Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 20 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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456 DIE^ELT No. 20 trauensmännern sowie jedem Gesinnungsgenossen kostenlos in beliebiger Anzahl zur Verfügung stellen. Vor allem muß jeder Zionist, der nicht Abonnent der „Welt" ist, die Kongreß-Ausgabe abonnieren. Die regelmäßigen Abonnenten der „Welt" erhalten die Kongreß-Ausgabe kostenlos zugesandt. Der Bezugspreis der Separatausgabe wurde, wie folgt, festgesetzt: Für Holland...........auf „ Vereinigte Staaten........ - „ „ alle übrigen Länder....... . „ 1.20 Hfl., 0.50 Dollar, 2.50 Francs. Für Deutschland............auf 1.70 Mark, „ Österreich-Ungarn . ....... „ 2.— Kronen, „ Rußland............... „ 1.— Rubel, „ Großbritannien .......... „ 2/2 Shill., Bestellungen gegen Voreinsendung des Betrages (auch in Briefmarken) richtet man an den Verlag „Die Welt" Köln a. Rh., Karolingerring 31 EINE FRAGE VOR DEM KONGRESS 3 Die zionistische Organisation steht vor dem zehnten Kongreß. Das Actions-Comite hat dessen Tagesordnung in den Grundlinien gemäß den Vorschlägen des E. A. C. festgelegt. Es hat die wichtigsten Angelegenheiten durchberaten, die der Kongreß zu lösen haben wird. Es hat die Berichte der Organisationskommission und der Finanzkommission entgegengenommen und hat in der Organisationsfrage eine neuerliche Beratung der Kommission veranlaßt, zur Regelung der Finanzen die Einhebung fester Jahresbeiträge der Zionisten für die Bedürfnisse der Qesamtorganisation beschlossen. Es hat die Lage in der Türkei tiberprüft und als seine Aufgabe erklärt, die Bemühungen in der Türkei dahin zu richten, daß der wahre Inhalt und die Ziele der zionistischen Bewegung richtig erfaßt werden. Diese Beschlüsse des Actions-Comites sind das Rahmenprogramm des Kongresses. Sie beziehen sich auf Angelegenheiten, die jedem einzelnen Zionisten längst vertraut geworden sind. Die Erkenntnis, daß unsere Organisation ihren Aufgaben entsprechend reformiert werden muß, gründet sich auf die Erfahrungen, die wir in den fünfzehn Jahren des Bestandes des politischen Zionismus gemacht haben. Unsere Bewegung hat ihre Anhänger in jedem Lande der Welt. Jede Frage, mit der sie sich beschäftigen muß, wird also in jedem Lande besprochen, in unserer Presse, deren Leserkreis insgesamt nach Millionen zählt, erwogen. Es gibt keinen Parteitag, keine Landeskonferenz, die — und das ist ja ein schönes und deutliches Zeichen für den Ernst, mit dem unsere Gesinnungsgenossen ihre Pflichten erfassen — nicht alle diese Fragen theoretisch und praktisch durcharbeitet. Es ist also die Revision unserer Verfassung in allen zionistischen Korporationen als Notwendigkeit erkannt worden. Ebenso ist der Zusammenhang zwischen dieser dringlichen Aufgabe und der Finanzfrage nicht nur von dem Actions-Comite, sondern von der gesamten Organisation festgestellt worden, die einmütig der Anschauung ist, daß die zukünftige Leitung, also der Vollmachtsträger der Bewegung, ihr Amt nur dann ihren Pflichten entsprechend verwalten kann, wenn sie vor materiellen Sorgen gesichert ist. Täglich treten neue Probleme an uns heran. Die Leitung hat sie zu lösen oder ihre Lösung anzubahnen. Das wird ihr aber unmöglich, wenn einerseits der Apparat der Organisation nicht ungestört arbeiten kann und wenn sie anderseits sich jede Sekunde der Geldfrage gegenübersieht. Das sind Selbstverständlichkeiten; Weisheiten von gestern, billig wie Brombeeren. Jeder Vereinsausschuß weiß um diese Dinge aus eigner Erfahrung. Will man eine kulturelle oder politische Angelegenheit erörtern und möglichst viele Anschauungen kennen lernen, so muß man eine öffentliche Versammlung einberufen. Also einen Saal mieten. Man braucht Geld. Will man zur Ausführung gefaßter Beschlüsse, zur Verbreitung allgemeinverständlicher Ideen oder neuer Ansichten möglichst viele Gleichgesinnte zusammenschließen, so braucht man Aufrufe, Briefe, Maueranschläge und was all der Kleinigkeiten sind, die da nötig werden. Jeder Vereinsvorstand zählt einen gramgebeugten Kassierer oder Schatzmeister oder Säckelwart oder Pfennigmeister, — die Bezeichnung wechselt nach den Ländern, seine Tätigkeit ist überall die gleiche. Nach jedem Beschluß, mag er sich um Dinge dieser Erde drehen oder hoch in den Lüften schweben, erkundigt sich dieser Mann nach der finanziellen Deckung. Er weiß es am besten, daß Begeisterung keine Heringsware ist und daß ein Haus nicht nur aus Steinen gefügt werden kann. Es muß auch Kalk und Wasser kommen. Solche niedrigen Dinge nehmen aber in einer so großen und weitverzweigten Organisation, wie es die zionistische ist, riesenhafte Dimensionen an: Die Duplizität der Fälle verwandelt sich bei uns entsprechend der Anzahl der Länder, in denen wir Gesinnungsgenossen zählen, in eine Multiplizität. Ein Blick auf die Schekeltabelle, die wir an anderer Stelle veröffentlichen, ist ungemein lehrreich. Hat die Organisation, die zumindest seit dem Haager Kongreß die materiellen Schwierigkeiten kennt, die jede Arbeit hindern und jegliche Arbeitsfreude lähmen, ihre Pflicht getan, die so selbstverständlich ist wie das Atmen? Die Angelegenheit hat aber noch eine andere Seite von sehr großer Bedeutung. Unser Kongreß ist weit mehr als eine Delegiertentagung. Er ist eine ernste Körperschaft, die einzige, die unser Volk besitzt, die einen Zusammenhang zwischen den Gliedern unseres Volkes herstellt, die das Brudergefühl lebendig macht und nicht allein uns oder dem Judentum, sondern der ganzen Menschheit als eine in festen und sichern Formen sich ausdrückende Tatsache zeigt, die niemand hinwegdeuteln kann. Die Beschlüsse, die unser Kongreß faßt, greifen tief in das physische und psychische Leben einer entwurzelten Nation, die ihre Existenz erst sichern muß. Es versteht sich also von selbst, daß diese Beschlüsse ernst