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Die Welt · 1911-08-18 · 33 (18.8.1911) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
33 (18.8.1911)
Date
1911-08-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. BASEL, 18. August 1W1. No. 33. DER X. Z ION IST EN - KONGRESS. Vierter Tag. Achte Sitzung. Sonntag, 13. August. (Schluss aus Nr. 4.) Als dritter Generalreclner in der vollständig in hebräischer Sprache geführten Debatte sprach DeL Zlatopolsky, da-r folgendes ausführte: Schon der dritte Kongress setzte eine Kulturk«nnmission ein. Ein Redner sagte hier, die Kulturarbeit gehöre offiziell nicht hiraein in unsere Organisation. Dem muss ich ents-chieden widersprechen. Nur die Kulturarbeit kann uns neue Kraft gewähren. Sie rnuss in der Zentrale ein besonderes Organ haben. In Ihren Forderungen erblicken wir einen Erfolg unserer Agitation. Man hat hier von der „Histadruth Ibrith" gesprochen. Diese hat niemals gesagt, der Zionismus solle keine Kulturarbeit leisten. Im Gegenteil. Der Zionismus hat noch keine bestimmte Position darin eingenommen. Sokolow's und Syrkin's Vorschläge sind richtig, geben aber noch keine klare Formulierung der Arbeit. In der „Histadruth" sind zumeist Zionisten. Hebräisch muss die Verkehrssprache sein und im Haus und Familie allgemein angewendet werden. Nur durch Beharrlichkeit werden wir unsere Ziele erreichen. Die meisten russischen Zionisten verstehen kein Deutsch. Alles, was offiziell von der Leitung ausgeht, ist deutsch. Nicht nur in Palästina ist es möglich. Auch dort war es nicht immer so. Unsere eigene Umgebung stört. Dk zionistische Organisation muss alle hebräischen Bestrebungen unterstützen. Zu Beginn der Sitzung gab Del. Syrkin äie Erklärung ab„ dass er mit den Worten, in denen er am Sehl msse der Vormittags Sitzung gegen die Wahl des Herrn Trietsch in den Emigrationsausschuss protestierte, Herrn Trietsch niclil habe kränken wollen. Del. Chasanowitsch, der Letzte der vier Generalredner, spricht Jargon. Die Misrachi verlangen stürmisch, dass er hebräisch spreche; Chasanowitsch leimt das ab : Nicht alle hier auf dem Kongress verstehen hebräisch; Sie können sagen, das ist ein Unglück, aber jedenfalls ist es eine Tatsache, und der trage ich Rechnung-, Sie können von mir nicht verlangen, dass ich eine Resolution in einer Sprache beantrage, die nicht von allen verstanden wird. (Beifall und Unruhe.) Vor ganz kurzer Zeit haben die Poaie Zion in Wien eine WeLtkonferenz abgehalten und zu den Fragen Stellung genommeai, die diesen Kongress beschäftigen, darunter au«3i zur Kulturfra.ge. Die Poale Zion-Organisation hat eine Täesolution beschlossen, die Protest dagegen erhebt, dass diese Frage auf die Tagesordnung des Kongresses gestellt ist. Jeder nniss das Recht haben, zu denken wie er will, politisch wie kulturell. Das ist die alte Tradition von Herzl. (Unruhe bei den NCisrachisten.) Ihre archaistischen Tendenzen (Unruhe) entsprechen nicht den Gedanken und Interessen aller zionistischen Kreise, vor allem nickt der Arbeiterverbände und am allerwenigsten derer, die wir gewinnen wollen für den Zionismus. (Beifall und Unruhe.) Di« Sprachenfrage ist noch nicht entschieden. (Zurufe : Unsere Vergangenheit macht es uns zur Pflicht!) Wir Poale Zionisten schätzen die hebräische Sprache sehr, ein vollkommener Jude muss auch die hebräische Kultur and die hebräische Sprache beherrschen (Beifall), in diesem Sinne arbeiten auch wir. Die Poale Zionisten haben in den von ihnen in Amerika errichteten Schulen hebräisch als Lehrgegenstnnd, weil sie sagen, in der hebräischen Sprache ist die hebräische Kultur aufgespeichert. Aber die Sprache des Volkes ist es nicht. Wir können uns nicht auf den extremen Standpunkt stellen, der die Sprache les Volkes ausschliesst. Die das verlangen, denken mit der alLertiefsten Verachtung von dem Volke. (Grosse Unruhe. Entrüstete Zurufe.) Das ist Tatsache. Ich habe Gelegenheit, die HebräEsten bei der Arbeit zu sehen, in verschiedenen Ländern. Es geht ein Hauch von Abneigung gegen die VoLksmasse durch sie, ein Hauet von Verachtung des Volkes. (Grosse Unruhe. Rufe : Zur Ordnung!) Vorsitzender Uss i senk in ersucht den Itedner, seine Worte zurückzunehmen. Chas anowitsch: Es ist Tatsache, dass1 (Sie jüdische Volks - masse in Ehrem momentanen Lebensausdruck bei den Hebräern nicht genügend Verständnis und Schutz findet. Das ist meine Ansicht. Aber die Frage ist eben nicht entschieden. Ich verstehe sehr wohl, dass man hierher kommt und erklärt, die jüdische Nation ist in Gefahr, die jüdische Jugend geht uns fort, wir müsseii ein Band haben, sie mit der Vergangenheit zu verknüpfen, und das ist die hebräische Sprache. Ich verstehe das für Deutschland und für Frankreich und für die gebildeten Kreise. A_ber. in den demokratischen Schichten des Volkes ist das einzige Bindemittel die Sprache, die das Volk spricht. Auf dieses Biindemittel können wir nicht verzichten. Sie können hebräische Kultur geben, aber Sie müssen da-s Jüdische lassen. Sie schaffen eine Scheidewand, und die jüdische Aristokratie beraubt sich selber der Möglichkeit, im. Volke zu wirken. (Unruhe. Zuruf: Sozialist!) Hebräisch schafft einen Gegensatz zwischen Yolk und Nation. Hebräisch vereEnigt Deutschland, Frankreich und meinetwegen die Türkei — aber nicht, die unteren Schichten des Volkes. Die Masse des Volkes wird abgestossen won der nationalen Bewegung. Die Juden in Galizien haben sick mit dem grössten Opfermut in den Kampf für die Anerkennung' der jüdischen Sprache geworfen, sie haben erklärt: ihre Umgangssprache sei jüdisch. (Unruhe.) Da ist es unmöglich, dass liier von der Tribüne gesagt wird : las ist eine Lügensprache! (Unruhe. Zuruf: Wer sagt das?) ALle Vorschläge, die von Sokotaw und den anderen gemacht werden, die hebräische Sprache zu entwickeln, die fördern die jüdische Entwicklung nicht. Mit keinem Wort ist in der Resolution von der Volksmasse die Hede, von der Wirkung auf das Volk, es zu erheben in seiner Kulturstufe. Wenn Kultur geschaffen wird, so verlangen wir Gleichberechtigung: aber hier-werden wir zu kurz kommen.

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