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Die Welt · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. KÖLN, 7. April 1911 p-nrfc Dö'ntV« "tt No. 14. Der X. Kongreß Der X.Kongreß findet vom 9. bis 15. August 1911 (15. bis 21. Ab 5671) in Basel in den Räumen des Stadtkasinos statt. Die gesammelten Schekelgelder müssen bis zum 30. Juni 1911 nach Köln oder an die Zahlstellen des J. CT. überwiesen worden sein. Für die Wahlen zum Kongreß ist nur die Zahl der bis zu diesem Termin in Köln oder beim J. C. T. eingegangenen Schekelgelder maßgebend. Die Wahlen zum Kongreß sollen in der Zeit vom 3. bis 8. Juli 1911 stattfinden. Die Protokolle über die erfolgten Wahlen müssen spätestens bis zum 15. Juli 1911 in den Besitz des Zionistischen Zentralbureaus in Köln gelangt sein. Proteste gegen vorgenommene Wahlen sind sofort nach der Wahi gleichzeitig bei dem Bureau der Landesorganisation (Federation) und bei uns mit ausführlicher Begründung einzureichen. Nach dem 15. JiiHi einlaufende Proteste können nicht berücksichtigt werden. Die Protokolle über die Wahlhandlungen sind ordnungsgemäß aufzunehmen. Formulare können von uns in beliebiger Anzahl bezogen werden. Zionistisches Zentralbureau, Köln. Zur Auflösung des ersten österreichischen Volkshauses Von Dozent Dr. Arthur Mahler, gew. Reichsratsabgeordneter Wenn man den Gang der Entwicklung, sei es auf dem Gebiete der Naturwissenschaften, sei es im Reiche der Politik, prüfend überschaut und atl diesen Werdegang die Sonde der Zweckmäßigkeit anlegt, so wird man staunend erkennen, wie viele scheinbare Abweichungen und Seitenwege von der geraden Linie der Entwicklung gegangen wurden und wie der Grundsatz, daß die gerade die nächste Verbindung zweier Punkte sei, eigentlich nur in der Geometrie seine Geltung habe. Nirgends fühlt man dies deutlicher, als wenn man den Weg überblickt, den das öffentliche Leben in Österreich seit dem Beginne des Konstitutionalismus eingeschlagen hat, wenn man prüfend erkennt, wie viele krumme und Abwege gegangen worden sind bis zur Natürlichkeit des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts. Wie alles Große ist es eigentlich etwas Selbstverständliches und hat seine entsprechenden Gegner. Man versprach sich, als am 14. Mai des Jahres 1907 die ersten Wahlen auf dieser Grundlage in Österreich durchgeführt wurden, auch hier wieder eine gerade Entwicklung, ein mächtiges Fortschreiten, und vergaß, daß man in der Politik fast' ebenso wie in der Geologie mit langen Zeitläufen rechnen müsse. Dieses allgemeine Wahlrecht hat denn auch zum erstenmal in Österreich die Möglichkeit der politischen Betätigung der Juden auf innerpolitischem Gebiete gebracht, und dies war eine zwingende Notwendigkeit. Zuerst erfaßten diese Logik die Juden des Ostens. In Galizien in einer Zahl von 800000 bis 900000 eingezwängt zwischen Polen und Ruthenen, im der Gefahr, den unauslöschlichen Haß des einen Volksstammes auf sich zu laden, wenn sie mit dem andern gingen, war es für sie fast eine Selbstverständlichkeit, daß sie sich auf eigne Füße stellten, ihre eignen Vertreter in das erste Volkshaus schicken wollten. Und ver die Wahltage des Mai jenes Jahres mitgemacht hat hat staunend erkannt, wie aus dem vielgeschmähten polnischen Juden, dem Verspotteten, Geringgeschätzten ein Held wurde, der weder vor den Bajonetten der Gerd armen noch vor den Drohungen des Bezirkshauptmanns zurückschreckte. Einem schier übermenschlichen Heroismus gelang es, drei Vertreter aus Galizien ins Parlament zu entsenden. Die Judenschaft des Westens, die politisch noch nicht so geschult war und Ist, die sich 1*

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