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Die Welt · 1911-10-20 · 42 (20.10.1911) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
42 (20.10.1911)
Date
1911-10-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gesteigert). Aber da es dem Autor sichtlich vor allem darauf ankam, die wundervoll-erhabene, wüstentraurige und wieder lebenssprühende Stimmung Palästinas festzuhalten, so kann man ihm im Hinblick auf die glücklich erzielte Wirkung gerne seine Art der Wahl gestatten, zumal wenn sie, scheinbar absonderlich, so feinen Geschmack zeigt, wie in der zwischen Schilderungen der jüdischen Gegenwart eingefügten „Parabel vom Wanderer und dem Ansicht von Jaffa Hauptstrasse mit Stadthügel im Hintergrund Baum in der Wüste", die man auch die Parabel vom Ahnenruhm der auserwählten Söhne Abrahams nennen könnte. Von der „Heiligkeit' geht es dann, um ,des Verfassers eigene Worte zu gebrauchen, wie in Palästina selbst, so auch in seinem Buche, ohne störende Dissonanzen in die „Wirtschaftlichkeit", und wo der Uebergang schwerer ist, stellt sich zu rechter Zeit ein freundlicher Humor ein. Ein Beispiel für die gefällige Art der Darstellung bietet das Kapitel „der Oelbaum", das so beginnt: „Der Oelbaum ist ein wundervoller Baum, und es ist nur natürlich, daß die Bäume in Jothams Parabel, die einen König wählen wollten, zuerst zum Oelbaum gingen und sprachen: Regiere über uns. — Er ist wirklich der König der Bäume Palästinas, und es ändert wenig daran, daß er damals die Ehre ablehnte. Man weiß, daß auch die anderen Bäume die Königswahl ausschlugen und daß nur der Dornbusch sie annahm, indem er sagte: jNun gut, so berget euch denn in meinem Schatten. ,— — Solche Dinge kommen auch heute noch vor und werden immer vorkommen, und damals gab es noch einen besonderen Grund, ein Königsamt abzulehnen — hatte doch eben erst Abimelech die siebenzig Söhne seines königlichen Vaters Gideon hingemordet . . Das Ende des Kapitels aber weiß in klugen Worten von dem Werte unserer Oe'ibaumspende, von Pensionsfonds und Volksversicherung in Olivenhainen zu erzählen. Und diese interessante und abwechslungsreiche Behandlung des Stoffes ist bis ans Ende des Buches festgehalten --- bis zu dem lapidaren Schlußsatze des „Bezalel"-Abschnitts, der da lautet: „Ueber dem Turm des höheren Hauses soll eine riesige Menorah errichtet werden — ein weithin ragendes Symbol und höher als alle Kreuze Jerusalems". Man sieht, 'der Rezensent hat kaum etwas auszustellen, und er glaubt nun auch seiner Anerkennung genügend Ausdruck gegeben zu haben. Bleibt nur noch, wenn auch der prächtigen Ausstattung und der zumeist außerordentlich gelungenen, oft künstlerisch-feinen Illustrationen mit einem Worte gedacht ist, der Wunsch an die Adresse der Zionisten: Sorget, daß diese „Bilder aus Palästina" ins jüdische Haus einziehen! B. F. Aus dem Buche „Bilder aus Palästina4' von Davis Trietsch Orient-Verlag, Berlin 1911 Oberrabbiner Dr. J. H. Dünner Schwere Trauer lastet auf der holländischen Judenheit Dr. J. H. Dünner, der Oberrabbiner der Amsterdamer Gemeinde, ist am 24. Tischri im Alter von 75 Jahren gestorben. Obgleich er schon lange schwer leidend war, kam sein Tod dennoch unerwartet für die Unzähligen, die so viele Jahre in tiefer Ehrfurcht zu ihm aufsahen, und sich jetzt noch gar nicht in den Gedanken finden können, daß er ihnen und der ganzen holländischen Judenheit genommen ist. Denn er war nicht nur ider Stolz seiner großen Gemeinde, dieses „Jerusalems des Nordens"; er war der Hüter des jüdischen Geistes in ganz Holland und der Stolz der ganzen hiesigen Judenheit. Als Rektor des Amsterdamer Rabbinerseminars durfte er fast alle Rabbiner und jüdischen Lehrer Hollands seine Schüler nennen, und seine Gelehrsamkeit war weit über die Grenzen Hollands berühmt und geschätzt. Und er war auch unser Stolz. Denn schon in den Tagen Moses Hess', mit dem er in Bonn in regem Verkehr stand, und mit dem er später einen regen Briefwechsel unterhielt, hatte er die Größe unserer nationalen Idee verstanden und gegen die Reform gekämpft, deren Gefahr für den Bestand des Judentums er voll erkannte. Als später Theodor Herz 1 kam und der erste Kongreß einberufen wurde, bekannte er sich als begeisterter Anhänger unserer Bewegung, und er blieb es bis zu seinem Tode. Des öfteren hat er in seinen Predigten auf die große Bedeutung des Zionismus hingewiesen. Das jüdische Volk wird seinem Andenken Treue bewahren,, als dem eines der fidelsten seiner Söhne.

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