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Die Welt · 1911-09-22 · 38 (22.9.1911) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
38 (22.9.1911)
Date
1911-09-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 38 ist in der jüdischem Bevölkerung Kiews Panik ausgebrochen. Zahlreiche jüdische Familien sind ins Ausland geflüchtet. Doch haJ>en die Behörden bisher alle Pogromversuche unterdrückt. Bezeichm end ist, daß die „Nov/oje Wremja" der Polizei deshalb Vorwürfe m acht. An Stelle Stolypim liat der Finanzminister KcHcowzew die Leitung des Kabinetts übernommen. fl^ NACHRICHTEN ^^=^s- -sz^y^fj Zu den Judenausweisungen iaa München Bei der Ausweisung galizisch-jüdischer Familien aus München, worüber jüngst berichtet wurde, handelt es sicEi nicht um fiausiererfamilien, sondern um die Inhaber von vier Wäschegeschäften und eine Anzahl Reisender derselben. Ohne zu untersuchen, wie weit der Vorwurf unreellen Geschäftsgebarens, dei den Ausgewiesenen gemacht wird, gerechtfertigt ist, kann man getrost behaupten, daß ihre Hauptschuld— wenn nicht ihre einzige — eben die ist, daß sie polnische Jud&n sind. Vorläufig haben aa nähernd 20 Familien einen Ausweisungsbefehl erhalten, und es ist m och nicht abzusehen, wie viele jüdische Familien brotlos werden, wenn die vier, teils recht bedeutenden Geschäfte der Ausgewiesenen aufgelöst werden müssen. Tief beschämend ist die Haltung eines Teils der „eingeborenen" bayerischen Judeiii, die ihrer Genugtuung übtr die Ausweisung der „Pollaken" unverhohlen Ausdruck geben. Charakteristisch in dieser Beziehung ist insbesondere die Haltung dfcs in Regensbuig erscheinenden israelitischen Familienblattes „Laubhütte", das sine haßerfüllte Notiz des berüchtigten Antisemitetiblattes „Bayer. Vaterland" über die Mnchener Judenausweisungen mit Behagen nachdruckt und daran u. a. die Bemerkung knüpft: „Diesen Elementen, denen die Ehre d&:r jüdischen Gesamtheit so wenig bedeutet, gönnen wir ihr Schicksal, .," Bemerkenswert ist, daß der Herausgeber der „Laubhütte", Dr.Mayer in Regensburg, e'n Rabbiner ist, dei sich noch dazu als ortlhodox bezeichnet! . Nachträglich wird in Nr. 37 der „Deutschen lsr. Zeitung", dem Häuptblatt der „Laubhütte", mitgeteilt, daS die oben angeführte Bemerkung dem Organ der Freien Jüdischen Vereinigung in Berlin entlehnt worden sei, dessen Redakteur, Mefr Fabius Schach, bis vor kurzem in München gelebt habe. Die „Laubhütte" wird sich dazu verstellen müssen, in Zukunft beim Entlehnen vorsichtiger zu sein. Antisemitismus in der Londoner Stadtverwaltung Das städtisch4 Komitee für Armenpflege (Board of Guaidians) in Bethnal Green im Osten Londons beriet dieser Tage ükr die Vergebung der Milchlieferungen für die ihmn unterstellten Wohlfahrtsanstalten. Mi. Lock, der Vizepräsident des Board, schlug vor, das Angebot des billigsten Lieferanten, dler Great Eastern Dairy Company, zu akzeptieren. Demgegenüber beantragte Dr."R. G. Style, Präsident der South-West Bethnal Green Conserwative Association, das ungünstigere Angebot einenandern Firma abzunehmen. Er begründete seinen Antrag rectrt offenherzig damit, daß an der Spitze der Great Eastern Dairy Company ein Herr Dubowsky aus Whitechapel stehe. „Jüdische Lieferanten brauchen wir nicht," setzte Dr. Style wörtlich hinzu. Der Board verwarf den Vorschlag von Mr. Lock und nahm den antisemitischen Antrag Dr. Styles mit sechs gegen vier Stimmen oi. Tod des Majors d'Ormescheville Am 11. September ist in Paris Major Baron d'Or messe he ville, der militärische Ankläger im ersten Dreyfus-Prozeß, gestorben o° Letzte Nachrichten °S Erwiderung Auf die Angriffe der Herren Barth iund Genossen in der letzten Nummer dieses Blattes erwidere ich folgendes: Die Darstellung des „Haolam" über meine Rede ist in wesentlichen Punkten um richtig. Ich habe nicht Jim Namen der deutschen Delegierten eine Erklärung gegeben, sondern in einer etwu. halbstündigen, improvisierten persönlichen Ansprache die An Schaltungen der Mehrheit der deutschen Landsmannschaft auf Wunsch ihrer Führer und der Führer der russischen Landsinannschaft zum Ausdruck gebracht. Aber selbst wenn der Bericht des „Haolam"" dem 1011 Inhalte meiner Rede in allen Einzelheiten gerechi würde, wäre die Deutung uiuulässig, daß ich das aufrichtige nationale Empfinden verdienter, führender deutscher Zionisten in Zweitel gezogen hätte. Die nationalen Seelenbekenntnisse der Herren sind daher ebenso abgeschmackt wie überflüssig. Das trostlose Bemühen, mich durch spitze Bemerkungen persönlich zu verletzen und in meiner Eigenschaft als Parteibeamter zu bevoimunden, empfinde ich als durchaus ungehörig und unwürdig. Was aber habe ich denn -wirklich gesagt? Ich habe in einer längern, rein theoretischen Rede Ober den deutschen Zionismus auseinandergesetzt, in welcher Weise die Entwicklung unserer politischen Anschauung (natürlich niclit „Gesinnung") sich vollzogen hat. Der Kongreß hatte meiner Meinung nach den deutlichen Beweis erbracht, daU das politische Vers-tändnis der deulschen Zionisten sich wesentlich erweitert hatte. In der Untersuchung itr tiefern Ursachen dieser Erscheinung hob ich hervor, daß eine Idee Achad Haams, die Idee des jüdischen Zentrums i ti Palästina, dessen kulturelle Ausstrahlungen die Erhaltung des ganzen Volkesgewährleisten.unsernrein politischen Zionismus wertvoll beeinflußt hat. Jeder deutsche Zionist, der mich hat sprechen hören, weiß, wie häufig icli diesen Gedankengang in der Agitation verwendet habe. In diesem Zusammenhange habe ich auch über deutsche Agitationsmethoden gesprochen, und dabei mit einigen kurzen Bemerkungen dasselbe gesagt was ich auf dem Frankfurter Deutschen Delegiertentage in einem längern Referate ausgeführt habe. Meine Thesen wurden damals einstimmig angenommen. Ich hab-e behauptet — und halte die Behauptung aufrecht —, daß die Agitation in den letzten Jahren das rein nationale Moment mehr in den Vordergrund gestellt hat, während früher in der Propagierung der jüdischen Nationalitätsidee die Schilderung der Judennot die Hauptrolle gespielt hat. Ich habe) nicht der Ansicht Ausdruck gegeben, daß man in frühem Jahrenden nationalen Charakter der zionistischen Bewegung verheimlicht hätte. Mian hat von jeher die nationale Idee empfohlen, indem man bewies, daß sie die einzig mögliche Rettung aus der Not mnd dem Untergänge des jüdischen Volkes sei. Obwohl diese Argumentation nicht falsch und sogar notwendig ist, glaube ich doch, daß man in Deuischland echte und innerliche Zionisten nur erziehen kann, wenn man den jüdischen Nationalismus in letzter Begründung aus sich seifest heraus, aus der nationalen Idee als einem absoluten Werte entwickelt. Zionismus als Persönlichkeitsproblem ist die Formel für diese Agitation. Wenn auch natürlich die Kenntnis dieser Auffassung schon früher bestanden hat, so konnte doch erst eine systematische, d. 1. wiederholte, aber einheitliche Propaganda unter Nlchtzionisten, besonders aber auch unter Zionisten, die Idee des Nationalismus walirhaft fördern. Es ist selbstverständlich, daß früher aus äußern Grii »den eine systematische Propaganda in der von mir auf dem Frankfurter Delegiertentag empfohlenem Art nicht hat stattfinden können, aber es ist ebenso selbstverständlich richtig, daß diese Form einheifliclier Propaganda die Stimmung d er deutschen Landsmannschaft nation aJer gemacht hat. Die Auskunft, daß ich die&e Gedankengänge in der zitierten Versammlung entwickelt habe, hnätte man jederzeit von mir erhalten können,wenn man mich um eineprivate oder öffentliche Interpretation ersucht hätte, anstatt mitfreudigeröenugtuung einen dürftigen Zeitungsbericht aufzugreifen, um mich in der zionistischen Öffentlichkeit zu diskreditieren. Und man hat diese Auskunft vorher vora mir erhalten. Ich habe mehrere Tage vor der Veröffentlichung der Erklärung Herrn Dr. Witkowsky und andern Unterzeichnern gegenüber die Richtigkeit der Darsteltung des „Haolam" bestritten. Jetzt bliebe also nur die Frage offen, welcliem Zwecke letzten Endes die Erklärung dienen seil, denn ich kann doch unmöglich von Parteigenossen annehmen, daß es ihnen lediglich auf eine wirkungsvolle Demonstration £&gen einen Be unten der neuen Parteileitung angekommen väre. Kurt Blumenfeld, Parteisekretär und Mitglied des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung 1ür Deutschland. Schluß des redaktionellen Teiles Für das Hygienische Institut sind eingegangen: Bei der Jüdischen Kolonialbank in London: Per Max Wollsteiner, Berlin........14.05 Per J. Israel, See. Order of Ancäent Maccabeans, London £ O.4.0 B*i der Administration der „Welt'- in Köln: Per Sammelstelle des J. N. F. im Wien........Jt 4.— WEDELT

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