Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 24 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRQ. KÖLN, 16. Juni 1911 p-nnf? Dö'nnV* ]Vü No. 24. Der X. Kongreß Der X. Kongreß findet vom 9. bis 15. August 1911 (15. bis 21. Ab 5671) in Basel in den Räumen des Stadtkasinos statt. Die gesammelten Schekelgelder müssen bis zum 30. Juni 1911 nach Köln oder an die Zahlstellen des J. C. T. überwiesen worden sein. Für die Wahlen zum Kongreß ist nur die Zahl der bis zu diesem Termin in Köln oder beim J. C. T. eingegangenen Schekelgelder maßgebend. Die Wahlen zum Kongreß sollen in der Zeit vorn 3. bis 8. Juli 1911 stattfinden. Die Protokolle über die erfolgten Wahlen müssen spätestens bis zum 15. Juli 1911 in den Besitz des Zionistischen Zentralbureaus in Köln gelangt sein. Proteste gegen vorgenommene Wahlen sind sofort nach der Wahl gleichzeitig bei dem Bureau der Landesorganisation (Föderation) und bei uns mit ausführlicher Begründung einzureichen. Nach dem 15. Juli einlaufende Proteste können nicht berücksichtigt werden. Die Protokolle über die Wahlhandlungen sind ordnungsgemäß aufzunehmen. Formulare können von uns in beliebiger Anzahl bezogen werden. Zionistisches Zentralbureau, Köln. NEUES AUS RUMÄNIEN Von Julius L5wy A. C. Cuza ist ein Professor der Nationalökonomie in Bukarest. Daneben befaßt er sich viel mit Politik. Allerdings nur mit politischer Agitation, weniger mit politischer Theorie. Denn seine politische Theorie ist ziemlich einfach: Die Juden! A. C. Cuza hat das übrigens mit so vielen Politikern in Europa gemeinsam, die ihr armseliges Bettelsüpplein ati der stickigen Flamme des Judenhasses kochen. Es gehört ja so blutwenig dazu, ein Politiker zu sein. Man schreibt in Zeitungen über den verderblichen Einfluß des semitischen Elementes auf Literatur, Presse und Theater. Man erzählt den kleinen Krämern von der Gefahr des jüdischen Großkapitals, und man hetzt die schnapskonsumierenden unwissenden Bauern gegen die jüdischen Kornwucherer. Das sind Lieder, die in allen Sprachen klingen, kleine schmutzige Münze, für die sich allerorten gierige Hände finden. Cuza gehört also zu der großen Armee der Mittelstandspolitiker, Nationalisten, Christlichsozialen, Volksparteiler, extreme Rechte, — wie sie nun so überall heißen. Und wie man in allen Ländern gegen uns gerne mit sogenannten wissenschaftlichen Argumenten kämpft, so ist es auch in Rumänien, wo sich dieser Professor der Nationalökonomie mit seinen dem Westen abgelauschten Schlagworten eine ansehnliche Partei geschaffen hat, die zwar ziffernmäßig in der gesetzgebenden Körperschaft nicht zum Ausdruck kommt, weil sie hauptsächlich die studierende Jugend umfaßt, die aber dennoch infolge der stärkern Lungenkraft ihrer Agitatoren das öffentliche Leben Rumäniens fast beherrscht. Diesem Herrn Cuza sind nun im Verlauf der letzten zwei Jahren einige unangenehme Dinge passiert. Es wurde ihm zunächst nachgewiesen, daß er selbst, der Wortführer für die gesetzliche Beschränkung der „Fremden*, gar kein Rumäne sei, sondern ein Armenier. Dann fiel er bei der Kammerwahl durch. Als er es versuchte, seinen blutrünstigen Antisemitismus auch den Rumänen in der Bukowina zu predigen, stellte ihm die österreichische Regierung augenblicklich den Ausweisungsbefehl zu und schaffte ihn wieder nach Rumänien zurück. Diese Mißhelligkeiten hatten schon an und für sich sein Ansehen ziemlich erschüttert. Er ist kein Rumäne, kein Abgeordneter, kein im Ausland geachteter Mann. Aber auch seine wissenschaftliche Befähigung konnte einer strengern Prüfung nicht standhalten, und so wurde Cuza auch von diesem stolzen Piedestal herabgerissen. Das kam so: 2