Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 33 (18.8.1911)
- Date
- 1911-08-18
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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878 DIE! Deutsche und Amerikaner zum Teil sehr schöne archäologische Museen besitzen. Denn ein Museum für* Mtertbmskunde insofern es keine Ausgrabungen grössern Stils unternimmt — kann eine Person schaffen, wenn sie nur über die nötigen Kenntnisse und materiellen Mittel verfügt. Ein Naturhistorisclies Museum hingegen erfordert ausser einer naturwissenschaftlich gebildeten leitenden Person noch eine Reihe von durchgebildeten sammlerischen und präparatorischen Kräften, und die sind in einem Lande wie Palästina sehr schwer aufzubringen. In einem Lande von Wüsten und verödeten Gebirgsketten, wo räuberische Beduinenhorden jedem Durchzügler jener Gebiete direkt das Leben gefährden, wie schwer fällt es da, ehrliche, der heiligen Sache ihres Volkes auf Leben und Tod ergebene Sammler zu gewinnen, die nicht nur jeder Furcht fürs teuere Leben spotten, sondern zudem auch noch der arabischen Sprache vollkommen mächtig sind, die Präparatiora der Objekte tüchtig beherrschen und vor allem wissen, was man von ihnen verlangt. Solche Sammler lassen sich nicht jederzeit für Geld erwerben, sondern müssen ausser einer glühenden Begeisterung noch eine jahrelange Vorbereitung für ihre Aufgabe haben. Aber wie lange musste ich nach solchen Sammlern suchen und wie .oft enttäuscht werden, bis ich die richtige Person getroffen und sie für ihren hehren Zweck noch weiter ausbilden konnte. Doch ist damit eine bedeutende Schwierigkeit schon überwunden. Ein zweites sehr grosses Hindernis ist der gänzliche Mangel an literarischen Hilfsmitteln, die auf gründlich-wissenschaftliche Forschungsresultate basieren. Ausser dem höchstens nur zur Orientierung dienenden, an sich ziemlich dürftigen Verzeichnis Tristrams besitzen wir nicht ein einziges gut beschreibendes Werk über unsere Fauna. So lällt es dem einen Reisenden ein, etwas über unsere Fische, dem andern wieder einige Worte über ein paar von ihm en passant und flüchtig gesehene Heuschrecken zu veröffentlichen. Und alle diese Arbeiten machen naturgemäss den Eindruck von Bruchstücken. Zudem ist noch dieses derart zerstückelte Material in aller W'1?; in Zeitschriften zerstreut und ist dessen Ankauf ungemein kostspielig, weil man mit diesen betreffenden Artikeln noch ganze Bibliotheken erwerben mUss. Und konnte es denn anders sein? Ein komplettes Werk über die Fauna Palästinas, ein Werk, das auch die Biologie unserer Lebewesen eingehend behandeln soll, kann nur von ständig hier wohnenden, der Landessprache in allen Dialekten mächtigen und überall selbst anwesenden Forschern an der Hand eines Museums geschaffen werden, das ganze Serien von Tieren in allen ihren Entwicklungsstadien enthält. Und zu welch grenzenlosem Ruhme würde es uns gereichen, wenn Söhne unseres Volkes es wären, die dieses Werk geschaffen hätten! Fügen wir noch zu den früheren Hindernissen das wichtigste Hindernis hinzu, nämlich den gänzlichen Mangel an materieller Hilfe seitens des Volkes, so können wir wohl hoffen, dass wenn sich das Volk an diesem Institute je beteiligen wird, wir in einigen Jahren ein Museum haben werden, dessen wir uns nicht schämen müssten. Denn schon jetzt haben wir eine bedeutende Anzahl von Novitäten und Raritäten an Säugetieren, Vögeln und Insekten. Der Grundstein ist gelegt, den Ausbau aber muss das ganze Volk übernehmen, denn ein Museum, das alle Naturerzeugnisse sogar des kleinsten Ländchens enthält, kann unmöglich von einer Person ausgehalten werden. Ich dachte mir wohl, dass ich den Anfang machen und durch ein lebendes Beispiel die Möglichkeit, ein derartiges Museum in Palästina zu schaffen, zeigen müsste. Dass sich aber das jüdische Volk gar nicht daran beteiligen und den Ausbau und die Vollendung eines so monumentalen W7erkes nur mir überlassen werde, das kam mir wahrlich nicht in den Sinn. Und sollte nicht der Zionismus, dieser neue Lebenspuls für unsern ganzen Volksorganismus, der Zionismus, der zu unserer geistigen Hebung überall so viel beigetragen hat, nicht der Schaffung eines jüdischen Naturhistorischen Museums in Jerusalem Vorschub leisten? Ist doch das Museum in allererster Reihe dazu berufen, dem Volke die Prachtschätze seiner vaterländischen Natur vor Augen zu führen, deren Kenntnis einzig und allein imstande ist, eine nie versiegende natürliche Liebe zum Boden seiner Urahnen einzuwurzeln. Unser künftiger Archäologe wird es sicherlich tief bedauern, dass er etwas zu spät gekommen ist, da das allerschönste Material, die altehrwürdigen Zeugen unserer glorreichen Vergangenheit nach aller Herren Länder und Städte wie London, New-York, Berlin und Rom exportiert worden sind. Retten wir noch also, was zu retten ist! JE LT No. 33^ Und ich glaube, dass nun die Zeit gekommen sei, wo die Rückkehr unseres Volkes zur vaterländischen Natur nicht mehr Phrase bleibe, sondern sich zur lebenden Tatsache realisiere. Ich fordere also den L. G. auf, sich dieser heiligen Aufgabe ja nicht zu entziehen, sie in sein Arbeitsprogramm mitaufzunehmen und ein Comite einzusetzen, das sich ausschliesslich mit dem Ausbau unseres Naturhistorischen Museums in Jerusalem beschäftigen soll. Sonst geht uns das Museum unrettbar verloren! Das zu sagen halte ich für meine heilige Pflicht. Gottesdienst. Der Sabbatg-ottesdienst am 12. August fand in der prachtvollen Synagoge der hiesigen Gemeinde in gewohnter Weise statt. Das Gotteshaus war von zionistischen Gästen überfüllt. Der Chasan mit seiner wohlklingenden Stimme und der gut geschulte Chor trugen viel zur Erhöhung der feierlichen Stimmung bei. Am Sabbatmorgen wurden die Führer der zionistischen Bewegung, an ihrer Spitze der Präsident, vor die Thora aufgerufen. Sie spendeten für die Armen der Stadt und den Nationalfonds grössere Summen. Nach dem Gottesdienst schickte Herr Kabbiner Dr. A. Cohn seiner allwöchentlichen Sidrahbetrachtung, die er in dem dicht besetzten geräumigen Saal des israelitischen Gemeindehauses hielt, den anwesenden Zionisten zu Ehren herzliche Worte der Begrüssung voraus und gab der Hoffnung Ausdruck, dass (die zionistische Bewegung der jüdischen Gesamtheit zum Heile gereichen und nach dem Ausspruch ihres Begründers zur Eückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland führen möge. Sitzung der westösterreichischen Landsmannschaft. Die westösterreichische Landsmannschaft befasst sich in einer Reihe von Sitzungen mit den Grundlagen des Organisationsstatutes und insbesonders mit den Teilen denselben, welche die Wahl der Leitung regeln. In der am 10. August abgehaltenen Sitzung wurde die Frage der Leitung eingehend erörtert. Von allen Rednern wurde ausgesprochen, in dieser wichtigen Frage das Prinzip der Einheit und des Friedens zu wahren und der Leitung sowohl wie der Bewegung eine umfassende einheitliche Arbeitsmöglichkeit und Expansioriskraft zu sichern. In diesem Sinne wurde folgender ßeschluss gefasst, der die Wahl der Leitung im Organisationsstatut regelt: „Das E.A.C. wählt den Vorsitzenden aus seiner Mitte. Doch kann der Kongress mit Majorität beschliessen, den Präsidenten aus seiner Mitte zu wählen". Auf Antrag Dr. Zweig wurde ein Junktim mit den anderen grossen Landsmannschaften einhellig beschlossen in dem Sinne, „es soll bei diesem Kongress bei der Norm belassen werden, dass das E.A.C. seinen Präsidenten aus seiner Mitte wählt". Tabellarische Uebersicht der Ausfuhrartikel der Häfen von Jaffa und Gaza. (Nach dem Bericht der Jerusalemer Handelskammer vom 3. IV 1910.) Ware JAFFA GAZA Francs Francs 3,994,688 2,508,024 2,004,780 946,638 629,526 885,900 Seife....... 4,054,364 616,090 — Lupine, Bohnen . . . 1,074,238 404,559 546,168 341,259 — Obst....... 147,489 293,094 Sesam- und Olivenöl . 101,761 — 71,223 122,849 Getreide versch. Art. . 42,770 65,695 Weizen...... 83,605 82,676 Schluss des redaktionellen Teiles.