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Die Welt · 1911-11-24 · 47 (24.11.1911) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
47 (24.11.1911)
Date
1911-11-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE BERLIN W15, SACHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. BERLIN, 24. November 1911 unhlb y'önn 'K hol Nr. 47. Jüdische Kulturarbeit in der Türkei Von Dr. Israel Auerbach (Konstantinopel). Neu einsetzende Kultureinflüsse in der türkischen Judenheit werden wohl oder übel im wesentlichen auf die ältere, bereits geformte oder verformte Generation verzichten und mit der Jugend zu rechnen haben. Hier sind noch schöne, ja außerordentliche Werte unserem Volke zu gewinnen. Denn die pessimistische Bewertung der spaniolischen Wesensart darf nur auf die durch ein kulturloses Milieu hervorgerufenen Verbildungen und die Reinkultur atavistischer Gebrechen infolge der Abschließung von verjüngenden aschkenasischen Außeneinflüssen bezogen werden, keineswegs aber den Grundcharakter und die natürliche Begabung der Sefardim treffen wollen. Alles also ist von der Höherentwicklung des allgemein-ottomanischen Milieus, sowie von den durch die Neuzeit angebahnten engen und vielfältigen Beziehungen zur universaljüdischen Welt für die türkischen Juden zu erwarten. Wenn aber an eine vollständige Verwertung des orientalisch-jüdischen Wesens durch Jugendbildung gedacht wird, so müssen sofort die außerordentlichen Schwierigkeiten ins Auge fallen, die derselben im Wege stehen. Es fehlt an dem Vermittlermaterial, an denjenigen Persönlichkeiten, die die Erziehung vollführen sollen, an Lehrern und Rabbinern. Die existierende sefardische Generation besitzt sie nicht und besitzt auch die Männer und Institute nicht, die sie sollten formen können. Und es ist auch nicht gut möglich, sie von draußen her, aus der aschkenasischen Welt, herüberzuholen. Es ist zwar sehr löblich und schätzbar, daß alljährlich eine Schar junger begeisterter Hebräer aus Osteuropa (in letzter Zeit auch zuweilen aus Deutschland und Oesterreich) in den Orient wandert, um dort ein erzieherisches Wirken in europäischem Sinne zu beginnen, aber einmal geht die Richtung aller dieser Kräfte ausschließlich nach Palästina, das ja doch nur ein Fünftel aller osmanischen Juden umfaßt, dann aber sind diese Kräfte selbst in häufigen Fällen nur recht zweifelhaft modern-europäischen Charakters und endlich an Zahl total unzureichend. Daß die ,,Ecole Normale" der Alliance Israelit« Universelle in Paris die Lücken nicht ausfüllt, braucht in diesen Spalt*« nicht auseinandergesetzt zu werden. Sie liefert Kräfte, die für irgend ein Dorf in irgend einem französischen Arrondissement, vielleicht auch für Algier oder Tunis ziemlich geeignet sein mögen; die Wiedergeburt des orientalischen Judentums aus seinem eigenen Wesen heraus nach europäischen Methoden können sie jedoch nicht erzielen. Dazu sind sie zu einseitig, schablonenhaft, französisch und zu wenig orientalisch und jüdisch vorgebildet. Das einzige Institut, das bei diesem Stande der Dinge da noch in Betracht kommt, ist das Lehrerseminar des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Jerusalem, das wirklich Lehrer für Palästina erzieht, wie sie das Land benötigt; und der stetig wachsende Zuspruch, den diese Anstalt erfährt, die sich immer mehr häufenden Anforderungen seitens der Kolonien und Gemeinden um Stellung von jungen Lehrern, beweisen, daß sie den richtigen Weg für die jüdisch-orientalische Kulturarbeit gegefunden hat. Allein dieses Seminar vermag noch nicht zu genügen. Die Zahl der von ihm jährlich ausgebildeten Lehrer kann kaum für Palästina und Syrien, geschweige denn für die ganze Türkei ausreichen. Dann aber sind auch die Art der Formung dieser Kräfte und der aus ihr resultierende Lehrertypus für die weitere Türkei immer noch nicht die rechten. Die Anstalt ist zur großen Hälfte deutsch mit deutscher Unterrichtssprache: das muß alle in nicht ganz oder halbdeutsch geleiteten Schulen der Türkei (und das ist ja die große, fast erschöpfende Mehrzahl) erzogenen Jünglinge verhindern, in das Hilfsvereins- Seminar einzutreten. Außerdem ist sie, in einem wesentlich arabischen Milieu gelegen, darauf angewiesen, als orientalische Sprache vornehmlich das Arabische zu pflegen, während die große Westhälfte des ottomanischen Reiches türkischer Lehrkräfte sehr dringend bedarf. Aehnliehe Ausstellungen, wenn auch nicht ganz gleichartige, werden auch an der vortrefflichen Neuschöpfung des Hilfsvereins in Jerusalem, den Kursen zur Ausbildung von Rabbinern, gemacht werden müssen. Es mangelt also in der Türkei noch immer an den Instituten, die den jüdischen Gemeinden der Türkei ihre Lehrer und Rabbiner liefern könnten, deren sie bedarf: nämlich Lehrer für ottomanisch-patriotische und jüdisch-

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