Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- (10.8.1911) Nr. 1
- Date
- 1911-08-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3316458-3316461--54844-3348670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 L^TT* ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DERZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. BASEL, 10. August 191L No. U, DER X. ZIONISTEN-KONGRESS. Erster Tag. Ein glänzendes festliches Bild bietet der Saal schon eineinhalb Stunden vor dem festgesetzten Eröffnungstermin, ein Bild, das uns von jedem Kongress her vertraut ist und dennoch immer neue Eindrücke weckt. Ton allen Seiten strömen die Delegierten herein, die Sendboten der jüdischen Sehnsucht in allen Teilen der Erde. In einem Dutzend verschiedener Sprachen schwirrt die Begrüssung Gleichgestimmter, Gleichsehnender, und alle die Worte, die getauscht werden von denen, die auf jedem Kongress einander begegnen, oder von denen, die das erstemal von ihren Wählern hie her entsendet wurden, sind immer der Ausdruck des einen, des herzlichsten und heissesten BrudergefuMs, das sich um alle Glieder des Volkes schlingt. Um 10 Uhr 20 Minuten gibt ein Sekretär das Hammerzeichen. Nach einigen Sekunden tiefer Stille erscheint Präsident Wolff so Im, hinter ihm MaxNordau und Professor Warbarg, Tschlenow, Marmoreck, dann die lange Reihe der übrigen Mitglieder des A.C. Laut rauscht der Willkommgruss durch den Saal, wie eine Woge geht es durch die Delegierten, die si<h von ihren Sitzen erhoben haben. Als könnte man sicli nicht genug tun des Grüssens und Winkens. Das Jtmgjudentum der ganzen Welt ist hier versammelt, dies &r Raum ist von heute ab der Zielpunkt so vieler Hoffnungen und Wünsche und darum klingt der Gruss, der -den Führern das Vertrauen und die Zuversicht aller kündet. Dann spricht Wolffsohn. Seine tiefe sonore Stimme dringt in den letzten Winkel diese-s menschengefüllten Saales. Nach seinen ersten Worten bricht wieder der Sturm des Beifalles los. Wolf söhn spricht hebräisch, die Muttersprache des Judentums! Immer von neuem unterbricht ihn der Applaus, so als er hinausruft: „Vor vierzehn Jahren war der Zionismus eine Sensation, heute ist er eine feststehende Tatsache," „die einzige Besserung sehen wir in der Türkei," „es ist unser Traum und sehnlicher Wunsch, in eineiri blühenden und mächtigen ottomanischen Reiche ein blühendes und glückliches jüdisches Volk zu sein," „unsere Parole nruss sein: standhaft, fest und treu!" Nach Wolffsohn spricht der Sachwalter des zionistischen Gedankens, Max Nord au. In eineinh&Lbstündiger Bede formt dieser Meister des Wortes um ere Stellungnahme zur Emigration, zu dem problematischen „öffentlichen Gewissen" und zu der „Nichteinmengmng in innere Angelegenheiten fremder Staaten," die mur dann Geltmog erhält, wenn nicht ein Profitchen herausschaut. In leidenschaftlicher Entrüstung trifft er s ich mit dem Kongress, als er das Treiben der jüdischen Angeber in der Türkei als Brudermord stigmatisiert. Man verzeichnet seit vierzehn Jahren in jedem Kongressbericht die gleiche enthusiastische Aufnahme der Worte Nordaus. Heute trug der Beifall eine besonders wäTme Note, denn man dachte an den ersiten Kongress, auf dem Nordau nach Herzl unsere Leitgedanken verkündete . . . Sitzungsbericht. Präsident Wolffsohn eröffnet kurz nach 10 Uhr die Sitzung mit folgender Ansprache, die hebräisch beginnt: Geehrter Kongress! Zum zoltnten Male sind wir heute versammelt und dieses Mal wiederum in Basel, der schönen gastfreundlichen Stadt, in der wrir zum ersten Male, dem Bnfe Theodor E erzl's folgend, uns von allen vier Enden der Welt zusammengefunden haben. Damals, vor genau vierzehn Jahren, haben wir fien Grundstein gelegt, auf dem wir die zionistische Organisation aufgebaut* damals haben wir zum ersten Male der ganzen Welt offen und frei verkündet, dass wir ilqs als Mitglieder der jüdischen Nation fühlen, dass wir eine Nation sind und sein wollen. (Beifall). Das war jr< eigentlich selbstverständlich, aber es klang neu uxd rief clas4i Erstaunen selbst unserer eigenen Volksge-