Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 22 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Zur Finanzfrage Von Gustav Finzi, Mitglied des mähr.-schles. Distriktskomitees in Troppau Die Finanzfrage der zionistischen Organisation findet leider nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit, und doch ist sie eine sehr wichtige Frage, deren Lösung die Sache eingehender Beratungen der vom Großen A. C. eingesetzten Finanzkornmission bildete und zehnten Baseler Kongreß vorgenommen werden muß. Die Regelung der Finanzfrage zerfällt in zwei Hauptteile: 1. die Tilgung der bis zum X. Kongreß aufgelaufenen Schulden; 2. die Schaffung ständiger Einnahmequellen, aus welchen eine regelmäßige Bestreitung des Budgets ohne Gewärtigung neuer Schulden möglich ist. Was den ersten Teil der Finanzfrage anbelangt, so glaube ich, daß die Tilgung der Schulden in der von der Finanzkonimission vorgeschlagenen Weise wohl nicht auf Widerstand stoßen wird Ein anderer Ausweg als die Heranziehung der rückständigen Dividenden der J. C. T. pro 1902/04 und 1906 im Betrage von 146000^4 scheint mir nicht möglich. Beim zweiten Teile will ich länger verweilen und folgende Anregung unterbreiten: Die Besteuerung des Nationalfonds wird auf keinem Kongreß eine Mehrheit für sich haben; auch die Nationalfondskommissäre würden sich sicherlich dagegen sträuben, daß ein Teil der Einnahmen des N. F. dem Bureau der Leitung zufließt, da die meisten N. F.-Kornmissäre ihre Arbeit nicht nur unentgeltlich leisten, sondern selbst private materielle Opfer nicht scheuen. Gegen die Loslösung der Schekelsammlungen von den Landesparteileitungen muß ich mich entschiedenst aussprechen, da gerade die Zahlung des Schekels in die Hand der Landeskomitees ein Dokument der Zugehörigkeit zur Partei bildet und die Landeskomitees die Kontrolle über die Schekeizahler unbedingt in ihrer Hand haben müssen. Bleibt nur die Schaffung des Aktionsfonds, Die von der Finanzkommission vorgeschlagene Art der Gründung derselben erscheint mir als nichts anderes als eine Neuauflage des Parteifonds, welcher bisher erst ca. 90000 Jt an Einnahmen gebracht hat. Die Schaffung eines Aktionsfonds denkt sich die Finanzkommission in der Weise, daß die parteitreuen Zionisten einen festen Jahresbeitrag für den Aktionsfonds leisten, wie dies •z. B. einige bewährte Gesinnungsgenossen schon getan haben. Ist dies jedoch eine sichere, feste Einnahme? Kann man mit mutmaßlichen Spenden ein Budget endgültig sanieren? Die Antwort ist leider nicht schwer; sie lautet kurz und bündig: nein! Bevor wir nicht über eine von Zufällen und persönlicher Gebestimmung vollständig unabhängigen Einnahmequelle verfügen werden, wird die Finanzkrise niemals endgiltig beseitigt sein, sondern wir werden die Krise chronisch mit uns herumschleppen. Die Finanzkomrnission beziffert den jährlichen Bedarf aus Erträgnissen des Aktionsfonds mit 60000*$. Dadurch, daß wir diesen Betrag sofort wieder verzehren, wenn wir ihn bekommen, bleibt uns ja nie etwas; von einem Fonds wird wohl fiie etwas zu sehen sein. Der Vorschlag der Finanzkonimission zur Schaffung eines Aktionsfonds ist sehr schön und leicht durchführbar; aber es muß dann wirklich ein Fonds geschaffen werden, ein Fonds, dessen Zinsen zur Bestreitung der Auslagen hinreichen, so daß der Fonds selbst niemals angegriffen werden darf und kann. Wenn wir einen Aktionsfonds schaffen wollen, dürfen wir nicht damit anfangen, daß die Eingänge gleich nach Erhalt aufgezehrt werden. Wir wollen endlich eine dauernde Existenz, nicht ein System des Fortlavierens. Das Erfordernis, welches die Finanzkommission vorsieht, beziffert sich mit 60 000^. Dies ist die Verzinsung eines Kapitals von 2000000 Jt bei einer 3prozentigen Verzinsung. Wir brauchen also 2000000^, und dies ist der Aktionsfonds, den wir schaffen müssen, damit wir einen wirklichen Fonds haben, dessen Zinsen für die Deckung des normalen Erfordernisses genügen. So viel müssen wir aufbringen; wenn wir noch mehr auftreiben können, um so besser. Einzelne opferfreudige Gesinnungsgenossen haben sich zur Zahlung eines festen Jahresbeitrags bereit erklärt. Wir danken denjenigen herzlichst und sind überzeugt, daß sie uns diesen Beitrag lebenslänglich zukommen lassen werden. Viele andere werden sich noch finden. Aber wo haben wir die Garantie, die wir brauchen? Ich beantrage also die Aufnahme einer schwebenden Schuld bei den Zionisten in der Höhe von mindestens 2 000000^ in 10000 Anteilen ä 200^, rückzahlbar in 30 Jahren. Dieser Betrag wird unter Garantie des J. C. T. mündelsicher angelegt, und zwar so, daß er eine Mindestverzinsung von 3°/o gewährleistet. Die 3prozentigen Zinsen von diesen Anteilen fallen dem E. A. C. zu. so daß dieses mit einer ganz festen Einnahme rechnen kann. Die jährlichen Spenden, welche für den zu schaffenden Aktionsfonds einlaufen, werden zur Tilgung des Darlehens verwendet, eventuell auch die Mehreinnahmen aus Zinsen, da das Kapital mehr als 3'Vo tragen kann. Die nähern Details, wie z. B. die Schaffung des gesetzlichen Rahmens, die Organisation der Sammlungen usw. wird ein neu zu wählendes Aktionsfondskomitee leicht ausarbeiten können. Wenn der N. F. in zehn Jahren 2 Millionen aufbringen konnte, so wird es ein A. F. in dreißig Jahren auch können. Dies meine Anregung. Ich empfehle sie den Zionisten zum Studium. KONGRESS-AUSGABE DER „WELT" Die Kongreß-Ausgabe der „Welt" wird insgesamt fünf Nummern umfassen. Der Bezugspreis beträgt: Für Deutschland.....1.70 Mark, | Für Holland.......1.20 Hfl. Österreich-Ungarn . . . 2.— Kronen, Rußland......1.— Rubel, Großbritannien .... 2/2 Shill., Vereinigte Staaten . . . 0.50 Dollar, für alle übrigen Länder . 2.50 Francs. Bestellungen werden nur gegen Voreinsendung des Betrages entgegengenommen. Der Bezugspreis kann auch in Briefmarken eines jeden beliebigen Landes entrichtet werden. Gesinnungsgenossen, welche größere Aktionen zur Gewinnung von Abonnenten für die Kongreß-Ausgabe der „Welt" zu unternehmen beabsichtigen, erhalten von uns die nötigen Drucksachen (Prospekte, Bestellkarten, Erlagscheine und Plakate) kostenlos in beliebiger Anzahl geliefert. Der heutigen Nummer liegt eine Bestellkarte bei, die wir zu benutzen bitten. Auf zahlreiche Anfragen teilen wir nochmals mit, daß die ständigen und alle neu eintretenden Abonnenten, die mit der Einzahlung des Bezugspreises nicht im Rückstände sind, selbstverständlich Anspruch auf die kostenlose Lieferung der Kongreß-Ausgabe haben. Verlag „DIE WELT" Köln a. Rh., Karolingerring 31.