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Die Welt · 1911-05-05 · 18 (5.5.1911) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 21)
Language
German
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No. 18 DIE3q£ELT 419 jüdischen Kameraden gleichwertig* neien. Auch in Deutschland liat es bis zum Jahre 1870 viele jüdische Offiziere gegeben, und in den Befreiungskriegen sowie in den Jahren 1864, l«S6tf, 1870 haben die Juden tapfer und erfolgreich mirgefochten. Erst seit 1879 habe man plötzlich erkannt, daß die Juden sich nicht zu Offizieren „eignen". Der Redner schilderte dann an der Hand von Beispielen die einzelnen Klippen, an denen der Jude, der Offizier werden wolle, scheitere. In manchen Fallen habe, man die jüdischen Aspiranten direkt zur Taufe aufgefordert. In Besprechung der Haltung, die die maßgebenden .Instanzen zu dieser Ziuücksetzung der Juden einnehmen, skizzierte der lieferont die Stellungnahme des Kaisers, des Kriegsminister* von Einern und seines Nachfolgers v o n Heeringen, die alle diese Zurücksetzung mißbilligen. Ks sei nun Sache der Juden, sich ihr Recht zu erkämpfen. Sie tun dies in dem Bewußtsein, die Wahrheit auf ihrer Seite zu haben. Ihr Kampf ist ein Kampf fürs Hecht. Ks ergriff sodann das Wort der zweite Redner, Rechtsanwalt Dr. A. Lö w enth a 1 - Frankfurt. Kr wies auf die hervorragende Beteiligung der Juden an allen sozialen und kulturellen Unternehmungen hin und betonte, dato die deutschen Juden sich meist einer allzu großen Bescheidenheit befleißigen. Anstatt mannhaft und stolz auf ihre Leistungen hinzuweisen, befolgen sie die Keg(d, über ihre Verdienste völlig zu schweigen, aus Furcht, von den Antisemiten als arrogant, bezeichnet zu werden. Diese falsche Bescheidenheit ist mit einer diu* Gründl» für die starke Ausbreitung des Antisemitismus. Der Kampf der Juden um ihre Zulassung zu Offizieren sei ein Kampf um ihre Gleichberechtigung überhaupt. Die Juden sind heute von allen höhern Staatsamtern sowie von den Universitäten ausgeschlossen. All diese Ungerechtigkeiten gilt es zu besiegen. Ks handelt sich nicht um eine Rechts-, sondern um eine Machtfrage. Die Juden müssen ihre Beteiligung an sozialen und kulturellen Unternehmungen abhängig machen von der Erteilung und Durchführung ihrer vollsten Gleichberechtigung „Auf einen .groben Klotz ein grober Keil, auf einen Schelm anderthalhe!" Nur so werden wir siegen. Die von starkem jüdischem Selbstbewußtsein getragene Rede wurde mit an dauerndem Beifall aufgenommen. Zum Schluß wurde einstimmig eine R esolution aufgenommen, in der gegen die Zurücksetzung der Juden im Heere energisch protestiert wird. Auch vorn national-jüdischen Standpunkt aus ist die Versammlung als sehr erfreulich zu bezeichnen. Wenn wir auch der ganzen Frage nicht jene überragend«1 Bedeutung beilegen, wie es hier geschehen ist, so begrüßen wir doch die Veranstaltung solcher \rersammlungen in allen größern jüdischen Zentren Deutschlands, da sie geeignet sind, die deutsche Judenheit aus ihrem 1 ndiffei entismus zu erwecken und ihr Interesse für .jüdische Fragen wachzurufen. Ferner aber tragen sie viel dazu bei, das Selbstbewußtsein der deutschen .luden zu heben. Wer die stolzen Worte des Dr. Leventhal gehört hat, wird dies sicherlich zugeben müssen und M'ird mit Freuden konstatieren ki'innen, welcher Fortschritt in dieser Beziehung im letzten Dezennium schon erzielt worden ist. Noch vor 10 Jahren wäre eine solche Sprache unmöglich gewesen. Fnd heute wurde sie jubelnd aufgenommen. rr r^= ■° -_^5L-_ SPRECHSAAL —^. Hew Redakteur! Man könnte mir eigentlich viel Schlimmeres nachsagen, als daß ich Zionist geworden sei, oder selbst daß ich am iWorgen des neunten Ab Tefillin gelegt habe, aber in Rücksicht auf verschiedene Veröffentlichungen, die nieinen Namen tragen, ist es mir doch nicht gleichgültig, wenn ich, wie es in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 13 S. 295 geschieht, als Autor einer „begeisterten zionistischen Rede" bezeichnet werde, was ich, wenn die Angabe richtig aufgefaßt wird, gar nicht in Abrede stellen will. Herr Rubenstein, mit dem ich bei seinem Aufenthalte in Cincinnati bekannt wurde und dessen Wesen mir im höchsten Gra ie sympathisch war, lud mich ein, bei der von ihm einberufenen Zionistenversammlung den Vorsitz zu führen, was ich gerne tat. In meinen einleitenden Worten sprach ich davon, daß ich wiederholt, was ja hierzulande keine Seltenheit ist, in christlichen Versammlungen und sogar in Kirchen Ansprachen gehalten habe. Jedermann, selbst der orthodoxeste Jude,wird es begreiflich finden, dal.) ich bei einem solchen Anlasse das Trennende verschwieg und nur das uns Verbindende hervorhob. Mindestens dieselbe Rücksicht seien wir einer jüdischen Versammlung schuldig, und darum wollte ich bei diesem Anlasse nur die Punkte berühren, die ich mit dem Zionismus gemeinsam habe. Diese sind das sentimentale Interesse an dem Lande der Väter, der Wunsch, die kulturelle und ökonomische Lage der Juden in Palästina zu heben und die aufrechte, selbstbewußte Haltung gegenüber den Antisemiten. Die uns trennenden Elemente habe ich nicht genannt und halte es auch jetzt nicht für nötig. Sind die Gedanken des Zionismus durchführbar, so wird mein Fernbleiben von der Bewegung sie ebensowenig hindern als mein Eintritt sie wesentlich fördern. Ergeben st Gotthard Deutsch. Cincinnati, am Vorabend des Befreiungsfeste?,'12. April 1911. Büchereinlauf Zijjon riammzuiieneth. Heft I: Derech Thämim Theschuath 'ölämim (Der gerade Weg — das ewige Med). Von Abraham Moses Chen-Thamim. Jerusalem 5669 iHebräisch). Orach Lachajjim (Der Weg des Lebens). Von Abraham Moses Chen-Thamim. Jerusalem 5o6() (Hebräisch.'. Dr. lgnaz Zolischan: Das Rassenproblem, Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Verlag von Wilhelm Braumüiler, Wien und Leipzig, 1911. Schluß des redaktionellen Teiles Für den Lewinsky=Fonds: Bei der Administration der „Welt" in Köln: Comitetul Federatiunei Zionistilor din Romania per M. Heinr. Schein in Galatz von den Ziorr?stenvereinen in Focsani............. Lei 40.— JC 31.% Für das Mikrobiologische Institut: Bei der Administration der „Welt" in Köln: Comitetul Federatiunei Zionistilor din Romania per M. Heinr. Schein in Galatz von verschiedenen Spendern Lei 5.50 Jf 4.40 Sammelstelle des J. N. F. in Wien: Hingegangen im Monat März......K. 52.eS2 ~ JC 4 4.70 Für den Bezalel: Bei der Administration der „Weif* in Köln: J. N. F.-Kommission für Amerika in New-York lt. Ausweis in Nr. 5 von „Dos Yiddische Folk" Doli. 50.— JC 208.50 Bei der Jüdischen Kolonialbank in London: J. N. F.-Kommission für Amerika in New-York .... Doli. 5.— Bei der Jüdischen Kolonialbank in London: Für das Hebräische Gymnasium in Jaffa: Per Föderation of American Zionists, New-York .... Doli. 14.25 Für die Jüdische Nationalbibliothek in Jerusalem: Per Federation of American Zionists, New-York .... Doli. 5.— Für die Tachkemonischule in Jaffa: Per Federation of American Zionists, New-York .... Doli. 1 +.25 Für den Bezalel gingen bei dem Unterzeichneten ein: Durch M. Weinberg, Riga: Spenden 1909: J. Lewin, L. Glückmann, A. Groß, A. Borkum, Schmolat, Schewelew, B. Payensohn, N. M. je JC 2.—, Ing. Misinsky Jt 6.—. Spenden 1910: Ing. Misinsky Jt 6—, A. Borkum, B. Lewy, B. Ginsburg, M. Merkel, S. Selmanowitz je JC 2. —. Durch Herrn Dr. Edmund Wormser, Basel: Beiträge: Jules Bloch-Bloch, Joseph Bollag, Bertin Ditesheini, Dr. Ernst Katz, Simon Lippmann, J. Mayer-Sommer, J. J. Weil je Frcs. 5.—. Durch Herrn Dr. Erwin Gallus, Troppau: Beiträge: Dr. Arthur Czeczowicka, Partschendorf, und Frau Julie Lipschitz je Kr. 5.—.

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