Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Palästina Schulstiftung in Jaffa. Jaffa, 20. Juni. Herr Direktor Rabinersohn aus Kiew hat beschlossen, auf den Namen seines Sohnes Raoul Raphael Rabinersohn, der das Gymnasium absolviert hat, in Jaffa eine Schule für Handwerk und Kunstgewerbe zu gründen, und hat bereits Herrn Dr. Ruppin mit dem Ankauf des Bodens für die Errichtung der Gebäude beauftragt. Das Terrain ist daraufhin bereits gekauft. Die Schule wird in dem neuen Stadtviertel „Tel Awiw" in der Nähe des Gymnasiums gebaut werden. Für die palästinensischen Musikschulen werden noch zwei Klavierlehrer und ein Violinlehrer gesucht. Bewerber müssen das Diplom eines Konservatoriums haben und befähigt sein, selbstständig Konzerte zu geben. Bewerbungen sind an Frau Dr. Ruppin, Jaffa, zu richten. Für eine hebräische Druckerei in Jerusalem wird ein Drucker gesucht. Schriftliche Offerten sind an das Informationsbureau in Jerusalem zu richten. Rußland Neue Verfolgungen Vom Hilfsverein der deutschen Juden geht uns die nachstehende Mitteilung zu: „Es war schon seit einiger Zeit in den politisch eingeweihten Kreisen Petersburgs bekannt, daß die russische Regierung die traurige Lage ihrer jüdischen Untertanen weiter zu verschlechtern beabsichtige. Diese Pläne scheinen nunmehr unmittelbar vor ihrer Ausführung zu stehen. Wir erhalten aus absolut zuverlässiger Quelle in Petersburg ein Telegramm, das an der deutsch-russischen Grenze aufgegeben worden ist und folgendermaßen lautet: „Eine weitere Verschärfung der antisemitischen Politik wird die russische Regierung unmittelbar eintreten lassen. Der Zar hat durch eine besondere Resolution hierzu seine Billigung ausgesprochen. Die wachsende Bedrückung im Innern soll zugleich der Regierung ihre Position bei den Wahlen erleichtern." Aus Nikolajew wird berichtet: In den letzten Tagen herrscht hier große Bestürzung. Die Regierung hat sich entschlossen, in Nikolajew d e alten Schiffsbauwerften zu erneuern und neue Werften zu bauen, und da laut russischem Gesetz alle Orte, in welchen Kriegsmaterial verfertigt wird, nicht >u jenen Gebieten gehören, wo die Juden das Wohnrecht haben, erklärt die Regierung, daß in Nikolajew nur diejenigen Juden bleiben dürfen, welche in Nikolajew als Kaufleute, Bürger und Handwerker registriert sind. Neu ankommenden Juden ist schon verboten, mehr als 24 Stunden in Nikolajew zu bleiben, so daß wenig Aussicht ist, daß die Verordnung umgeändert wird. Da in Nikolajew aber 28 000 Juden wohnen, von welchen nach der neuen Verordnung nur ca. 12 00O Juden das Wohnrecht hätten, ist jedoch kaum anzunehmen, daß man so viele Leute von hier ausweisen wird, obgleich die Regierung dazu berechtigt ist. Die hiesigen Behörden erklären, daß man den Juden, welche bis 1905 nach Nikolajew kamen, das Wohnrecht erteilen wird, aber keine neuen Juden hereinlassen wird. (s^ NACHRICHTEN ^f] Zur angeblichen Revision des Hilsner=Prozesses Verschiedene Zeitungen haben nach dem Prager tschechischjüdischen „Rozvoj" eine Äußerung des Abgeordneten Dr. Baxa wiedergegeben, wonach dieser von der Unschuld Hilsners überzeugt sei. Man muß davor ^warnen, dieser Meldung allzu große Bedeutung beizulegen. Baxas Äußerung war, wenn sie überhaupt in der angegebenen Form erfolgte, nichts als Wählerfang. Tatsächlich gehört Dr. Baxa, der seinerzeit die bekannte Blutrede im Piseker Schwurgerichtssaal gehalten hat, dem antisemitischen Flügel des sogenannten tschechischen Wahlkarteiis an. Er war von den vereinigten tschechischen Parteien als gemeinsamer Kandidat aufgestellt worden. Da die tschechisch-jüdischen Assimilanten, die aus „Parteidisziplin** seine Kandidatur annahmen, so erhob sich in der jüdischen Wählerschaft ein arger Sturm gegen sie. Um diesen zu beschwören, wurde die Äuserung Baxas in Umlauf gesetzt. Es sind also alle Hoffnungen, die man an diese Nachricht geknüpft hat, als vorläufig verfrüht zu bezeichnen. Die gleiche Vorsicht muß manbezüglich der angeblichen Zusicherungen des Justizministers gegenüber dem Präsidenten des Wiener kulturpolitischen Vereins Dr. Scheu walten lassen, die in einer Extraausgabe einer Wiener Montagszeitung bekanntgegeben wurde. Dr. Scheu, der im ersten Wiener Bezirk zum Reichsrat kandidierte, brauchte etwas, um auf die jüdischen Wähler zu wirken, und benützte hierzu eine ziemlich orakelhafte Antwort des Justizministers. Es ist merkwürdig, wieviel Freunde wir Juden doch in Wahlzeiten finden? Vom Wiener Emigrationskongreß Je näher der Termin für den auf Ende August anberaumten Emigrationskongreß herankommt, desto mehr schwinden die Aussichten auf einen Erfolg und eine nachhaltige Wirkung seiner Beratungen. Zwei für die jüdische Wanderung sehr bedeutsame Organisationen, der Hilfsverein der deutschen Juden und die Ica werden sich an dem Kongreß nicht beteiligen. Die Konferenz der russischen Delegierten des bevorstehenden Wiener Emigrationskongresses, welche dieser Tage in Petersburg stattgefunden hat, fand nun ihren Abschluß. Es wurde u. a. beschlossen, ein zentrales Organ für Emigrationswesen ins Leben zu rufen, wobei auch Vertreter der großen jüdischen Organisationen in London, Paris und Berlin heranzuziehen seien. Ferner wurdebeschlossen, die Schaffung einer speziellen Emigrationsbank zu beantragen. Es wurde festgestellt, daß die Stellung der verschiedenen Gemeinden dem Wiener Kongresse gegenüber |eine durchaus sympathische sei. An der Konferenz beteiligten sich die Vertreter der verschiedensten Richtungen und Parteien im russischen Judentum. Die Juden in der amerikanischen Armee Der gesellschaftliche Antisenrtismus, der in den Vereinigten Staaten schon seit langem ein Heim gefunden hat, ist nun auch dort in die Armee eingedrungen. Präsident Taft hat jüngst seine ganze Autorität als oberster Kriegsherr einsetzen müssen, um einem jungen Soldaten, gegen den nichts vorlag, als daß er der Sohn eines jüdischen Schneiders ist, zu dem ihm gebührenden Offizierspatent zu verhelfen. Natürlich serviert die liberale Presse dieses Geschehnis ihren Lesern als einen besonderen Beweis von Philosemitismus des Präsidenten Taft. Uns dünkt freilich, daß Taft nur Recht hat walten lassen. Aber es scheint, daß man auch in Amerika schon dafür dankbar sein muß, wenn ein Jude zu seinem Recht kommt. Schluß des redaktionellen Teiles Anmeldungsformular zum Kongreß Tribünen karten Anmeldungsformular An das Bureau des Zehnten Zionistenkongresses Stadtkasino, Basel. Der Unterzeichnete besteilt hiermit: für sämtliche Verhandlungstage..............Tribünen karte „ Mittwoch den 9. August .............. „ Donnerst, den 10. „ .............. „ Freitag den 11. „ .............. „ „ Sonntag den 13. „ .......-...... „ „ Dienstag den 15. „ - „ Die entsprechenden Vormerkungsgebühren im Betrage von.............-...... empfangen Sie beigeschlossen, gehen per Post an Sie ab. Name.............................................. Adresse............................................. Wohnort........................................... (Unterschrift.) (Nichtzutreffendes wolle man durchstreichen.) Die Vormerkungsgebühr beträgt Fr. 1.— pro Karte und pro Verhandlungstag, also Frs. 5.— für sämtliche Verhandlungstage. Sie ist bei der Bestellung zu entrichten. Postmarken alier Länder werden entgegengenommen.