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Die Welt · 1911-09-08 · 36 (8.9.1911) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
36 (8.9.1911)
Date
1911-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEIN BEWEGUNG XV. JAHRG. KÖLN, 8. September 1911 p-nrt> DD "mV* bbü t"d 3So. 36. Die Adresse des Zionistischen Centraibureaus, der Redaktion und Administration der „Welt" und des Jüdischen Verlags lautet vom 1. Oktober ab: m ■ ■ J Berlin W. 15, Sächsische Straße 8. ■ YOUSSOUF YZZEDIKT Wie ein strahlendes Wahrzeichen der neuem Türkei zieht Kronprinz Youssouf durch die Länder des Westens; er erscheint als das Symbol des aus düstern Prüfungen siegreich hervorgegangenen Osmanenreiches, das auf die Tage der Sorge jene der Zuversicht folgen sieht. Diese Reise ist nicht allein für die türkische Politik ein Erfolg, weil sie beweist, in welcher Wertschätzung die Türkei und ihre Prinzen bei den mächtigen Herrschern Europas stehen; sondern sie ist ein glänzender Sieg der türkischen Freiheit. In der Tat, wer sich erinnert, wie mißtrauisch die Siebenmal weisen sich anfangs zum türkischen Verfassungsstaat verhielten, wie streng sie über jenen Sprung ins Unbekannte urteilten, der ohne ausreichende Prüfung der Vorbedingungen seines Gelingens gemacht worden war, und nunmehr sieht, wie ein Prinz empfangen wird, der dieser Freiheit seins eigene Freiheit und seinem ganze Stellung verdankt, vtrd feststellen müssen, vde gründlich sich die Verhältnisse und die Beziehungen iti der politischen Welt verändert haben. Seit jeher waren die überaus seltenen Auslandsreisen türkischer Prinzen — Fortschrittssymptome. Jedesmal nach einer solchen Reise zeigte der Herrscher ein lebhaftes Verlangen, sein Reich nach dem Vorbilde moderner Staaten zu heben u tid durch Förderung der Errichtung von Eisenbahnen undTerkehrstgitteln mit den ander« Ländern die Verbindung zu erleichtern. Aber bei der Unwissenheit der Besamten, bei den Vorurteilen des Volkes, bei der herkömmlichen Schlaffheit, bei dem Regiment der Launen und der Günstlinge und bei der volkswirtschaftliche» und finanziellen Zerrüttung erwies sich die Durchführung der Reformen als unmöglich. Anders ist es, wenn ein Prinz der neuen Türkei in einem westeuropäischen Kulturland jetzt als Gast erscheint. Nicht wie eine exotische fremde Gestalt, wie ein Gleicher unter Gleichen wandelt jetzt Jer Erstgeborene <des Khalifen miter den konstitutionellen Monarchen Europas. Ist ja die neue Türkei schon im Werden! Man kommt dort mehr und mehr zu der Überzeugung, daß der türkische Staat nur durch Reformen im Geiste des Abendlandes und durch Annäherung am die moderne Kultur vor dem Verfall gerettet werden könne. Und ist auch manche zarte Pflanze, die sich zu früh an das trügerische Sonnenlicht gewagt, im rauhen Frost verdorrt, so ist doch ein weites Ackerfeld, mit vielen edlen Keimen und gesunden Saatkörnern gelullt, für großartige schöpferische Tätigkeit gewonnen worden. Zukunftreiche Prinzipien sind zur Erscheinung gekommen und ringen nach allgemeiner Geltung und Anerkennung, Die entscheidende Mitwirkung der Bevölkerung bei dem Gestalten und Ordnen itirer Staatsimd Lebensformen scheint gesichert, die Ausbildung und Entwicklung des Freiheitsbegrifs in allen Gebieten der öffentlichen Tätigkeit schreiten vorwärts, dis Ringen und Streben nach einem Rechtsstaat mit selbstgeschaffenen Organen des öffentlichen Lebens triumphiert über die reaktionären Gelüste, an die Stelle der Privilegien tritt das öffentliche Recht, ein Trieb zur Selbstbestimmung und zur Selbsthilfe durchzieht das. Völkerleben. A1L das ist nicht leicht und wird nicht von heute aufi morgen gemacht. Das frühere despotische Regime Blatte das traurige Geschäft der eigemen Verstümmelung an sich vollzogen und sich dadurch in solche Schwache und Ohnmacht gestürzt, daß es die Kraft und Fähigkeit der Selbsterhaltung und Selbstverteidigung immer mehr einbüßte nmd die Gewaltsamkeiten wie die Mi ßachtung der andern Völker über sich ergehen lassen mußte. Diesen zerschlagenen Körper wieder zu einem lebenskräftigen Organismus zu erwecken und zu beseelen, ist eine Herkulesarbeit, und kein Vernünftiger wird sich darüber wundern, daß man hie und da noch auf 2

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