Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Kassierer Herr N. Mehl, Schriftführer Herr B. Stern, Beisitzer die ierren Willi Meyer, Schwelm, S. Götze, Barmen, Ingenieur liosberg, Elberfeld. Frankfurt a. M. Die zwecks Gründung einer Turn abteilung;eranstaltete Versammlung der Zionistischen Jugendgruppe var stark besucht und verlief sehr angeregt. Das Referat hielt Herr L. Perlmutter über „Die Ausbreitung des Turnens unter den Juden". Seine Ausführungen fanden großen Beifall. Iis wurden Fräulein A. Rosenbaum und Clernence Mayer sowie die Herren Zahnarzt Bruno Strauß, L. Goldschmidt, A. Meyer und A. Weil in den Ausschuß gewählt. Bis jetzt sind 82 Mitglieder der Turnabteilung beigetreten. In einer gutbesuchten Mitgliederversammlung referierte Herr Redakteur Salli Geis über „Die Ausbreitung der nationalen Idee". In großzügiger Weise ließ der Redner den Stand der zionistischen Bewegung in den einzelnen Ländern Revue passieren, kennzeichnete die Judenpolitik der einzelnen Staaten und be!euchlete nach der innern und äußern Seite die Möglichkeit der Ausbreitung der jüdisch-nationalen Idee, die der Referent ganz besonders von einer sachgemäßen und ernsten Behandlung der Kulturfrage erhofft. Das zweite Referat erstattete Herr Dr. Siegfried Schwarzschild über „Kongreßfragen". In instruktiver Weise besprach Redner die Aufgaben des X. Kongresses, erörterte Finanz-, Organisations¬ und Kulturfragen und nahm zu den Vorschlägen für die einzelnen Ressorts Stellung, die den einmütigen Beifall der Versammlung fand. An der folgenden lebhaften Diskussion nahmen Fritz Sondheimer, Prof. A. Weyl, L. Perlmutter und J. L. Goitein teil. Fulda« In einer Mitgliederversammlung referierte Herr L. Perlmutter-Frankfurt a. M. über „Die Juden im 19. und 20. Jahrhundert". Redner gab ein klares Bild von den durch die Emanzipation der Juden neugeschaffenen Verhältnissen, wandte sich gegen die als ständige Begleiterscheinung aller Emanzipationsbestrebungen bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts auftauchende Assimilationssucht und zeigte, daß nur eine Autoemanzipation im Sinne der Vorkämpfer des Zionismus die wahre Befreiung des jüdischen Volkes bringen könne. Den begeistert aufgenommenen Ausführungen folgte eine kurze Diskussion, in welcher Herr Lehrer Spiero auf die Ausführungen des Referenten kurz einging. Es wurde zionistische Literatur verkauft. Man beschloß, demnächst eine große öffentliche Versammlung mit dem Thema: „Zionismus und gesetzestreues Judentum" mit dem Referenten als Redner zu veranstalten. Osterburken. Der Synodalabgeordnete unseres Bezirkes, Herr Dr. Simon aus Heidelberg, hat am 30. April im großen Saale zum „Löwen" einen Bericht über seine Tätigkeit in der Synode erstattet. Es wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die heute in Osterburken versammelten Vorsteher und Vertreter der Gemeinden des XVI. Synodalwahlbezirks sprechen ihrem Synodalabgeordneten Herrn Dr. Jonas Simon in Heidelberg ihr volles Vertrauen aus und danken ihm für seine erfolgreiche Tätigkeit auf der VI. Landessynode." Rawitsch. Hier fand am 30. April, nachmittags, eine von der Zionistischen Organisation einberufene Versammlung statt, die trotz des schönen Frühlingswetters gut besucht war. Herr Mamlock aus Posen eröffnete die Versammlung namens des Posener Distriktsbureau und erteilte Herrn Bankprokuristen Georg Kareski aus Posen das Wort zu einem Vortrage über das Thema „Was uns Juden not tut". In seinen Ausführungen entwickelte der Redner in äußerst interessanter und fesselnder Weise die Tendenz und Bedeutung des Zionismus. An der kurzen Diskussion, die darauf folgte, beteiligte sich u. a. Herr Bankier Loewy aus Rawitsch, der im Zionismus die Betonung des religiösen Moments vermißt. In seinem Schlußwort widerlegte der Referent die Einwände und berichtete auch über den Stand der bisherigen Arbeiten in der Türkei. Herr Kareski erntete großen Beifall und verschaffte unserer Bewegung viele begeisterte Freunde, durch seinen großartigen Vortrag, so daß die Neugründung einer Ortsgruppe zustande gekommen ist. Bezalelausstellung in Straßburg Auf Veranlassung unseres Gesinnungsgenossen Herrn Dr. Dreyfus ist in einem der größten Säle von Straß bürg eine Ausstellung der Erzeugnisse der Jerusalemer Kunstgewerbeschule „Bezalel" eröffnet worden. Die Ausstellung erfreut sich eines überaus regen Besuchs; auch christliche Kreise bringen ihr lebhaftes Interesse entgegen. Bisher sind der Ausstellungsleitung bereits Bestellungen im Werte von 3000 Mark auf verschiedene Erzeugnisse des „Bezalel" aufgegeben worden. Österreich Prag. Am 27. April sprach hier im Festsaal des Jüdischen Rathauses — als Gast des Vereins jüdischer Hochschüler Bar Kochba in Prag, der Berliner Schriftsteller Julius Bab, den man als Shaw-Biograplien, als Dramatiker, vor allem aber als einen der gründlichsten und feinsinnigsten Betrachter der zeitgenössischen deutschen Dichtung kennt, über den Anteil der Juden an der modernen deutschen Dichtung. Bab, ein lebhafter, geistsprühender Sprecher, der frei redet, begann mit einer Abgrenzung der Begriffe „Dichtung" und „Literatur", wehrte mit ein paar glänzenden Hieben den auf literarisches Gebiet hinübergreifenden Antisemitismus ab und kam dann rasch zu dem Kern seines Vortrags: daß nämlich an dem, was er unter Dichtung versteht, die Juden trotz dem Anschein des Gegenteils einen überraschend geringen Anteil haben. Drei Typen allerdings gibt es, als deren Repräsentanten Juden an der deutschen Dichtung teilhaben können: der eine ist Hofmannsthai. In einer wundervollen und erschöpfenden Charakteristik des deutschen Dichters wie Bab, dessen jüdische Stammeselemente nach: wie er im Gegensatz zu dem aristokratischindividualistischen Stefan George ein sozialer Aristokrat ist, in Epigonenstimmung getaucht, ein Epigone auch in seiner Form, in der Reminiszenzen an die verschiedensten Vorbilder nachklingen, dennoch aber ein Dichter durch die Eigenheit seines Rhythmus. Der zweite Typus ist Alfred Mombert, der religiöse Lyriker, der in seinem durch den dichterischen Charakter bedingten Verzicht auf äußere Eindrücke den Flug über den Abgrund zwischen der unnaiven jüdischen Art zum künstlerichen Ei leben der Weltseele wagt und vollendet. Der dritte ist Moritz Heimann, der die Kluft zwischen seinem jüdischen Rationalismus und der ersehnten instinktmäßigen Inspiration bewußt auszufüllen bestrebt ist, und so „fast ein Dichter" wird wie Hofmannsthal „gerade auch ein Dichter" ist. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Teschen. DieChargenwahlen des „Jüd.-akad.FerialklubsTeschen" für das Sommersemester 19.11 hatten folgendes Ergebnis: med. vet. Siegfried Lustig, Präses, stud. phil. Walter Robitschek, Vizepräses, stud. phil. Isidor Po Hak, Schriftführer. Wien. Die Chargenwahlen des Vereins „Theodor Herzl" für das Sommersemester 1911 ergaben: Präses med. Alexander Kohn, Vizepräses med. Baruch Rosenbaum, Schriftführer med. Robert Hermann, Kassierer techn. Erwin Landau. Wiener Brief Blütenlese vom ersten Wiener Blurnentag Nach dem Muster anderer Großstädte veranstaltete Wien einen Blumentag, dessen Erträgnis armen, notleidenden Kindern und Obdachlosen gewidmet ist. „Arme notleidende Kinder, Obdachlose!" Kein Wort der Diskussion sollte darüber fallen, jeder gebe nach Möglichkeit, um Not und Elend zu lindern! Uns Juden braucht man nicht den Begriff der charitativen Nächstenliebe zu predigen; wir geben, haben gegeben und werden geben, wo menschliches Elend sich zeigt. Wir sind stolz darauf, daß Wohltätigkeit üben eine der schönsten Tugenden unseres Volkscharakters ist, die sogar unsere Feinde anerkennen. Und sie beuten sie auch weidlich für ihre Zwecke aus, — wie wieder einmal der Wiener Blumentag zeigt. Wochen und Tage vor Abhaltung des Blumentags rührten alle Blätter Wiens die Werbetrommel für die öffentliche Wohltätigkeit. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben. Tausende und Tausende Kronen sind durch den Verkauf der „Heckenrose", der Blume des Tages, eingekommen. Es war ein Erfolg, der mit dem Mitleid, das menschliches Elend erregt, rechnet. Mit dem Schlagworte des „allgemeinen Elends" wurden auch die Juden eingefangen. Und sie gaben alle, — und sie gaben nicht wenig. Sie fragten nicht, wem sie gaben und in wessen Dienst sie sich stellten. Nun zeigt schon die Art der Aufteilung des Erträgnisses und ein kurzer Blick auf die Liste des Komitees den wahren Zweck dieser Veranstaltung. „Der Erlös für die Hunderttausende Symbole christlicher Charitas wird manche Träne trocknen, manches Kinderherz erfreuen", wie ein Leitartikel der christlich-sozialen „Reichspost" verkündet,— braucht nicht hinzugefügt zu werden, daß es jüdische Tränen und jüdische Kinderherzen nicht sein werden. Fließt doch der Löwenanteil dem Verein „Mater admirabilis" zu. Nur mit Mühe gelang es, auf Einschreiten eines christlich-sozialen Funktionärs den wahren Zweck zu verhüllen, dem großen Publikum Sand in die Augen zu streuen, indem man auch das Asyl für Obdachlose und „andere wohltätige Institute" vorschob. Den Hauptanteil haben an dem Erträgnisse einige prononciert christlichsoziale Institute, deren Hauptzweck bekanntlich nicht die Ausübung wohltätiger Werke, sondern die Verhetzung der Bevölkerung ist. Die Tendenz des Blumentages ist nicht expressis verbis, sondern durch die Art der Behandlung gekennzeichnet. Durch die Teil-