Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 17 (28.4.1911)
- Date
- 1911-04-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 17 DIE2&EELT v 383 Sitzung des Direktoritims des Jüdischen Nationalfonds Mittwoch den 26. April fand im Zionistischen Zentralbureau zu Köln eine Sitzung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds statt, in der die von den Revisoren genehmigte Bilanz pro 1910 sowie der Bericht des Vorsitzenden des Direktoriums entgegengenommen wurden. Es wurden einige Beschlüsse betreffend eine Häuserbaugesellschaft in Jaffa, Neubauteu an den Bezalel-Gebäitden und in der Filigranarbeiter- Kolonie Ben Schämen, die Einrichtung einer landwirtschaftlichen Schule in Ben Schämen, Verträge mit der Siedlungsgesellschaft m. b. H. „Erez Israel" usw. gefaßt. Die Beratung über eine Reihe von Punkten wurde, da mehrere Direktoren noch nicht eingetroffen waren, bis zur nächsten Sitzung vertagt. SCHEKELAUSWEIS Schekelsammlung für das Jahr 5670 (XL Ausweis) Südafrika (Spezifikation fehlt)..........£ 13.15.0 Jt 280.50 Vereinigte Staaten von Nordamerika Athena, Ga. Doli. 5.—, Jersey City 7.—, Brownsville 13.75, Galveston, —,75, New Britain 1.25, New York 12.25, Ptterson 12.50, Portsmouth 6.25 zus. Doli. 58.75 Ji 245 — Palästina Jerusalem..............Frcs. 118.75 Jt 95.— Rumänien (Spezifikation fehlt)..........Lei 500.— Jt 403.— Kroatien (Spezifikation fehlt).......... Kr. 105.— JL 89.14 Rußland (Spezifikation fehlt).........Rbl.1418.42 Jt 3035.40 Schekelsammlung für das Jahr 5671 (II. Ausweis) Vereinigte Staaten von Nordamerika Order Knights of Zion, Chicago . . . Doli. 250.— Jt 1047.— Federation of American Zionists: Brownsville Doli. 55.—, New York 25.—, South Sharon 2.50, Charleston 8.75, Columbia 7.50, Newark —.50, New York 8.—, Norma 1.75, Montgomery 5.25, Alliance N. J. 21.75, Atlanta 5.—, Brooklyn 7.75, Columbia 2.25, Jacksonville 1.—, New Orleans —.25, New York 40.75, Seneca Falls —.25 zus...... . Doli. 193.25 Jt 805.85 Deutschland L. Strelitz....................Jt 26.— Deutschland Dessau* Am 17. März wurde in der hiesigen Ortsgruppe das Purimfest gefeiert. Herr Oberkantor Frank aus Leipzig und Herr Kantor Heu mann aus Dessau hielten gesangliche, Fräulein Amalie Nüssenfeld und Herr Adolf Spighel deklamatorische Vorträge. Die Darbietungen wurden beifällig aufgenommen. Ein besonderes Gepräge erhielt das Fest dadurch, daß Herr Kantor a. D. Blitz, der sich entschlossen hat, nach Palästina zu gehen, um sich eventuell dort niederzulassen, von der Gruppe Abschied nahm. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Dr. Moses, hielt eine Ansprache an den bewährten Leiter. Einige Freunde, wie Herr Dr. Ascher, Dr. Moses Herr Wohlrnuth, Herr Goldmann und Herr Weber überreichten dem Scheidenden einen silbernen Leuchter. Hamburg. Im Jüdischen Jugendbund sprach am 4. April 1911 Herr Leopold Landau vor einer zahlreichen Zuhörerschaft über „Die Falaschas". Der Redner gab zu Beginn seines Vortrags einen Überblick: über die Falascha-Forschungen von Abessinien- Reisenden früherer Jahrhunderte, insbesondere des Prof. Joseph Haleyy, welcher im Jahre 1868 im Auftrage der Alliance Israeiite Universelle Abessinien bereiste und der zivilisierten Welt die erste ausführliche Kenntnis der Falaschas, eines vor Jahrtausenden in der Gefolgschaft des sagenhaften, salomonischen Abkömmlings Menelik I. aus Arabien nach Äthiopien eingewanderten jüdischen Volksstammes, vermittelte. Erst wieder in den Jahren 1905 und 1909 führte Dr. Jacob Faitlovich für ein internationales Pro-Falascha-Komitee, an dessen Spitze der Florenzer Oberrabbiner Dr. Margulies stand, und der jetzige türkische Großrabbiner Haim Nahum für die Alliance Israeiite Universelle Falascha-Expeditionen aus, von denen besonders die sehr gewissenhaften Aufzeichnungen Faitlovichs dem Vortragenden reichhaltiges und interessantes Material an die Hand gaben. Der Redner folgte in seinem Referat der Reiseroute der Faitlovichschen zweiten Expedition von 1909; er gab eine ausführliche Darstellung der Lebensweise der Falaschas, ihrer religiösen, den allgemein jüdischen sehr ähnlichen Gebräuchen, ihrer großen anerkannten Geschicklichkeit als Handwerker auf allen Gebieten und des auch von nichtjüdischer Seite ausdrücklich hervorgehobenen unschätzbaren Wertes der Falaschas für die abessinische Volkswirtschaft. Der Referent legte die Gefahren dar, welche durch ein Aufgehen dieses jüdischen Volksstamnies im christlichen Abessiniertum der ökonomischen Entwicklung des Landes drohen, und wies ferner auf den Verlust hin, den die Sache des Judentums in diesem Lande des dunklen Erdteils zu erleiden hätte, wenn nicht die von den Falaschas so sehnlichst erbetene Unterstützung gegen die Arbeit der zahlreichen Judenrnissionen durch die Errichtung von Falaschaschulen und durch Beschaffung jüdisch-religiöser Literatur in einer ihnen verständlichen Sprache seitens der europäischen Judenheit baldigst gewährt werden würde. Nach einigen Ausführungen über die Frage der Rassenzugehörigkeit der Falaschas zu den in der Diaspora zersprengten Teilen des jüdischen Volkes schloß der einstündige Voitrag mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich, sobald der Ruf an sie ergehen würde, dem Hilfswerk für diesen durch Jahrtausende der Bedrückung sich als glaubenstreu erwiesen zu habenden Volksstamm anzuschließen. Posen. Zum Schluß der Saison sprach am 9. April Herr Dr. Motzkin über die Lage der Juden in Rußland. Der Redner konnte das naturgemäß düstere Bild anschaulich darstellen, da er persönlich im Feuer gestanden hat in den Tagen von Kischinew, Mohilew, Kiew usw. Ohne Patetik wirkten die Darstellungen, die der Redner aus seiner genauen Kenntnis des jüdischen Elends mit Zahlen belegte, wie sie in dieser Vollständigkeit hier noch nicht gehört waren, mit großer Wucht auf die stattliche, den Saal gedrängt füllende Zuhörerschar. Er wies nach, wie jede Beziehung menschlichen Lebens eine besondere Rubrik der Drangsal geworden ist: Das Wohnungselend z. B. dokumentiert sich in den Zahlen, die die Statistik gibt, wonach die Juden, etwa Vie der russischen Bevölkerung, 72300 des russischen Reiches bewohnen darf. Das Bildungselend, das die Juden zwingt bis auf verschwindende Ausnahmen den allgemeinen Schulen fern zu bleiben. Wie eine Satiere empfindet es der Zuhörer, wenn beispielsweise der Redner darauf hinweist, daß im Cheder, zu dem mehr als 900 0 der Jiiden durch den russischen Staat gezwungen werden, wenn anders sie nicht überhaupt auf Schulbildung verzichten wollen, die russische Sprache offiziell verboten ist, und wenn sie trotzdem gelehrt wird, Schüler und Lehrer sich verbünden müssen, diese Tatsache geheim zu halten, wenn der staatliche russische Inspektor kommt. Die politischen Nöte der Juden beleuchtete Motzkin eingehend, besonders die Hoffnungen, die man auf den jetzt von der dritten Duma in die Kommission geschickten Entwurf setzt. Die Aussichten dieses Entwurfs, der ja auch nur geringe Milderungen bringen soll, schwanken an einem dünnen Faden. Motzkin warf grelle Schlaglichter auf die ungeheure Not und Armut, die in den großen jüdischen Zentren herrscht. Die russischen Juden haben ihre Hoffnung auf die westeuropäischen Brüder gesetzt, namentlich auf diejenigen, die in Finanz und Pressekfeisen viel vermögen. Hier aber hat die sonst werktätige Hilfe versagt und gerade hier wäre ein machtvolles Zusammenstehn in den Zeiten nach dem Progrorn von Einfluß auf die russische offizielle Welt gewesen. Dadurch, daß aber hier die Solidarität der jüdischen Bankiers, die die russische Anleihe finanzieren, und der fähigen Journalisten, die so vielfach sonst maßgebenden Einfluß in der Presse haben, mit den russischen Juden versagt hat. Liegt hierin eine große Schuld der abendländischen Judenheit gegen die Russen, so hat diese sich jedoch anderseits ein unvergängliches