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Die Welt · 1911-07-21 · 29 (21.7.1911) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
29 (21.7.1911)
Date
1911-07-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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DIEX^ELT No. 29 § 24. Persönliche Bemerkungen sind erst am Schlüsse der Debatte oder der Sitzung gestattet. § 25. Beschlußfassung Nach Schluß der Debatte, auf Antrag auch schon nach Schluß der Generaldebatte, kann der Kongreß beschließen: a) Obergang zur Tagesordnung b) Ablehnung c) Vertagung d) Oberweisung als Material an einen bestehenden Ausschuß zur Berichterstattung e) Annahme en bloc Entscheidet der Kongreß nicht in einer dieser Arten, so ist der Entwurf nach Befinden des Präsidenten nach seinen einzelnen Paragraphen zur Abstimmung zu stellen. Zum Schluß ist dann der gesamte Entwurf noch einmal zur Abstimmung zu stellen. Die Reihenfolge bestimmt der Präsident; es steht ihm frei, eine prinzipielle Frage vorweg zur Abstimmung zu bringen. § 26. Abstimmung Es entscheidet, soweit nicht besondere Bestimmungen getroffen sind, einfache Stimmenmehrheit. Die Abstimmung erfolgt durch Händeaufheben. Auf Antrag von einem Drittel der Mitglieder muß namentlich, auf Antrag von zwei Dritteln geheim und schriftlich abgestimmt werden. Auf Antrag des Präsidiums (EAC) hat namentliche oder geheime Abstimmung stattzufinden. Stimmengleichheit gilt als Ablehnung. V. Ordnungsbestimmungen. § 27. Disziplinarmittel Wenn ein Mitglied die Ordnung verletzt, wird es vom Präsidenten unter Nennung seines Namens „zur Ordnung" gerufen. Entfernt sich ein Redner von dem Gegenstand der Verhandlung, wird er vom Präsidenten „zur Sache" gerufen. Hat ein Redner sich zweimal in einer Rede einen Ruf „zur Sache" oder „zur Ordnung" zugezogen, so ist bei einem dritten Verstoß ihm das Wort zu entziehen. Der Redner ist nach der zweiten Rüge zu verwarnen. Im Falle gröblicher Verletzung der Ordnung kann auf Beschluß des Kongreßpräsidiums der Kongreßpräsident das betreffende Mitglied von der Sitzung ausschließen und dessen Entfernung aus dem Saale anordnen. Der Kongreß kann mit Dreiviertelmajorität den Ausschluß des Mitgliedes aus dem Kongreß beschließen. Wenn den Anordnungen des Präsidenten keine Folge geleistet wird, kann der Präsident die Sitzung aussetzen oder aufheben. Kann er sich kein Gehör verschaffen, bedeckt er sein Haupt. Dadurch ist die Sitzung auf eine Stunde unterbrochen. VI. Schluß des Kongresses § 28. Nach Erledigung der Geschäfte des Kongresses schließt der neugewählte Präsident der Organisation den Kongreß. * x= * Zu dem Bericht über die letzte Sitzung der Organisationskommission (Welt Nr. 27, Seite 637) ist noch nachzutragen, daß auch Herr Dr. E. Margulies, Leitmeritz, dessen Name versehentlich fortgelassen wurde, an den Verhandlungen teilgenommen hat. Die Frauenorganisation auf dem Kongreß Von Sophie Marcouse, Antwerpen Es ist vielfach der Wunsch geäußert worden, auf dem X. Kongresse die Verhandlungen so sachlich wie möglich zu gestalten, unnötige Reden, Anträge, Resolutionen usw. zu vermeiden und die verhältnismäßig knappe Zeit nicht um eine Minute zu vergeuden. Und inmitten all der hochwichtigen Finanz-, Organisations- und Kulturfragen ist ein bescheidenes Plätzchen noch einer Frage eingeräumt worden, die man doch wohl für wichtig genug hält, um darüber beim Kongreß selbst zusprechen. Es ist die Frage der Frauenorganisation. Der Zionismus hat sich den Frauen gegenüber von jeher äußerst günstig gestellt. Es ist ihnen sogleich das Wahlrecht verliehen worden und unter den Delegierten befinden sich stets zahlreiche Damen. Frau Sidonie Kahn, Wien war, wenn ich nicht irre, diejenige, die zuerst zur Gründung von national-jüdischen Frauenvereinen aufforderte. Es entstanden hier und da Vereine, doch sind sie mit wenigen rühmlichen Ausnahmen, ohne Blut und Leben. Vereine, die in ihrer Ecke vielleicht etwas leisten, aber von einer gesammelten, großzügigen Frauenarbeit im Zionismus sehen wir bisher nirgend eine Spur; es ist wahrlich Zeit, endlich an eine intensive Propaganda unter Jüdinnen heranzutreten. Und nun höre ich die Frage: „Was bedeutet, worin besteht die Frauenorganisation?" Was einer Partei, was einer volkstümlichen Bewegung Frauen arbeit bedeutet, weiß wohl, jedermann, und wem es vielleicht nicht klar ist, der sehe die zahllosen katholischen, sozialistischen, polnischen Frauenvereine an, der begreife einmal, wieviel dem musterhaft organisierten Sozialismus an der Frauenarbeit liegt, der sehe nur welche Mühe sich der katholische Klerus gibt, Einfluß auf die Frauenwelt zu gewinnen. Es läßt sich wohl kaum in Zahlen fassen, wieviel Anteil an den Erfolgen der sozialistischen und auch der nationalistischen Parteien den Frauen zuzuschreiben ist. Wir Jüdinnen haben größtenteils endlich auch begriffen, daß unsere Zeit gekommen, daß jetzt unser Volk unserer Arbeit bedarf. Nun, es gibt genug jüdische Frauen, die auf den ersten Ruf kommen, die bereit sind, Zeit und Arbeit und Geld und ihr Wissen und Können in den Dienst ihres Volkes zu stellen. Was wir noch nicht recht wissen, ist das „wie". Von den seit Jahrzehnten organisierten Männern verlangen wir ein wenig Hilfe. Ein wenig behilflich sein soll man uns bei der Gründung von immer neuen Frauengruppen, ein wenig behilflich bei dem Zusammenschluß alleryereine zu einem großen Verbände. Tausende begeisterter Kämpferinnen würden dem Zionismus zur Verfügung stehen, wenn sie richtig gerufen, richtig organisiert sein würden. Unser Weg ist ein anderer als der der Männer, aber unser Ziel ist das Gleiche. Und stehen die Fragen betreffs der Leitung und der Finanzen im Vordergrunde eurer Interessen, zionistische Männer, so beschäftigen uns die Probleme der Erhaltung eines jüdischen Heimes, eines jüdischen Milieus inmitten der schärfsten Anstürme von allen Seiten, uns die Erziehung unserer Kinder zu straffen Juden und Jüdinnen inmitten fremder Schulen, fremder Schulgenossen. In unsern Händen liegt die Zukunft unsers Volkes, wir lenken den Sinn, wir bilden den Geist derer, die einst eure Ideen, eure Arbeiten fortführen sollen. Sind unsere Sorgen, ist unsere Verantwortung kleiner als eure? So helfe man uns, unsere Schwestern heranzuziehen, heranzubilden, die Frauenarbeit für das jüdische Volk zu erhöhen. In keiner Stadt, wo Juden, Zionisten sich zusammentun, um für das Wohl des Volkes zu arbeiten, darf eine Frauengruppe fehlen; und sei sie auch noch so klein, es kann doch Segen von ihr ausgehen. Die Frau ist nun einmal die Seele des Hauses, und das Heim einer Frau, die mit Gleichgesinnten zusammenkommt, um aus der Geschichte unseres Volkes zu lernen, um von heldenhaften, großherzigen Frauen zu hören, die ihr Volk über alles geliebt, dafür gekämpft, ja sich geopfert haben; Frauen, die über die Vergangenheit, die unsagbaren Leiden der Juden weinen, die in der Hoffnung auf eine glückliche Zukunft jubeln können, — solche Frauen müssen ihrem Hause den Stempel national-jüdischen Geistes aufprägen, ihren Söhnen und Töchtern Liebe zu allem Jüdischen einflößen. Und wenn der Kongreß

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