Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 27 (7.7.1911)
- Date
- 1911-07-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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636 DIEl^ELT No. 27 Eigenart belassen werden kann und muß, ohne daß das Reich Schaden daran nähme. Die Türken bestreiten nicht unser historisches Recht auf Palästina. Es gibt Rechte, die unverjährbar sind und wir dürfen nicht aufhören, wie wir dies seit 18 Jahrhunderten getan haben, auf unserem Recht zu bestehen. Was heute unmöglich ist, kann morgen möglich werden. Die Türken erkennen unser historisches Recht an, aber sie haben für sich das bessere und stärkere Recht des Besitzenden. Unsere Aufgabe ist es, den Türken zu beweisen, daß wir nichts erstreben, was ihren Interessen entgegenläuft, daß sie durch uns sehr Vieles zu gewinnen und nichts zu verlieren haben. Redner erwähnt die Existenz der Frankisten in Polen, die Nachkommen der Sabbatianer, die Dönnichs im Orient, die Chuetas in Spanien, um zu beweisen, wie die Assimilation großer Judenmassen unmöglich ist, Prof. Bäsch meint, der Wille zum Volkwerden genüge nicht, nur die Jahrhunderte bilden ein Volk. Haiti wolle Redner nicht als Beispiel heranziehen, aber Nordamerika. Wer bestreitet die Existenz des dort lebenden Volkes? Wer ist stolzer als der Amerikaner auf sein nur durch gemeinsamen Willen erlangtes Volkstum? Aber wir sind in der glücklichen Lage, nicht bloß auf den gemeinsamen Willen angewiesen zu sein. 30 Jahrhunderte genügen doch gewiß, um ein Volk zu bilden. Unsere Zeitgenossen waren die Assyrer, die Perser usw., von den Römern gar nicht zu sprechen. Wir haben sie alle überdauert, wahrlich, wir haben die nötigen Jahrhunderte, um ein Volk zu sein. Allen Verfolgungen, dem Scheiterhaufen, haben wir getrotzt und leben noch. Die Energie und Lebenskraft, die uns das alles überstehen ließ, lebt noch in uns. Das schlimmste ist hoffentlich vorbei. Wir werden noch der alten Energie genug in uns haben, um uns am Leben zu erhalten. Bäsch meint, wenn die Völker uns den Judenstaat gestatten, in dem wir unserer Freiheit gewiß sind, dann ist der Staat überflüssig, dann ist die Verbrüderung Wirklichkeit geworden! Wir halten die Erreichung unseres Zieles für viel näher, viel •wahrscheinlicher und viel leichter durchführbarer. Die Erreichung unseres Zieles wird uns gewiß nicht verhindern, die Völkerverbrüderung zu erleben und mit zu erstreben. Der Unterschied zwischen orthodoxen und freien Juden erscheint Bäsch größer als der zwischen gebildeten Juden und Nichtjuden. Das ist wieder ein Irrtum. Ein unzertrennbares Band verbindet alle Juden, Die Juden haben menschliche Fehler und jüdische Eigenschaften. Der orthodoxe Jude ist eingekapselt, aber die harte Schale verbirgt einen edlen Kern. Lassen Sie den Juden in Freiheit leben, dann entwickelt sich der edle Kern zu einer ungeahnt herrlichen Blüte, und das Judentum unserer Propheten wird wieder lebendig. Unser Nationalismus ist mit dem unserer Umgebung nicht identisch, er entspringt nicht dem Haß, sondern der Liebe. Nach dem nun folgenden Applaus zu urteilen, gab es keinen im Saal, der nicht überzeugt wäre, Prof. Bäsch mit inbegriffen. Mitternacht war vorüber. „Es würde viel zu weit führen," meinte Bäsch, „wollte er heute auf die Ausführungen Nordaus näher eingehen. Er verzichte deshalb auf die Replik. Mit erhobener heiterer Stimme rief er: „Gute Nacht und auf Wiedersehen in Jerusalem!" Einen Propagandaabend von solcher Bedeutung wird es selten» gegeben haben. Die Wirkung dieser Arbeiten ist gleichwohl gewöhnlich nicht direkt an den Erfolgen erkennbar, aber wir, die den ungeheuren Wert und die wirklichen Erfolge unserer Propaganda kennen, wissen, daß die Wirkung nicht ausbleibt. Werden die französischen Juden in ihrem lndiff erentisrnus verharren? Professor Bäsch hat sich nun einmal mit der Judenfrage beschäftigt, er ist dem Judentum näher getreten. Hoffentlich bleibt der Schekel, den er während seiner Rede Dr. Marmorek zahlte, nicht seine einzige zionistische Tat. Jean Fischer. * * * Aus Paris wird uns berichtet: Professor Bäsch hat sich der zionistischen Bewegung angeschlossen und bewirbt sich um ein Mandat zum Kongreß. Nur noch vier Wochen stellen für die Propaganda zur Verbreitung der Kongreßausgabe der „Welt" zur Verfügung. Wir appellieren an die gesinnungsgenössische Pflicht aller ZUmistcn, diese Zeit aiisz anutzen und edle Kräfte in den Dienst dieser eminent wichtigen propagandistischen Aktion zu stellen. — Von der Überzeugung durchdrungen, daß jeder Zionist die Koiigreßausgahe besitzen maß haben verschiedene größere Vereine für ihre säru fliehen Mitglieder dieselbe abonniert. Wir erwarten, daß die* alle übrigen Vereine gleichfalls tun werden. Die Kongreßausgabe der;; Welt" wird insgesamt fünf Nummern umfassen. Der Bezugspreis beträgt: Für Deutschland................. 1.70 Mark Für Holland........... ........ 1.20 Hfl. „ Österreich-Ungarn..... *..... 2. — Kronen „ Vereinigte Staaten . ........... 0.50 Dollar „ Rußland................... 1.— Rubel „ alle übrigen Länder ..........2.50 Francs. n Großbritannien.............. 2.2 ShiU. Bestellungen iceräen nur gegen Voreinsendung des Betrags bzw. Nachnahme entgegengenommen. Der Bezugspreis kann auch in Briefmarken eines jeden beliebigen Bandes entrichtet tverden. Gesinnungsgenosse}^ welche größere Aktionen zur Gewinnung von Abonnenten für die Kongreßausgabe der „WeJt" zu unternehmen beabsichtigen, erhalten von uns die nötigen Drucksachen (Prospekte, Bestelllmrten, Erlagscheine und Plakate) kostenlos in beliebiger Anzahl geliefert. Auf zahlreiche Anfragen teilen toir nochmals mit, daß die ständigen und alle neu eintretenden Abonnenten, die mit der Einzahlung des Bezugspreises nicht im Iliickstanäe sind, selbstverständlich Anspruch auf die kostenlose Lieferimg der Kongreßausgäbe haben. Verlag „Die Well" Köln a. Mi,, Karölingcrring 31.