Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1911-06-16 · 24 (16.6.1911) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
24 (16.6.1911)
Date
1911-06-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316458-3316485--54650-3348446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

NO. 24 die^elt 565 Verlag „Kadima'% Wilna Der bekannte jüdische Kalender „Kadima" erscheint fürs Jahr 5672 (1911/1912) außer in der üblichen russischen Ausgabe auch in einer jüdisch-deutschen (Jargon-)Ausgabe. In den Ländern, wie Galizien, Nordamerika, England, Südafrika und Argentinien, wo das iüdisch-deutsche Idiom unter den jüdischen Massen verbreitet ist und Jieser Kalender als Volksbuch eingeführt werden kann, wird den jüdischen Buchhändlern rechtzeitige Versorgung dringend empfohlen. Der Versand hat am 15. Juni begonnen. Inhalt: I. Jüdischer Kalender, II. Jüdische Statistik (nach den leuesteti Angaben bearbeitet, 10 Tabellen), III. Ausführliche allgeneinjüdische und zionistische Chronologie (41 Seiten in Petitdruck), V. Biographien (20) mit 6 Porträts, V. Jüdische Institutionen der gesamten jüdischen Welt) und der wichtigsten in den einzelnen Ländern (ca. 40 Institutionen), VI. Zionismus und Palästina, : i Beschreibung von 28 zion. und paläst. Instituten.; b) Beschreibung ämtlicher jüdischen Kolonien in Palästina nebst Karte, c) Tabellen und \dressen. Umfang 12 Druckbogen. Preis bei 25 Stück 15 Kopeken — 32 Pf 40 Centimes), bei größern Quantitäten entsprechender Rabatt. Bestellungen und Geldsendung sind an J. L. Goldberg, \Vilna (Rußland) zu adressieren. NACHRICHTEN ^g] Die Wahlen in Österreich Am Dienstag haben in Österreich die allgemeinen Wahlen in den Reichsrat begonnen. Vom jüdischen Klub ist an diesem Tage nur Dr. Straucher wiedergewählt worden. In Suczawa kommt Luzian!>runner in Stichwahl mit dem Christlichsozialen uruschka. In der Wiener Leopoldstadt erreichte der Xählkandidat Stricker 729 Stimmen. Die Alliancewahlen Bei den jüngsten Alliancewahlen erhielt die Liste der Deutschen -onferenzgemeinschaft von etwa 7000 beim deutschen Bureau ingegangenen Stimmen 6024. Auf die Pariser Liste entfielen sur 930 Stimmen, davon wurden in Nürnberg 520 und a Frankfurt a. M. 160 abgegeben. Außerhalb dieser Orte und Mannheims hat also die Pariser Liste eine größere Zahl von 'otanten nicht einzuziehen vermocht. In Frankfurt a. M. sind infolge ies Vorgehens des Lokalkomitees, das sich völlig unberechtigterweise yeigerte, die Berliner Stimmzettel anzunehmen, überhaupt nur 240 Stimmen abgegeben worden, davon 80 auf die Berliner Liste. Von 1114 in Berlin abgegebenen Stimmen erhielt Herr Reinach nur 5. In Holland haben sich von etwa 900 Wählern nur etwa ^00 für Paris entschieden, auch in Antwerpen erhielt die deutsche Uste die große Mehrheit, ebenso in St. Gallen. Die Alliance zählt etwa 22 000 Mitglieder. Da bei so umständlichen Wahlen erfahrungsgemäß höchstens 50—60"/o der Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, so müßte nach menschlichen Ermessen die Berliner Liste durchgedrungen sein. Jedenfalls hat die D. C. G. bei diesem Abstimmungsverhältnis die doppelte Pflicht, sich nicht durch die in Saloniki und andern Orten vorgekommenen Wahlmachenschaften um die Früchte ihrer Arbeit bringen zu lassen. Wie der „N. J. K." mitgeteilt wird, hat die überwiegende Mehrheit der Alliancemitglieder in Deutschland für die Liste der Deutschen Konfereiizgemeinschaft gestimmt. Das ist auch in denjenigen Orten geschehen, wo das Pariser Zentralkomitee einen besondern Anhang Reinachs vermutete. Das endgültige Wahlresultat aus allen Ländern wird erst in einigen Wochen bekannt sein. Es wird jedoch jetzt schon damit gerechnet, daß Reinach infolge der nichts weniger als einwandfreien Wahlmanipulationen, namentlich im Orient, „gewählt" ist. Aufgabe der D. K. G. wird es sein, jenen sonderbaren Wahlmachenschaften näher nachzugehen und mit aller Entschiedenheit dahin zu wirken, daß nur die wirklich rechtmäßig abgegebenen Stimmen als gültig anerkannt werden. In Z ü r i c h beteiligten sich von 148 Mitgliedern der Alliance 82 an der Wahl. 43 Stimmen wurden für die Pariser Liste, jedoch mit Melbach statt Reinach, 31 für die Berliner Liste und nur 5 für die ungeänderte Pariser Liste — also mit Reinach — abgegeben. — In Basel haben von den 142 Wahlberechtigten 78 ihr Stimmrecht ausgeübt; 3 Stimmen waren ungültig. Salomon Rein ach erhielt von den 75 gültigen Stimmen nur 30, blieb also auch in Basel, dessen führenden jüdischen Kreisen man sonst Sympathien für Paris nachsagt, in der Minderheit. Von den 45 AUiancernitgliedern in Memel nahmen 42 an den Wahlen teil. Die Berliner Liste siegte. Für Reinach wurde nicht eine einzige Stimme abgegeben. Auch in Königsberg und andern ostpreußischen Städten wurde Reinach einstimmig „weggewählt." Krise in der A. J. K. O. Aus Berlin meldet man der „N.J. K.": Der Vorsitzende des Vorstandes der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation (A. J. K. O.), Herr Dr. Ginsburg, hat aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt. Es ist zunächst nicht abzusehen, wie die A. J. K. 0. die so entstandene Krise überwinden wird. Dies dürfte um so schwieriger sein, als, wie uns aus guter Quelle berichtet wird, die Bemühungen des Geschäftsführers Dr. Nossig, Londoner jüdische Kreise zur Bereitstellung von Geldmitteln für die projektierte Parzellierungsbank zu gewinnen, als gescheitert zu betrachten sind. Deutsch=israelitischer Gemeindetag Der mehr als tausend jüdische Gemeinden Deutschlands umfassende Gemeindebund hielt am 11. Juni in Berlin seine zwölfte Tagung ab, die von mehr als 200 Delegierten, welche zusammen über 800 Gemeinden vertraten, besucht war. Der Vorsitzende Prof. Dr. Martin Philippsohn eröffnete die Tagung mit einem Nachruf für den jüngst verstorbenen Kommerzienrat Benjamin Hirsch-Halberstadt. Bereits der erste Punkt der Tagesordnung, Geschäftsbericht, führte zu einem Zusammenstoß zwischen der Leitung des Verbandes und der außerordentlich stark vertretenen Opposition, als von der letzteren verlangt wurde, daß die Bureaus des Gemeindebundes am Sabbath geschlossen zu halten seien. Trotz des Hinweises der Leitung, daß auch jetzt nur in Notfällen gearbeitet worden sei, gelangte mit überwältigender Mehrheit ein Antrag Loeb-Frankfurt a. M. zur Annahme, der für die Zukunft strikten Schluß am Sabbath vorsieht. Friedlicher verlief die Beratung des nächsten Gegenstandes der Tagesordnung: Gesetzentwurf zur Versicherung der Privatangestellten. Das Referat erstattete Reichstagsabgeordneter Potthoff als Gast. Seine Leitsätze gipfelten in der Aufforderung an die. jüdischen Gemeiuden, dafür zu sorgen, daß die Versicherung auf alle ihre Angestellten ausgedehnt werde. Nach dem Entwurf ist dies nicht der Fall. In der- Debatte wurde der Wunsch laut, eine eigene Ersatzkasse des Bundes zu schaffen. Von anderer Seite wurde angeregt, gegen den Einschluß der Rabbiner in die Privatbeamtenversicherung aufzutreten, um nicht einen Rechtsunterschied zwischen ihnen und den von diesem Zwange befreiten Geistlichen anderer Konfession zu schaffen. Die gestellten Anträge wurden einem besonderen Ausschuß überwiesen. Zu lebhaften Debatten führte der letzte Punkt der Tagesordnung: Satzungsänderung. Während nach der geltenden Satzung auch den Großgemeinden im Höchstfalle nicht mehr als 5 Stimmen zustehen, sieht der Entwurf eine Erhöhung dieser Zahl für Berlin auf 80, für Frankfurt a. M. auf 50, Breslau 45 Stimmen vor usw. Zur Begründung für die geplante Machtverschiebung wies die Verwaltung auf die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in den Großstädten hin. In der Debatte betonten Justizrat Friedmann-Glogau, Dr. Klee-Berlin, Loeb-Frankfurt a. M., die verschiedenen Lagern angehören, übereinstimmend, daß die von der Verwaltung vorgeführten Gründe in keiner Weise eine derartige Entrechtung der kleinen und mittlem Gemeinden rechtfertigten. Da jede Gemeinde für sich autonom sei, wäre eine Majorisierung in Sachen gemeinsamer Bundesangelegenheiten undemokratisch und dem gemeinsamen Interesse abträglich. Es folgte dann eine Rehe von Erklärungen von den Vertretern der Großgemeinden Berlin, Frankfurt a.M., Breslau, Köln usw., wonach diese Gemeinden für den Fall der Ablehnung der Entwürfe ihren Austritt aus dem Bunde in Aussicht stellten. Da diese Erklärungen auf die Haltung der Opposition ohne Einfluß blieben, zog es die Leitung vor, der sichern Ablehnung des Entwurfs (eine Annahme hätte Zweidrittel-Majorität erfordert) durch Antrag auf Vertagung und Überweisung des Entwurfs an eine Kommission zu begegnen. Auch hiergegen wandte sich die Opposition, um eine sofortige Ablehnung zu erzwingen, allein die Versammlung hatte- Courtoisie genug, dem Entwurf dieses „Begräbnis" erster Klasse mit 470 gegen 326 Stimmen zu gönnen. Schluß des redaktionellen Teiles

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.