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Die Welt · 1911-11-17 · 46 (17.11.1911) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
46 (17.11.1911)
Date
1911-11-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE BERLIN W 15, SACHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. BERLIN, 17. November 1911 KtVihlh y'Dnn 'K )wmü 1"D /pHn Nr. 46. WIR UND SIE Von Dr. O. Thon (Krakau). Wir — Zionisten und sie — die Männer der Alliance! Wir organisieren hunderttausende Menschen und sie verfügen über Millionen Franken. Wir sind Ahnen, sie sind Enkel. Wir schaffen, sie verwalten. Wir sind Erwerber, sie sind Erben. Wir versammeln uns und wählen, sie konventikeln und — kooptieren. . . . Es ist wirklich gut, sehr gut, daß es so gekommen ist. Die Scheidung und Klärung vollzieht sich allmählich, und selbst dem blödesten Aug? wird es bald klar und deutlich sein, wo die Sklerose, die Altersschwäche und wo die Vollkraft und die Zukunftssicherheit im Judentum zu suchen ist. Salomon Reinach wird ein künftiger Historiker Dank sagen dafür, daß er den Mut des Zynismus hat aufbringen können: „Le suffrage universal n'etait qu'un jeu, finissons la comedie!" Bravo! So spricht ein Mann, der den Mut hat, Zyniker zu sein. Freilich — hätte Reinach nicht das große Erbe des Baron Hirsch, — er würde vielleicht doch bei aller persönlichen Trotzköpfigkeit und Ungeniertheit nicht den Mut haben, die Alliance um den letzten Schein von Prestige zu bringen. Denn im Grunde genommen: worauf gründete sich das Ansehen und der etwaige Einfluß der Alliance? Doch wohl nur auf die Tatsache oder auf den Anspruch, daß sie eine „Alliance Israelite U n i v e r s e 11 e", eine „Allgemeine jüdische Vereinigung" sein wollte. Wenn ihre Führer irgendwo und irgendwie ein gesamtjüdisches Interesse wahrzunehmen hatten, — ganz alte Leute wissen sich noch dunkel zu erinnern, daß es manchmal vor vielen Jahren der Fall war! — da kamen sie nicht als Baron X., Bankier Y. und Großhändler Z. Sie kamen als die Vertreter des jüdischen Volkes, oder, wie sich die Titulatur später verschämt gestaltete, — der jüdischen Religionsgemeinschaft Sie sprachen: Hinter uns stehen Tausende und Zehntausende, Die besten und eifervollsten und intelligentesten unserer Rasse haben uns zu Hütern der gesamtjüdischen Ehre und des gesamtjüdischen Wohls bestellt, und als ihre Mandatare fordern wir die Abstellung dieses und jenes Unrechts. Wenn sie so sprachen, mußten sie zuweilen Gehör und Beachtung finden. Die Stimme von Zehntausenden hat doch manchmal genug Stärke, um durchzudringen. Natürlich — es versuchte niemand, erst einen Legitimationsausschuß einzusetzen, um die Legitimität ihrer Mandate zu prüfen. Die „K o - m ö d i e" der Wahl hat genügt, um Autorität zu verleihen. Nun kommen sie jetzt und sagen: Wir verzichten auf die Autorität, die die Zahl von Menschen gibt und begnügen uns mit dem Ansehen, das die Zahl der Nullen verleiht. Wir verzichten auf die Würde, als Mandatare der Judenschaft zu gelten und begnügen uns mit der Ehre, Testamentsvollstrecker eines oder einiger reicher Männer zu sein. Es dürfte übrigens eine sehr interessante Frage für tüchtige juristische Köpfe sein, zu ergründen, ob die Herren von der Alliance noch recht- und gesetzmäßig Testamentsvollstrecker jener Männer und Frauen sind, die ihre Gelder der „Alliance Israelite Universelle" zur Verwaltung und Verwendung vermacht haben. Sie haben dazu einen Verein von bestimmtem Gepräge eingesetzt, einen Verein, dessen Mitglieder wohl wechseln, der aber gerade durch die große Zahl der Beteiligten eine gewisse Kontinuität und programmatische Festigkeit erhält. An ein sich selbst einsetzendes und fortsetzendes Verwaltungs-Comite haben die Erblasser wohl schwerlich gedacht. Denn in solchem Falle hätten sie wohl entsprechende Anordnungen und Bestimmungen getroffen. Baron Hirsch hat die J. C. A. gegründet und genau im Statut festgelegt, wie das Verwaltungsorgan zusammengesetzt werden soll, und zwar für ewige Zeiten. Das ist aber der Alliance gegenüber in keinem Falle, soweit man weiß, geschehen. Ein interessanter Rechtsstreit dürfte es wirklich werden, wenn irgend ein simples Alliancemitglied die großen Herren in Paris auf Herausgabe der Millionenlegate verklagen würde. Doch das ist eine juristische Frage, die ich bloß vor der jüdischen Oeffentlichkeit aufwerfen möchte, ohne sie lösen zu können, wenn mir auch mein einfacher Menschenverstand und mein natürliches sittliches Empfinden von einem sehr argen vermögensrechtlichen Mißgriffe sprechen. Eine andere, weit klarere und unbestreitbarere Sache ist es aber mit dem Namen, den das Pariser Comite

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