem Gemüsebau, 4,83 der Kultur von Nutzpflanzen und 7,51 dem Weinbau. Bengasi befaßt sich fast ausschließlich mit Getreidebau im Verhältnis von 99,997 des gesamten Kulturlandes. Dasselbe wird in allen Landesteilen beobachtet, die trockenen Wüstenboden haben, wie Basra, wo 98,18 Prozent des Kulturlandes dem Getreidebau vorbehalten sind, und Bagdad, wo dieses Verhältnis 95,83 beträgt. Dieses Verhältnis ist am niedrigsten auf den Inseln des Archipels (56,89), wo der Gemüsebau und die Oelbaumzucht dem Getreidebau den Rang streitig machen, und in Adana (63,89). Hier tritt besonders der Bau von Kulturpflanzen, vor allem des Tabaks hervor. Für den Gemüsebau kommt das Wilajet des Archipels in erster Reihe (13,53). Es folgen dann Beirut mit 9,11, Trapezunt (8,269), Karassi (8,98) und Biga (7,35). Am wenigsten Gemüsebau wird in Bagdad betrieben (0,11). Ebenso zeigen Sor, Basra, Wan, Bitlis und Mossul dafür sehr niedrige Ziffern. Der Anbau von Nutz- und Kulturpflanzen erreicht in Adana die größte Höhe (32,45). In größerer Distanz folgen das Wilajet Konstantinopel (13,55), Jerusalem (11,413), Beirut (10,05). Am wenigsten werden diese Pflanzen gebaut in Erserum (0,04) und Tripolis (0,02). Von den näheren Provinzen zeigen Angora (0,25) und Biga (0,36) in dieser Hinsicht niedrige Ziffern. Weinbau wird am meisten betrieben in den Wilajets Archipel (25,47), Aidin (17,39), Urfa (19,14), Hudawendigiar (15,85) und ismid (15,92). Für das Wilajet Stambul beträgt das Verhältnis 7,15 der gesamten Kulturfläche. Geringen Weinbau haben Basra (0,10) — Bagdad hat dagegen schon 2,87 —, Erserum (0,07) und Trapezunt (0,001). Kein Weinbau ist zu finden in den Bezirken Bengasi und Sor. Tripolis weist 1,41 auf. Was die Erträge aus den verschiedenen Zweigen der landwirtschaftlichen Tätigkeit betrifft, so stehen die Zerealien darin mit 5 894 231 046 Piastern obenan. Es folgen dann die tierischen Produkte und darauf die Nutz- und Kulturpflanzen, Baumwolle, Baumwollensamen, Hanf und Flanfsamen, Sesam, Tabak, Opium und Oliven sowie Olivenöl mit 1 147 747 844 P. Der Weinbau bietet einen Ertrag von 442 791 013 P., während der Ertrag aus dem Obstbau mit 404 107 099 angesetzt wird. Der Gemüsebau bietet einen Ertrag von 176 880 970 P. Diese Ziffern beziehen sich auf das Finanzjahr 1325 d. H. Unter den Getreidearten steht der Weizen mit 3 309 325 817 Piastern an der Spitze. Der Ertrag aus dem Gerstenbau beträgt ungefähr die Hälfte, 1 512 071 121 P. Unter den anderen Zerealien steht der besonders in den Pontusländern gebaute Mais mit 299 578 775 P. obenan. Der Roggenertrag der asiatischen Türkei hatte im Jahre 1325 d. H. einen Wert von 201 721 945 P., der Reisertrag ergab 114 608 255 P., die Hirse 156 868 023 P. Unter den Nutz- und Industriepflanzen kommt in erster Linie der Oliven bau mit 404 412 629 P. für Oliven und 349 183 566 P. für Oel. Es folgt dann der Tabak mit 136 434 943 Piastern. Die Baumwollenzucht ergab 128 680195 P., das Opium 36 386 433 P.

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