Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 49 (8.12.1911)
- Date
- 1911-12-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE BERLIN W15, SACHSISCHE STB. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. BERLIN, 8. Dezember 1911 Wihlh y'önn 'X i^D3 Y"> ^hll Nr. 49. DER SCHEKEL Die zionistische Organisation marschiert. Aus mühseligen Anfängen emporgewachsen, ist sie innerhalb weniger Jahre zur größten Organisation der Judenheit geworden, und rings um uns nehmen wir die tiefen Wirkungen ihrer Tätigkeit wahr. Das Erwachen des nationalen Stolzes, die liebevolle Pflege der hebräischen Sprache, der Aufschwungdes palästinensischen Kolonisationswerkes — das sind die Resultate, auf die wir schon heute mit berechtigtem Stolze hinweisen können. Aber noch sind wir von unserem Ziele weit entfernt Noch fühlen wir, wie wenig das Erreichte bedeutet, wenn wir es an unseren Wünschen und Hoffnungen messen. Und so erhebt sich die Frage, durch welche Mittel, auf welchen Wegen wir rascher vorwärts kommen könnten. Wenn wir alle anderen jüdischen Organisationen weit überflügelt haben, so geschah dies nicht durch die Größe unserer Geldmittel; denn die älteren jüdischen Organisationen sind weit reicher als wir. Es geschah, weil wir den nationalen Willen wachriefen, weil wir an die Stelle von Vereinen und Komitees das Volk setzten, weil wir auf breitester demokratischer Basis eine alljüdische, nationale Organisation schufen, die nicht nur Fonds verwaltet, sondern die das Gewissen der jüdischen Nation wachruft, die Jugend zu heller Begeisterung entflammt, die Seele des Juden erlöst. Es geschah, weil wir kein Verein sind, sondern eine Bewegung, in der das jüdische Blut strömt und das jüdische Herz vibriert. Alle Juden, die mit uns eines Sinnes sind, sollten nach dem Willen der Schöpfer unserer Bewegung die Möglichkeit haben, sich der Organisation anzuschließen, und so wurde der jährliche Parteibeitrag auf den niedrigen Betrag von 1 Mark festgesetzt. Aber es zeigte sich, daß der Appell an das Volk nicht den erwarteten Widerhall fand. Seit Jahren sind wir über die Zahl von 100 000 organisierten Anhängern nicht hinausgekommen, und dieser Stillstand wirkte lähmend auf die Partei, entmutigte viele ihrer Anhänger und verschuldete die geringe Aktionsfähigkeit der Parteileitung, deren Mittel nicht ausreichen, um den großen Aufgaben, die ihrer Lösung harren, gerecht zu werden. Die Institution des Schekels, die unsere größte Stärke hätte werden können, weil auch der Aermste den geringen Betrag von einer Mark zu entrichten vermag, ist unsere größte Schwäche geworden. Sie sollte ein goldener Strom sein, aus dem die Parteileitung mit vollen Händen schöpfen kann, und ist statt dessen ein spärlich fließendes Bächlein, das jeden Tag zu versiegen droht. Wie ist Abhilfe zu schaffen? Wir können und wollen an den Grundprinzipien unserer Bewegung nicht rütteln. Wir müssen den demokratischen Gedanken wahren, müssen unablässig danach streben, die zionistische Idee den Massen vertraut zu machen. Deshalb halten wir an der Institution des Schekels, dessen Zahlung das Bekenntnis zu unserer Partei bedeutet, unerschütterlich fest. Um aber der Parteileitung die nötigen Mittel zu schaffen, muß die SChekelzahl vermehrt . werden. Und noch ein zweiter, noch wichtigerer Gesichtspunkt tritt hinzu. Die geringe Zahl unserer Anhänger ist der Größe unserer Aufgabe unwürdig. Unsere Organisation ist größer als alle anderen jüdischen Organisationen, aber was bedeutet das, wenn wir die Aufgaben jener Organisationen mit denen der unsrigen vergleichen? Wir haben es unternommen, das jüdische Volk zu organisieren und sollten zufrieden sein, wenn wir 100 000 Anhänger zählen? Nein, wir müssen zahlenmäßig weiter kommen, damit wir Vertrauen zu uns selber, steigende Achtung in den Augen der anderen und schließlich die erforderliche Macht im Judentum erringen. Deshalb gibt es nur eine Parole für unsere Anhänger in Ost und West: Vorwärts, unablässig vorwärts, unablässig gekämpft für die Gewinnung neuer Anhänger. Die Schekelzahl muß sich in den nächsten Jahren verdoppeln und verdreifachen — das ist das Ziel unserer Agitation, dafür müssen jetzt alle Kräfte angespannt werden. Das Aktionskomitee ist entschlossen, die Werbearbeit in der ganzen Welt zu unterstützen. Die Hauptarbeit aber bleibt den Landesverbänden, den Vereinen und schließlich den einzelnen Parteigenossen, deren Wille, deren Tatkraft uns den Sieg erringen muß. Schon das nächste Jahr soll zeigen, daß wir imstande sind, unsere Macht auch äußerlich zu verstärken, und deshalb muß ohne Zeitverlust und ohne Schwanken sofort an die Schekelpropaganda geschritten werden. Nach den Beschlüssen des X. Kongresses sind nur diejenigen Gruppen berechtigt, einen Delegierten zum