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Die Welt · 1911-07-14 · 28 (14.7.1911) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
28 (14.7.1911)
Date
1911-07-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. Köln, u. Juli 1911 rminb DD'Wtf non n"'> No. 28. ZURÜCK ZU HERZL! Wir rüsten uns zu einer Kongreßfeier, zu einem Jubiläumskongreß, und dieser Jubiläumsfeier geht die bereits traditionell gewordene Gedenkfeier voran, die Trauer um den Tod des Schöpfers unseres Kongresses. Die kurze Linie, die zwischen diesen zwrei Arten unserer Gedenktage liegt, bezeichnet den Weg von der Trauer zum Trost. Stimmt uns die Gedenkfeier wehmütig, so sollen wir angesichts der Kongreßfeier Mut schöpfen. Besagt die eine: Herzl ist nicht mehr, so soll uns die andere sagen: Doch lebt er in unserer Mitte fort. Es lebt der Kongreß, seine vornehmste Schöpfung, es lebt die Idee, für die er gestorben. Gar manches hat sich seit dem Ableben unseres großen Führers geändert. Vielen mußte die zionistische Idee zu streng und rücksichtslos werden, und da es ihnen nicht gelingen wollte, das zionistische Ideal zu mildern und zuzustutzen, suchte sie anderweitige Befriedigung ihrer nationalen Gesinnung, die sich alimählich in philanthropischen Kolonisationswerken erschöpfte. Vielen wiederum erschien unsere Organisation zu engherzig; sie beanstandeten in unserm Programm die Einzigkeit und Ausschließlichkeit des zionistischen „Territoriums", und als es ihnen nicht gelingen wollte, das Programm nach ihrem Willen abzuändern und zu erweitern, verließen sie die zionistische Organisation, um eine Schein-Organisation zu gründen, die oft nur dadurch ein Lebenszeichen von sich zu geben vermochte, daß sie auf den Zionismus, dem sie noch vor kurzem angehörte, gelegentlich und ungelegentlich Angriffe versuchte. Diese Verluste, die unsere Organisation zu verzeichnen hat, waren um so empfindlicher, als wir den Verlust unseres Führers zu beklagen hatten, der unsern Feinden freudigen Anlaß gab, die weitere Existenz des Zionismus in Frage zu stellen oder gar mit offener oder versteckter Schadenfreude das jähe Ende des Zionismus zu konstatieren. Es geschah wahrlich nicht aus Achtung vor der Persönlichkeit Herzls, wenn man seinen Tod als den Tod des Zionismus verkündete. Vielmehr war es eine Geringschätzung unserer Idee, die auch eine Geringschätzung des Trägers dieser Idee in der Person Herzls in sich schließt. Der bevorstehende Jubiläumskongreß soll wiederum in ganz besonderer Weise den Beweis liefern, daß der Geist unseres verewigten Führers in uns lebendig ist und in unsern Handlungen fortwirkt; daß die verschiedenen schmerzlichen und folgenschweren Verluste, die unsere Organisation zu erleiden hatte, doch nicht imstande waren, die Grundlagen des Zionismus zu erschüttern. Wenn wir manchmal vom Kleinmut befallen werden, wenn Verzagen sich Eingang in unsere Reihen verschafft und wir, uns diesen Stimmungen hingebend, versucht werden, auf unser stolz und freimütig ausgesprochenes Programm nach gewissen Richtungen hin Verzicht zu leisten, so sollten wir uns des toten Führers erinnern, der dem zionistischen Ideal Schwung und Höhe gab und sich nicht von augenblicklichen Stimmungen und vorübergehenden Situationen hat beirren lassen. Wenn wir auf unsern Wegen manchen Schwierigkeiten begegnen, die den Kurzsichtigen als unüberwindbar erscheinen, und sofort bereit sind uns zu ducken und unsere Ansprüche ängstlich auf ein Minimum zu reduzieren, das fast der Aufhebung des zionistischen Ideals gleichkommt und den Unterschied zwischen der Großzügigkeit unseres Programms und dem der vielen philantropischen Institutionen aufhebt, so sollten wir des großen Führers eingedenk sein, der selbst in den Anfängen der zionistischen Arbeit, "als sie noch schwach war und vielen Hindernissen entgegen sehen mußte, die Würde und Strenge unserer Postulate in tiefer Überzeugung und zielbewußtem Trotz aufrecht erhalten hatte. Wenn man die von der zionistischen Organisation erzielte Einheit, welche die Verbindungslinie zwischen Ost und West, Orthodoxie und Nichtorthodoxie gezogen hat, so gering einschätzt, daß man sie angesichts der herrschenden Meinungsverschiedenheit in bezug auf das Wesen ,und den Wert der jüdischen Kultur aufzugeben bereit ist, so mag uns der Geist Herzls in dem bevorstehenden Kongreß vor solchen Verirrungen. schützen. Leider müssen wir noch oft die Erfahrung machen, daß der Herzische Geist, der zionistische Mut und die zionistische Strenge, nur einen Teil unserer Gesinnungsgenossen beseelt. Noch gibt es eine gewisse Schar von Zionisten, die sich brüsten, den Zionismus tiefer als sein Schöpfer erfaßt zu haben. Sie werfen ihm kurzsichtige Diplomatie und Mangel an historischem Sinn vor — ihm, der den tiefen Satz prägte; „Der -'ii i \t

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