Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 31 (4.8.1911)
- Date
- 1911-08-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3T DIBBELT -365 Organisationsbeiträge (Vgl. „Welt" 1911 Nr. 12, 18, 22, 23, 25, 28.) Gezahlt j/C Zionistische Ortsgruppe, Königsberg . 475.— Order Knights of Zion, Chicago . Doli. 50.— 209.15 R. A. Bernhard David, Hamburg . . 30.— „Unser Stammtisch", Hamburg, Alster- 30 — Sammelstelle des J. N. F., Wien . . . Kr. 33.— 26.65 25.— Dr. A. Jacobsohn, Hannover .... 25.— H. Dülken, Köln.......... 20.— 11.70 Rbl. 3.— 6.48 2.90 Die Summe der bisher eingegangenen Beträge beläuft sich auf Jl 19 466.76. Zur Angelegenheit Misrachi- Mossinsohn Wir erhalten folgende Zuschrift: Auf die Darstellung der Affäre Mossinsohn seitens der hiesigen zionistischen Ortsgruppe haben wir kurz folgendes zu erwidern: 1. Die Vorstandschaft der zionistischen Ortsgruppe ist lange vor der endgültigen Berufung nicht von „irgendeinem Mitgliede", sondern von ernster unterrichteter Seite aufmerksam gemacht worden auf die Konsequenzen eines solchen Affronts. 2. Ferner hat ein misrachistisches Vorstandsmitglied der zionistischen Ortsgruppe sofort nach Bekanntwerden des Vorstandsbeschlusses sein Amt niedergelegt und vor Eröffnung der vielgenannten Ortsgruppensitzung nochmals ganz energisch und bestimmt Widerspruch erhoben gegen die Berufung des Herrn Dr. Mossinsohn, der in seiner Diskussionsrede offen Farbe bekannt hat. 3. Wenn wir trotzdem zugeben, — und die Vorstandschaft der zionistischen Ortsgruppe stellt das der offiziellen Leitung gegenüber in „loyaler Weise" auch nicht in Abrede, — daß in der Mitgliederversammlung der zionistischen Ortsgruppe vorn 14. Juni er. außerhalb der Tagesordnung in vorgerückter Stunde die Rednerfrage gestreift und der Name Mossinsohn erwähnt wurde, so müssen wir es zum mindesten als Illoyalität erklären, wenn der Vorsitzende in Kenntnis der Sachlage den Vorschlag in einer solchen Weise der Versammlung unterbreitete, daß eine ganze Anzahl der anwesenden Mitglieder, auch Nichtmisrachisten, — vor allen Dingen der am Vorstandstisch sitzende Herr Oberndörfer, davon nichts gehört hat. Wir müssen es daher ganz entschieden zurückweisen, daß wir die Konsequenzen der uns vermeintlich nachgewiesenen Unaufmerksamkeit zu tragen hätten, um so mehr, als es sich in dieser Angelegenheit um eine für uns so hervorragend wichtige Sache handelte. 4. Über die Frage, was jüdisch und unjüdisch sei, lassen wir uns mit den Herren in keine Diskussion ein angesichts der eminenten Gefahr des Systems des hebräischen Gymnasiums für die Zukunft Palästinas; wir wissen uns darin einig mit den besten Kennern Palästinas, die unser Vorgehen durchaus billigen, wenn sie auch nicht unserem religiösen Standpunkt angehören, aber gelernt haben und wissen, was Judentum in seiner Totalität bedeutet. 5. Das Baseler Programm läutet: „Der Zionismus erstrebt die Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte usw." Von Kulturbestrebungen enthält dieses Programm nichts, und nur unter dieser Voraussetzung schlössen sich Gesetzestreue dem Zionismus an. Wir erkennen dieses Programm an; wir haben für dasselbe gekämpft, lange Jahre vor der jetzigen Ära der Vorstandschaft, — wir sind keine Zionisten von gestern und nicht eine Minorität, sondern die Majorität der hiesigen Ortsgruppe und werden weiter kämpfen. Die Vorstandschaft der Misrachi-Ortsgruppe Nürnberg-Fürth. * * * Frankfurt a. .ÜML . Montag den 3. Juli veranstaltete die „Iwriah", Verein zui Pflege der hebräischen Sprache und Kultur, eine Versammlung, in der Herr Dr. B. Mossinsohn ein hebräisches Referat hielt über „Die Grundlagen des jüdischen Nationalismus und unserer nationalen Arbeit." Die Versammlung, die stark besucht war, wurde von Redakteur S. Geis eröffnet. Darauf ergriff Dr. Mossinsohn das Wort zu seinem Vortrage. Er untersuchte zuerst die Grundlagen des Nationalismus im allgemeinen, die Faktoren, die über die nationale Zugehörigkeit eines Menschen bestimmen, ging auf die Frage ein, ob es besser wäre, daß es statt aller Nationen nur die eine Menschheit gäbe, was er sowohl in Deduktion wie empirischem Beweise verneinte und ging dann zur Behandlung des jüdischen Nationalismus im besondern über. Wir Juden sind zwar kein Volk, weil dieses eine politische Organisation darstellt, wohl aber eine Nation, weil dies nur ein kultureller Begriff sei. Als Nation haben wir die Kraft und den Willen zum kulturellen Schaffen, aber uns fehlt die Möglich keit hierzu. Von den Kulturen der andern Völker abhängig und beeinflußt, haben wir die kulturelle Einheit verloren. Dieser Zwiespalt zwischen dem Schaffen wollen und dem Schaffenkön nen ist die größte Tragik des jüdischen Volkslebens. Unsere größten Kräfte werden dadurch zersplittert, gespalten und vernichtet, vofür Heine das beste Beispiel bietet. Im Mittelalter haben wir noch; eine eigne Kultur gehabt, wenn auch nur eine Kultur cline Fundamente. Seitdem aber die europäischen Völker in der Neuheit selbst erwacht sind, bleibt für uns Juden immer weniger Platz übrig. Was wir noch schaffen, schaffen wir für die andern. Aus dieser furchtbaren Lage gibt es nur einen Ausweg: Konzentritrung in einem Land. Dieses kann nur Palästina sein. Palästina niinnmt im jüdischen Leben im Goluth die erste Stelle ein. Sowohl im der jüdischen Religion wie in der Religionsphilosophie, sowohl im der jüdischen Poesie wie in den jüdischen Gebräuchen, überall steht Palästina im Mittelpunkt. In Palästina ist es auch, wo die meue Lebenskraft ihre Stärke beweist. In Palästina haben wir schon ein neues jüdisches Leben geschaffen. Mit dem Momente al)er, da dort eine neue jüdische Kultur entsteht, entwickelt es sich auch in der Diaspora. Werfn die jüdische Jugend den Drang und den Willen zur Schaffung eines neuen jüdischen Lebens in Palästina haben wird, dann werden wir gewiß in unserm Kampfe siegen- Der inhaltlich äußerst gedankenreiche und rhetorisch glänzende Vortrag wurde mit begeistertem Beifall aufgenommen. Auf Aufforderung des Herrn Goitein hin erhob sich die ganze Versa mmlung zu Ehren des Redners von ihren Plätzen und brach in ein begeistertes „Hedad" aus. Nachdem N. Goldmann den Vortrag deutsch wiedergegeben hatte, entspann sich eine Diskussion. Herr Perlmutter warf dem Referenten einen „reinen Nationalismus" vor und forderte eine Verbindung von Nationalismus und Religion. Herr Dr. Gottlieb ging auf verschiedene Ausführungen des Referenten näher ein und zeigte an verschiedenen Beispielen die Schönheit und Größe: der hebräischen Sprache, zu deren Erlernung er die Versammelter aufforderte. In seinem Schlußwort ging der Redner auf die Anschauungen der deutschen Orthodoxie näher ein. Der Begriff des reinen Nationalismus existiert gar nicht. Aber auf der andern Seite gibt es auch keine „reine Religion" im Judentum, wie es viele westeuropäische Orthodoxen glauben. All diese Begriffe: hat die westeuropäische Judenheit von den anderen Konfessionen übernommen. Ihm persönlich zeigt die Versammlung, daß es auch in Westeuropa viele Juden geben, die die Arbeit der Pioniere in Palästina schätzen und bereit sind, ihnen zu helfen, und dieses Bewußtsein wird ihm und seinen Mitarbeitern im neuen Lande in Stunden der Enttäuschung, die unvermeidlich sind, neuen Mut und neue Kraft einflößen. (Beifall.) Frankfurt a. AI. Die Versammlung der hiesigen zionistischen Ortsgruppe mit Dr. B. Mossinsohn als Referenten, die einen so stürmischen Verlauf genommen hat, fand in einer Versammlung, die Donnerstag den 6. Juli stattfand, ihr Nachspiel und ihre Fortsetzung. Die Misrachigruppe hatte eine neue Versammlung einberufen, die wieder „Das neue jüdische Leben in Palästina" zum Thema und Dr. Bamberg er-Nürnberg zum Referenten hatte. Wie die Plakate besagten, sollte diese Versammlung eine Fortsetzung der vorigen bedeuten. Der Vorstand der zionistischen Ortsgruppe stellte sich auf den Standpunkt, daß eine Fortsetzung der Versaanmlung nur von ihm ausgehen könne, daß die Versammlung der „Misrachi" aber unberechtigt sei, und beschloß, sich nicht am ihr zu beteiligen, was denn mit Ausnahme von Herrn Levijard, der aus besondern Gründen als Privatperson in der Versammlung 4as Wort ergreifen wollte, auch geschah. Die Versammlung, die ziemlich stark besucht war, wurde eröffnet und geleitet von Dr. Feucht wanger. Er teilte mit, daß der Referent in letzter Stunde verhindert worden sei, zu erscheinen, und daß an seiner Stelle die Herren Stern und Prof. Weyl sprechen würden. Der Kampf ist der Misrachigruppe aufgezwungen worden. Der Zionismus dürfe keine Kulturarbeit leisten, -weil