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Die Welt · 1911-09-01 · 35 (1.9.1911) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
35 (1.9.1911)
Date
1911-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. KÖLN, 1. Septeiralier 1911 p-nrfc 2ü"tV\äX %H "n No. 35. RANDBEMERKUNGEN ZUM ZEHNTEN KONGRESS Bedeutungsvoller, schwerwiegender war selten eine zionistische Tagung. Der Geist des X. Kongresses war ein nationaler. Der Kongreß hat sich der richtigen Erkenntnis nicht verschließen können, daß der Zionismus die Pflicht hat, seinem ganzen Tun und Schafen ein nationales Gepräge zu geben. Unmerklich hafi diese Entwicklung die ganze Bichtung des Kongresses vorher bestimmt. Das war das einigende Moment. In nur wenigen und obendrein untergeordneten Fragen zeigten sich Meinungsverschiedenheiten, jedoch lange nicht in dem Umfange, wie auf irgendeinem der letzten Kongresse. Es hat schon lange nicht einen so einigen und einträchtigen Kongreß gegeben wie dieser; selbst in den Fragen, wo eine Meinungsverschiedenhtit sich zeigte, war die oppositionelle Minderheit verschwindend klein. Eine Opposition in dem Sinne, wie unsereQegner in den letzten Monaten sie zusammengelogen Blatten, ist tatsächlich nicht vorhanden. Die Hoffnungen derer, die auf eine Spaltung des Zionismus rechneten, sind an der ehernen, fest zusammengefügten Mauer unserer Partei gleich Seifeablasen zerplatzt. Der Kongreß hat seinen Zweck im vollsten Maße erfüllt und nach allen Richtungen hin die hochgespannten Erwartungen der Gesinnungsgenossen gerechtfertigt, ja in manchen Punkten, z. EL durch die Zahl der Delegierten und die absolute Nichtigkeit der Opposition gegendie Beschlüsse der Jahreskonferenz sogar übertroffen. Ma n kann es mit Sicherheit behaupten, und jeder, der den tiefem Hintergrund der Dinge kennt, wird es bestätigen, iaß die vorjährige Jahreskonferenz zum Erfolg des X. Kongresses das meiste beigetragen hat. Die Aufgabe des Kongresses war eine eminent praktische: Die Parteigeschäfte zu ordnen, die Parteiorganisation neu zu begründen. Und das war keine Kleinigkeit. Das war eine schwere Arbeit, und der Kongreß hat sie getan zur Zufriedenheit alleir, die" zufriedengestellt werden sollten. Für lange, theoretische Auseinandersetzungen und akademische Schönreiereien hatten wir keine Zeit und keine Lust. Die einzige Frage auf der Tagesordnung, welche zu theoretischen Auseinandersetzungen auf dem (hebiete des eigentlichen Zionismiis Anlaß bieten konnte, war die Frage der hebräischen Sprache und ihrer Stellung im Zionismus. Aber das war keüie Frage mehr. Die hebräische Session war eine Tat; sie war vielleicht die wichtigste Tat des zehnten zionistischen und zugleich des ersten hebräischen Kongresses- Der Beweis ist wieder einmal glänzend erbracht, daß alle Geistesarbeit, so unfruchtbar sie anfangs auch erscheint, doch endlich fruchtbaren Boden findet und hundertfältige Früchte bringt, wenn die ihr zugrunde liegenden Ideen dem Geist der Zrit entsprechen, ein in der Wirklichkeit vorhandenes, wennauch noch schlummerndes Bedürfnis befriedigen. Das sieghafte Bewußtsein innerer Erstarkung, die selbstbewußte Genugtuung über errungene, die sichere Hoffnung zukünftiger Erfolge, Jas erhabene Gefühl maßgebenden Einflusses auf die jüdische Öffentlichkeit und der feste Entschluß, diesen Ei nfluß in zielbewußtem Vorgehen veiter auszunützen — das waren die Grundzüge des immer nationaler sich ge staltenden Zionismus, wie er diesmal mit ganz besonderer Deutlichkeit zum Ausdruck kam. Eines ist aus den Verhandlungen mit voller Klarheit hervorgetreten, daß neben dem Bestreben, das nationale Bewußtsein wieder zu einer Maclrt im jüdischen Leben zu erheben,, die Abwehr der assimilatorischen Gefahr durch die Kraft hebräischen Geistes eine der Hauptaufgaben d&s Zionismus bilden maß. Die so heftig sich sträubende Assimilation hat sich im Laufe der Jahre an den zionistischen Gedanken gewöhnen müssen. Sogar den verbissensten Gegnern beginnt nach und nach eine Ahnung aufzudämmen, daß um etwas gekämpft wird, auf d as jeder Jude einen begründeten Anspruch hat, und daß es auf dem bisherigen We.ge nicht weiter gehen kann, wenn wir nicht so tief sinken wollen, daß uns keine Hoffnung mehr bleibt auf eine Zukunft unseres Volkes. Man erkennt, daS der Idealismus, den au erhalten die Assimilation sich unfähig gezeigt hat, nunmehr auf dem Zionismus rirht und daß in ihm die Bürgschaft für eine gedeihliche Entwicklung liegt. Mur wenige sind es noch, die diese Dinge verkennen oler sich ihnen wider besseres Wissen verschließen. Man sagte vom Zionismus, daß er tief gesunken, " " 1*

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