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Die Welt · 1911-12-01 · 48 (1.12.1911) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
48 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 48 DIE3§fELT =: 1285 Ein heiliges Rcbellentum lodert in der Brust eines jeden jungen Juden, der — des Glückes voll — den Weg zu seinem Volke fand und um die innere Freiheit ringt Ein IJebergangsgeschlecht sind wir, in dem eine stille Revolution streitet, vernichtet, was fremd ist, umwertet, was Von der Die „Pekidim und Amarkalim der israelitischen Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam" veröffentlichen den Rechnungsabschluß der deutsch-holländischen Chaluka für das Jahr 5670. Die Einnahmen sind gegen das Vorjahr, das allerdings einen besonders starken Rückgang gezeigt hatte, nicht unerheblich gestiegen. Zur freien Verfügung gingen ein im letzten Jahre 57Q10 M. gegen 46 023 M. in 5669. Dazu kommen noch für Spezialzwecke laut Bestimmung der Spender 56 790 M. gegen 52 583 M. in 5669. Insgesamt ist also eine Mehreinnahme von über 15 000 M. Die Verwaltung führt diese Mehreimiahme auf die im letzten Jahre ins Werk gesetzte stärkere Propaganda zurück, ,,die namentlich auf die Zerstörung mancher Vorurteile gerichtet war/' Diese Propaganda hat allerdings auch größere Aufwendung von Spesen erfordert für Propagandareisen in Europa, Informationsreisen in Palästina und für die ,,seit Jahrzehnten vernachlässigte und im Berichtsjahr erstmals wieder energisch begonnene Unterbringung von Büchsen, zum Teil in Gegenden, in denen man der deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung allmählich ganz vergessen hatte, und wo die Organisation neu geschaffen werden mußte." Trotz dieser nicht unerheblichen einmaligen Ausgaben, die aber, wie ja die Mehreinnahme beweist, nicht unrentabel waren, ist die Gesamtsumme der Spesen doch nur 20 113 AI. (gegen 14 453 M. im Vorjahr), d. h. noch nicht IS "n, ein sicher nicht hoher Prozentsalz, wenn man das Vorerwähnte in Betracht zieht, und im Vergleich zu anderen ähnh'chen Institutionen. Interessant dürfte dabei sein, daß die Verwaltung in ihren Bureaus in Amsterdam, Frankfurt und Jerusalem nur insgesamt nenn Beamte hat, für die sie II 148 M. aufwendete. . . . An „l Jnterstützuiigsgeldenr' wurden für die deutschholländische Gemeinde 22 909 M. ausgegeben gegen 14 308 M. im Vorjahre, wobei zu berücksichtigen ist, daß die vorjährige Abrechnung nur den Betrag für -\\ Jahre enthielt. Für aschkenasische und sephardische Gemeinden in Safed und Tiberias wurden außerdem 4090 M. ausgegeben. Diese Ausgabe fällt in Zukunft weg. Die Gemeinden erhalten bereits seit Nissan 5670 nichts mehr als Chaluka» an deren Stelle ist die Unterstützung bzw. Neugründung von Institutionen getreten. Es kommt dann ein Ausgabeposten „Diverse Subventionen und Darlehen für geschäftliche, industrielle und sonstige Zwecke/' worunter „die Prämien an hervorragende Talniide chachamim" zu verstehen sind, ,,denen dadurch die ungestörte Hingabe an das Studium ermöglicht werden soll." Das erscheint doch wohl etwas eigenartig zusammengestellt. Diese Subventionen sollten doch wohl richtiger bei den „Uiiterstützungsgeldcrn" zu finden sein. Wir werden wohl nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, daß man nicht unabsichtlich anders verbucht hat, und wenn wir daher den größten Teil dieser Rubrik den Unterstützungen wieder zurechnen. Die hierfür verausgabte Summe ist von 690 M. auf 57S5 M. gestiegen. Für ,,Gesundheitspflege und Armenspeisung" wurden 3512 M. ausgegeben (gegen 1322 M. in 69). Für „Erziehungs- und Bildungszwecke" sind schließlich 6954 M. ausgewiesen gegen 6711 M. in 69. Diese Zwecke haben also bedauerlicherweise nicht viel von der Mehreinnahme abbekommen und sind überhaupt im verderbt ist und wiederherzustellen sucht, was uns einst in schlackenloser Reinheit voranleuchtete, — ein IJebergangsgeschiecht sind wir zur jüdischen Freiheit. In diesem Sinne grüßen wir Leopold Kompert an seinem Todestage, denn er und seine Kombattanten waren unser. Chaluka Verhältnis zur Gesamtausgabe doch noch recht spärlich bedacht, was leider die unerfreuliche Tatsache beweist, daß es mit der Reform der Chaluka, von der nun schon seit Jahren geredet und mit der nunmehr überall agitiert wird, doch noch nicht weit her ist. So sehr der Einwand auch berechtigt ist, daß man bei der geplanten Reform nur langsam vorgehen könne, ein etwas schnelleres Tempo könnte doch wohl eingeschlagen werden. Der Bericht zitiert wohl in Voraussicht solcher Einwände „eine vor kurzem durch die Blätter gegangene Statistik" — gerneint ist jedenfalls der Artikel von B a r s i 1 a i (Eisenstadt), wonach ,,die deutsche Chaluka, trotzdem ihre Empfänger natürlich von keiner anderen Seite unterstützt werden, weniger als ein knappes Existenzminimum gewährt." Zunächst ist aber das Zitat doch nicht ganz richtig, da da nur gesagt ist, daß die Angehörigen des deutschen Kolel „mit der auf sie entfallenden Chaluka notdürftig ihr Auskommen finden," was etwas weniger drastisch ist. Ob aber diese Leute wirklich gar keine andere Unterstützung finden? Man kennt doch die Jerusalemer Schnorrbriefe. Und es ist weder hier noch da davon gesprochen, ob diese Chaluka- Empfänger auch der Unterstützung bedürftig und wert sind, was bekanntlich gar nicht so selbstverständlich ist. Denn das war doch wohl der springende Punkt in den früheren Kritiken der Chaluka, insbesondere der deutsch-holländischen, daß die Gelder Leuten zukämen, die sehr gut imstande wären, ihren Lebensunterhalt durch ihrer Hände Arbeit sich zu erwerben, — die es zu einem Teil auch tun, aber nichtsdestoweniger auf die ihnen „zukommenden44 Chaluka-Gelder nicht verzichten, — die zu einem andern Teil durch diese Gelder zum Nichtstun verleitet werden, so sehr, daß sie sie sich, nicht einmal durchs „Lernen" verdienen. Ist mit diesen Mißständen schon gänzlich aufgeräumt? Und mußte man trotzdem die baren UnlerstützungsgcUler erhöhen, so daß man für Erziehungs- und Biklungszweckc nur so wenig aufzuwenden übrig behielt? . . . Von den gesamten Einnahmen der Verwaltung kommen, wenn wir das Ganze noch einmal zusammenfassend betrachten, nur etwa V16, von den in freier Verfügung verteilten Geldern etwa 1 (; einem „Reformzwe'ck" zugute, wobei es sich auch noch zum Teil um — allerdings auch reformierte — jeschibas handelt. Wann wird die wirkliche Reform der Chaluka einsetzen? Sie dürfte eine bessere Propaganda für dieses Palästinawerk sein als alle bisherige Bemühung, „Vorurteile" zu zerstören, die nicht immer nur „Vorurteile" sind. Dibarti. Zur Beachtung Die Telegramm-Adresse des Zionistischen Zentralbureaus, der Redaktion und Administration der „Welt", sowie des Jüdischen Verlages lautet: Orghip, Berlin. Die Telegramm-Adresse des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds in Köln ist: Keren, Köln.

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