Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 15-16 (12.4.1911)
- Date
- 1911-04-12
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 15 DIEE^E LT 361 Referendar Felix Rosenblüth (V. J. St. Makkabaea), Berlin Referendar Isid. Eisberg (V. J. St. Berlin), Cöln M. Gorsky, Nürnberg cand. med. Hugo Eben, Wien Ed. Pool, Hengeloo (O). Frl. Fanny Hildesheimer, Berlin Dr. Ed. Leszynsky, Berlin Frau Betty Leszynsky, Berlin Max Schatz, Bonn D. L. Wolffsohn, Memel Isaac Boschwitz, Berlin Dr. M. de Jonge, Schriftsteller, Köln L. Perlmutter, Frankfurt a. Main Oskar Fischer, Antwerpen Frau Salome Fischer, Antwerpen Willy Nothmann, Qr. Strehlitz Dr. med. Emil Simonson, Westend-Charlottenburg Qeorg Hepner, Berlin Dr. Julius Löwenheim, Berlin D. Hamburger, Frankfurt a. Main Dr. phil. Raphael Straus (V. J. St. Makkabaea), Berlin Bertram Stern, Wiesbaden. Protokoll des ersten Kongresses Wir erhalten folgende Zuschrift: „Die jüd.-nat akad.-techn. Verbindung „Barissia" im K. P. J. V. hat aus Anlaß ihres 15 semestrigen Bestandes den Beschluß gefaßt, der bewußten Judenheit ein Geschenk zu überreichen, welches nicht nur einem allgemein empfundenen Bedürfnisse entspricht, sondern gerade im gegenwärtigen Momente besonders an Wert gewinnt. Im Sommer d. J. werden die Vertreter der nationalbewußten Juden zum zehntenmal in Basel zusammentreten, um an dieser historischen Stätte die Fortschritte festzustellen, die der zionistische Gedanke im Laufe von 14 Jahren gemacht, um über die Mittel und Wege zu beraten, welche zu dem ersehnten Ziele führen könnten. Durch Vergleiche lernen wir, und nur wenn wir den Anfang und die ersten Ursachen der Dinge kennen, sind wir imstande, weiterzubauen und gedeihlich fortzuschaffen. Das Protokoll des ersten Zionistenkongresses vom Jahre 1897 ist vollständig vergriffen. Die Anzahl der vorhandenen Exemplare genügt schon lange nicht mehr der Nachfrage, und doch ist die Kenntnis jener grundlegenden Referate, die damals von begeisterten Männern, den* Veteranen unserer Bewegung, gehalten wurden, für jeden Zionisten unerläßlich. Deshalb glaubt die gefertigte Verbindung ihr Jubiläum nicht schöner und würdiger begehen zu können, als wenn sie jedem Zionisten Gelegenheit gibt, sich in den Besitz des Protokolls über die Verhandlungen am ersten Zionistenkongreß zu setzen, und veranstaltet mit ausdrücklicher Bewilligung des Actions-Comites eine Neuauflage des Protokolls des ersten Zionistenkongresses in vornehmer Ausstattung. Das Buch wird zum Preise von 2 Kr. 1.70 Mk. inkl. Versandporto abgegeben. Bestellungen und Anfragen wollen, da die Anzahl der Exemplare beschränkt ist, rechtzeitig an die Verbindung „Barissia", Prag 1I„ Nekazanka 6, gerichtet und mit dem Vermerk „Herausgabe des Protokolls des ersten Zionistenkongresses" versehen werden. Vereinen und Vertrauensmännern werden bei Abnahme einer entsprechenden Anzahl von Exemplaren die weitgehendsten Rabatte gewährt." Südafrika Johannesburg. Auf einer am 19. März hier abgehaltenen Sitzung des Exekutivkomitees der südafrikanischen Föderation wurde folgende Resolution angenommen: Das Exekutivkomitee der südafrikanischen zionistischen Föderation stellt das Prinzip auf, daß keine einzelne zionistische Institution, welche die Unterstützung der allgemeinen zionistischen Organisation wünscht, Vertreter nach Südafrika entsenden soll, ohne vorher die Zustimmung und die Erlaubnis des Engern Aktionskomitees und des Exekutivkomitees der südafrikanischen zionistischen Föderation dazu eingeholt zu haben. Diese Resolution soll dem Engern Aktionskomitee und der zionistischen Presse übermittelt werden. Das Exekutivkomitee der südafrikanischen zionistischen Föderation fordert alle andern Föderationen auf, im Interesse der Disziplin und des Zusammenhangs innerhalb der zionistischen Organisation das gleiche Prinzip aufzustellen. Das E. A. C. soll ersucht werden, Abschriften dieser Resolution den verschiedenen Föderationen als Material zu unterbreiten. Brief aus Österreich Vom jüdischen Kampf Die Parteien in Österreich sind im Aufmarsch zu den bevorstehenden Neuwahlen ins Parlament begriffen. Auch unsere im Zeichen des zionistischen Nationalgedankens erstarkten Brüder in Qalizien sind in die Kampflinie eingerückt und das Lemberger;;Tagblatt" veröffentlicht ein Manifest „An das jüdische Volk". In diesem Wahlaufruf heißt es unter anderm: In Österreich ist das Parlament der einzige Ort, an dem alle Völker ihre Forderungen und Ansprüche der Regierung vortragen können. Besonders wir Juden in Österreich haben tatsächlich keine andere Möglichkeit, unsere unzähligen Beschwerden vorzubringen, die unaufhörlichen Verfolgungen zu zeigen, welche jederzeit unsere Existenz bedrohen. Nur im Parlament können wir vor der breitesten Öffentlichkeit Gerechtigkeit fordern und unsere Interessen als Bürger und als Juden schützen. Wir stehen vor neuen Wahlen. Vor vier Jahren hat das jüdische Volk in unserm Land deutlich gesprochen, daß die Verwirklichung aller Reckte und Freiheiten fordert, welche die österreichische Verfassung allen Bürgern ohne Unterschied der Religion und Nation zugesagt hat. Wir hoffen bestimmt, daß die galizischen Juden auch bei den kommenden Wahlen diesen wahrhaft demokratischen und fortschrittlichen Standpunkt wahren werden, weil politische Reaktion immer gleichbedeutend war mit Unterdrückung und Knebelung des jüdischen Volkes. Vor vier Jahren hat der größte Teil der galizischen Juden bewiesen, daß sie ihre politischen und nationalen Aufgaben richtig erfassen. Es wurden drei zionistische Abgeordnete gewählt und diese waren in dem ganzen österreichischen Parlament die einzigen, welche dort die Pflicht übernahmen, die jüdische Bevölkerung zu schützen, und sie haben zusammen mit dem jüdischen Vertreter aus der Bukowina, Dr. Straucher, zum ersten Male einen „jüdischen Klub" in einem österreichischen Parlament gebildet. Der „Jüdische Klub" hat seine Pflicht ernst erfüllt, fn allen jüdischen Angelegenheiten ist er mutig und energisch aufgetreten. In der Bekämpfung des Antisemitismus hat der „Jüdische Klub" mit Ausspannung aller Kraft gearbeitet, um einen Sieg der antisemitischen christlichsozialen zu verhindern, wie z.B. bei der Abstimmung über den judenfeindiichen Antrag Schmidt. Als der antisemitische Polenklub viele tausende jüdische Erwerbsleute mit einem Streich vernichten wollte, war der „Jüdische Klub" der einzige Beschützer unserer Bevölkerung. Ebenso in derfurchibaren Schän kerfrage und bei dem Hausiergesetz. Und wenn die galizischen Behörden die jüdischen Massen chikanierten, verfolgten, terrorisierten und bedrängten, trat stets der „Jüdische Klub" auf gegen die ungerechte Behandlung jüdischer Bürger. Der „Jüdische Klub" war der beste Beweis für das nationale Erwachen unsers Volkes. Er hat im Parlament für die jüdische Bevölkerung ihre nationalen Rechte gefordert, die Gleichstellung mit allen andern Nationen, und er hat besonders zur Zeit der Volkszählung unsere gerechten nationalen Forderungen gegen das ungesetzliche Vorgehen der galizischen Behörden verteidigt. Keine Angelegenheit in dem Leben des österreichischen Judentums im allgemeinen und des galizischen im besondern, hat der „Jüdische Klub" vernachlässigt und überall bei Juden und bei den andern Völkern galt nur er als der wahre Vertreter des jüdischen Volkes in Österreich. Juden! Brüder! Wir stehen vor einem schweren Kampfe. Die ehrliche Arbeit des „Jüdischen Klubs", die treujüdische Tätigkeit unserer zionistischen Partei hat den Zorn der Feinde unsers Volkstums erregt. Sie wollen unsere Massen verfolgen und vernichten. Sie wollen alles was jüdisch ist, mit der Wurzel ausrotten. Und in dieser antisemitischen Arbeit werden sie gehindert durch das Bestreben unserer ehrlichen Abgeordneten und unserer Partei, das nationale Bewußtsein in unserm Volk zu verbreiten. Mit Hilfe einiger Verräter aus unserer Mitte, die um ihrer Karriere willen unsere Volksinteressen verkauft haben, wollen sie bei den kommenden Wahlen es versuchen, den wahren Willen des jüdischen Volkes zu fälschen. Vor vier Jahren haben wir als ganz junge Partei, als wir zum ersten Male in den Wahlkampf eintraten, unsere Gegner nieder-