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Die Welt · 1911-08-14 · [Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
[Sonder-Ausgabe] Nr. 4 (14.8.1913)
Date
1911-08-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIEÄELT KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 \/ ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. BASEL, 14. August 1911. No. 4. DER X. ZIONISTEN-KONGRESS. Vierter Tag, Siebente Sitzung. Sonntag den 13. August. Vor Beginn der Sitsimg wird unter grossein Beifall der im Saal Anwesenden die Fahne des Vereines Ahavath Zion in St, G-allen auf der Estrade angebracht. Die Fahne war morgens durch eine 60gliedrige Abordnung, welche vom Bahnhof aus in Reih und Glied zum Stadtkasino marschiert war, überbracht worden. Präsident Dr. Nord au eröffnete die Sitzung um 10lA Uhr. Präsident Dr. Nord au: Ich habe dem geehrten Kongress zunächst eine; tief betrübende Mitteilung zu machen, deren Bedeutung eigentlich über den Rahmen des Kongresses hinausgeht. Gestern ist Jozef Israels gestorben. (Das H»s erhebt sich.) Er war ein grosser Künstler, eineir der hervorragendsten in der zeitgenössischen Malerei, Sein Verlust ist ein solcher, dass er die gesamte ge&itfcete Menschheit trifft. Um ihn müssen alle die trauen^ für die die Kunst und ihre Träger tiefe Bedeutung laben. Uns aber geht naturgemäss dieser Verlust moch ganz besonders nahe. Denn Jozef Israels war nicht unir das Haupt der holländischen Malerschule, die, an ruhmreiche Ueberlieferungen anknüpfend, sie ruhmreich weitergeführt bat. Er war auch ein jüdisches Kilnstlertemperament, ob er sich dessen immer bewusst "war oder nicht. Wir finden in seinen Malereien die Intensität des Gefühles, die Energie des Ausdrucks, die holte sittliche Weihe des emotionellen Gemiitsanteiles, die wir als Eigentümlichkeiten der höher gezüchteten Exemplare unserer Rasse ansprechen. Jozef Israels war uns ein leuchtendes verkörpertes Paradigma dessen, was wir auch auf diesem Gebiete unter günstigen Umständen nicht nur uns, sondern der Menschheit am bieten haben werden. Jozef Israels hat nicht dafür an sorgen, dass sein Andenken lebendig bleibt. Die Kunstgeschichte wird sich seiner immer erinnern. Wir aber werden dies doppelt tun und seinem Andenken Dank weihen, als dem Andenken eines Mannes, der in düstern Zeiten uns über das Weiferblühen unserer Eigenschaften und über unsere Kulturzukunft beruhigen kann. Ehre seinem Andenken! (Tiefe Bewegung.) Wenn Sie, geehrte? Kongress, diesen SSaal und seinen Schmuck aufmerksam betrachten, so wind Ihnen nicht entgehen, dass unter dem Bildnis Theodor Herzls heute eine neue Fahne prangt. Sie ist eine Gabe des St. Gallener Vereines Ahavath Zion, der diese Fahne gestiftet und durch eine Abordnung feierlich überbracht hat. (Stürmischer Beifall.) Ich drücke dem Verein und seiner Abordnung den Dank des Kongresses für dieses reiche Angebinde aus. Ich erteile dem Schriftführer das Wort zur Mitteilung der hervorragenderen Schriftstücke des Einlaufs. Sekretär Dr. Rosenblüth verliest; den Einlauf. Darunter befindet sich ein Telegramm vo»n einer Anzahl von christlichen Bürgern der Stadt Getuf; unterfertigt ist das Telegramm toii Pastor Dardier. Dr. Daiches gibt eine Erklärung ab„ worin er sich gegen die Annahme verwahrt, als ob er mit seinem Antrag auf Decharge einen Hintergedanken gehabt hätte. Nichts habe ihm ferner gelegen. Da der Permanenzausschuss aum Organisationsstatut noch niclil schlüssig geworden ist, wird an Stelle dieses Punktes der Tagesordnung zunächst die Emigrationsfrage behandelt. Die Emigrationsfrage, Berichterstatter Dr. KatzenelsoIin: Hoher Kongress! Zum erstenmal soll hier vor dieser Tribüne die wichtigste und brennendste jüdische Frage der Gegenwart, die Eudgrationsfrage, besprochen werden. Wenn ich diese wichtige Aufgabe überruommenhabe, so tut ich es nicht, weil ioh besondere Verdienste oder besondere Kenntnisse in (kr Frage habe, sondern lediglich, weil ich dieses ganze Leid, diese ganze B~ot mit eigenen Augen gesehen habe, weil an meinen Aagen Tausende, Zehntausende, wenn nicht gar Hunderttausende vorübergegangen sind, deren Martyrium ich selbst miterlebt habe. Ich habe selbst diesen Staub eines Volkes herumwirbeln gesehen, vom Wind hin- und hexgetragen; das allein berechtigt mich, Ihnen ein neues Kapitel aus dem Leid, ein neues Klagelied über dass Schicksal unserer Brüder vorzutragen.

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