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Die Welt · 1911-06-09 · 23 (9.6.1911) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
23 (9.6.1911)
Date
1911-06-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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532 ................. '------------ —blE3^KELT ~ " •-No. 23 KONGRESS-AUSGABE DER „WELT" Die Kongreß-Ausgabe der „Welt" wird insgesamt fünf Nummern umfassen. Der Bezugspreis betragt: Für Deutschland ..... 1.70 Mark, „ Österreich-Ungarn ... 2.— Kronen, „ Rußland ....... . 1— Rubel, „ Großbritannien .... 2/2 Shill., Für Holland.......1.20 Hfl. „ Vereinigte Staaten . . . 0.50 Dollar, „ für alle übrigen Länder . 2.50 Francs. Bestellungen werden nur gegen Voreinsendung des Betrages bzw. Nachnahme entgegengenommen. Der Bezugspreis kann auch in Briefmarken eines jeden beliebigen Landes entrichtet werden. Gesinnungsgenossen, welche größere Aktionen zur Gewinnung von Abonnenten für die Kongreß-Ausgabe der „Welt" zu unternehmen beabsichtigen, erhalten von uns die nötigen Drucksachen (Prospekte, Bestellkarten, Erlagscheine und Plakate) kostenlos in beliebiger Anzahl geliefert. Auf zahlreiche Anfragen teilen wir nochmals mit, daß die ständigen und alle neu eintretenden Abonnenten, die mit der Einzahlung des Bezugspreises nicht im Rückstände sind, selbstverständlich Anspruch auf die kostenlose Lieferung der Kongreß-Ausgabe haben. Bei dieser Gelegenheit ersuchen Wir alle jene Abonnenten deren Bezugszeit am 30. Juni 19.11 abläuft, um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements. Verlag „DIE WELT" Köln a. Rh., Karolingerring 31. FÜR DIE KOLONIALBANK Von Sch. Horowitz, Kossöw In der Sitzung des großen A.-C. vom 22. November 1910 hat die Diskussion darüber einen breiten Raum eingenommen, ob der X. Kongreß ein Arbeitskongreß oder ein „Demonstrationskongreß" sein soll. Mich dünkt die Konzeption der Frage in dieser Form keine glückliche und die Lösung derselben nicht auf der einen oder der andern Seite zu liegen, sondern auf der einen und der andern. Der Kongreß ist dazu da, Arbeit, große Arbeit für die Bewegung zu leisten. Die Kongreßtage sind die Arbeitstage par excellence. Nun aber erst der kommende Kongreß, der zehnte in der Reihe der Kongresse, der vor aller Welt das Wachstum unserer Bewegung, das Erstarken der Organisation, die Entwicklung unserer Institutionen manifestieren soll. Er soll durch den Ernst unseres Wollens, unsere Ausdauer in den Anstrengungen, die Beharrlichkeit in Verfolgung der uns gesteckten Ziele, durch die Großzügigkeit unserer Arbeit zur Demonstration werden. Damit der Kongreß dieser Aufgabe gerecht werde, ist es vor allem nötig, daß wir uns darauf besinnen, was wir begonnen und nicht vollendet haben, was in Angriff genommen und nicht vollführt wurde. Und da müssen wir gleich auf den Anfang zurückgreifen. Der Schekel, die erste und einzige Steuer der Organisation, muß so ausgestaltet werden, daß er seinen Zweck, den Haushalt der Bewegung zu bestreiten, erfüllt. Aber hierüber zu spä erer Zeit. Hier will ich von unserer ersten Gründung, dem „finanziellen Instrumente" der Bewegung, dem Jewish Colonial Trust sprechen. Den Gedanken, dem ich im folgenden das Wort reden will, habe ich schon lange gehegt, erachte aber gerade den kommenden Kongreß für besonders zuständig, ihm aufzugreifen. Es ist für unsere Organisation geradezu beschämend, daß der Jewish Colonial Trust heute, dreizehn Jahre nach seiner Gründung, kaum mehr als einen achten Teil seines Aktienkapitals besitzt, daß in den elf Jahren, die seit seiner Eröffnung verflossen sind, ein geradezu lächerlich geringes Quantum von Aktien verkauft worden sind. So sieht es um unsere erste große Institution, um das „Finanzinstrument" der zionistischen Weltorganisation aus. Ja, aber können und dürfen wir uns mit der Konstatierung dieser Tatsache einfach abfinden und somit unsere Bank dazu verurteilen, ewig Fragment zu bleiben? Wo wären wir schon in unserer Arbeit angelangt, wenn wir die Bank mit ihrem vollen Kapital ausgerüstet gehabt hätten? Hätten wir die Möglichkeit gehabt, größere Konzessionen zu erwerben, bedeutende wirtschaftliche Unternehmungen zu begründen und auf diese Weise der Türkei die segensreiche Bedeutung unserer Bewegung für die Hebung des Landes ad oculos zu demonstrieren, dann wäre eine Debatte über den Zionismus, wie die im März in der türkischen Kammer geführte, kaum möglich gewesen. Unsere nächste große Aufgabe muß daher die Arbeit für die Kolonialbank sein. Von der Kongreßtribüne herab soll verkündet werden, daß es der zionistischen Organisation nicht würdig ist, ihr erstes und größtes Institut dauernd Fragment bleiben zu lassen. Der Kongreß soll beschließen, eine großangelegte Agitation und Propaganda für die Vervollständigung der Kolonialbank einzuleiten. Die Periode bis zum nächstfolgenden Kongreß soll ganz im Zeichen dieser Arbeit stehen. Ihr sollen die kommenden zwei Jahre ganz gewidmet werden. Diese Art zu arbeiten, gewisse Perioden ganz in den Dienst einzelner größerer Aufgaben zu stellen, scheint mir überhaupt die richtigste Arbeitsmethode für unsere Bewegung zu sein. Das haben wir am deutlichsten bei der Siedlungsgenossenschaft gesehen. Ein Jahr standen wir im Zeichen der Arbeit für sie und die Siedllingsgenossenschaft, die viele Jahre nur Projekt gewesen, ward zur Tatsache! Freilich hat da das Einsetzen der Persönlichkeit Oppenheimers das meiste bewirkt. Dies sollte aber beispielgebend sein, und da sollten eben einige hervorragende Persönlichkeiten ihre Tatkraft für die Kolonialbank widmen. Wenn es der Kongreß einmal beschließt, dann soll dem auch Geltung verschafft werden. Wir müssen es lernen, die Kongreßbeschlüsse in Taten umzusetzen und dann werden diese Beschlüsse auch Taten bedeuten. Die seinerzeitige Diskussion über die Agrarbank hat gezeigt, daß es im Zionismus noch möglich ist, Kapital zu werben — warum sollte es für die Kolonialbank unmöglich sein? Vielleicht darum etwa, weil die Koloniaibank nicht mehr neu ist? Ja, da steckt ein Tropfen bitterer Wahrheit. Aber es darf doch nicht zugegeben werden, daß eine Idee oder Sache, die nicht funkelnagelneu ist, darum gleich zum alten Eisen geworfen wird. Von einer zionistischen Institution soll erwogen werden, wie notwendig, wie bedeutend oder wichtig sie für die Sache sei, sie darf aber nicht nach dem Maß des Reizes, den sie auf abgespannte Nerven auszuüben imstande ist, bewertet werden. Ein sehr beträchtlicher Teil der gegenwärtig in der Bewegung tätigen Zionisten sind nicht Besitzer von Kolonialbankaktien. Das sollen sie nun nachholen. Zum Schlüsse noch eine Bemerkung: Als der erwähnte Meinungsstreit um die Agrarbank in Gang war und von mancher Seite auf das Unzeitgemäße der Sache hingewiesen wurde, da hatten die Verfechter des Agrarbankprojektes behauptet, daß es ihnen wohl noch nicht um die Gründung selbst, sondern nur um die Vorbereitung derselben handle. Wäre nun die Vervollständigung

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