Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelehrten erwähnt: „DerKommentar desMaimonides zu den Sprüchen der Väter, zum ersten Male ins Deutsche übertragen von Dr. M. Rawicz" (1910, 2 und 114 S. 8°; Selbstverlag des Verfassers, Rabbiner in Offenburg). Ohne ein einleitendes Wort liefert der bekannte Ubersetzer einiger Talmudtraktate im vorliegenden Bändchen eine schöne und sachlich treffliche Übersetzung von Maimonides'„Acht Kapiteln", vom Text derMischna Aboth und dem Maimonidischen Kommentar zu dieser. Der Kommentar befindet sich unter dem Strich, nach den Stichworten der erklärten Sätze zweckmäßig gegliedert. Das Ganze bildet eine lehrreiche Lektüre für des Hebräischen weniger kundige Leser. Zum Schlüsse will ich eines der im letzten Briefe gegebenen Versprechen erfüllen, indem ich R. Leszynskys „Die Juden in Arabien zur Zeit Mohammeds" (Berlin, Mayer & Müller, 1910; 2 Bl. und 116 S. 8°) zur Anzeige bringe. Das Buch ist einem Thema gewidmet, das schon öfters, aber nie in seinem ganzen Umfange und zusammenhängend behandelt wurde. Erst in jüngster Zeit hat sich auch ein junger, holländischer Gelehrter mit Erfolg bemüht^ dieses interessante Kapitel der jüdischen Geschichte wissenschaftlich zu erforschen. Während aber in seinem Buche mehr der Philologe zu Worte kommt, tritt bei L. der Historiker in den Vordergrund, der in den Ereignissen die leitenden Ideen und die treibenden Kräfte sucht, der die Entwicklung der historischen Tatsachen verfolgt und ihren innern Zusammenhang zu erkennen bestrebt ist. Wie schwierig die Untersuchung gerade auf dem Gebiete ist, mit dem sich L. beschäftigt, kann man ermessen, wenn man bedenkt, daß die Originalquellen nur spärlich fließen und ihre Wasser meistens sehr getrübt sind. Verfasser muß viel Mühe darauf verwenden, die Traditionen der Mohammedaner zu prüfen, das wenige, was sie an historisch verwertbarem Material enthalten, herauszuschälen, und das übrige als Verkennung, Entstellung oder Erfindung nachzuweisen. Daf3 er oft mit Hypothesen arbeiten muß, ist bedauerlich, aber das war bei dem Mangel an sicherer Überlieferung nicht zu umgehen, und werden auch seine Ausführungen aus diesem Grunde da und dort eine Korrektur erfahren, so geben sie uns doch ein klares und im großen ganzen zutreffendes Bild von dem Leben und Treiben der freien jüdischen Stämme in Arabien, von dem freundschaftlichen Verhältnisse, das zwischen ihnen und ihren arabisch-heidnischen Nachbarn geherrscht hat, von ihren friedlichen Beziehungen zu Mohammed in der ersten Zeit seines Auftretens, von den Kämpfen und Kriegen, die der Begründer der neuen Religion gegen sie geführt, bis er sie durch Treubruch, List und Verrat niedergerungen hat, von ihrer Tapferkeit und ihrem Mannesmut, endlich von dem Martyrium, das sie wegen des Festhaltens an dem heiligen Glauben der Väter zu erdulden hatten. Selbstverständlich benutzt Verfasser ausgiebig seine Vorgänger; daß er hierbei gegen gewisse antisemitisch angehauchte Gelehrte, speziell gegen Wellhausen, mit Geschick polemisiert und die Grundlosigkeit und Nichtigkeit ihrer den Juden wenig günstigen Behauptungen nachweist, ist nicht der kleinste Gewinn, den seine Arbeit der Wissenschaft gebracht hat. o o o o o o o ÜC i o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG fr o o o o o o o =^v I 3> © o o o o o o Der X. Kongreß In der vergangenen Woche hat -das Zionistische Zentralbureali die Protokolle für die zum zehnten Kongreß vorzunehmenden Delegiertenwahlen an die Landesorganisationen und Föderationen versendet. Wir werden demnächst mit der Veröffentlichung der Namen der Gesinnungsgenossen beginnen, welche sich zur Übernahme eines Mandates zum Kongreß bereit erklärt haben. Anglo Palestine Company (Geschäftsbericht und Bilanz) Infolge der vorjährigen Mißernte in Palästina sind unsere Geschäfte im ersten Semester wesentlich zurückgegangen. Das zweite Halbjahr brachte dann zwar eine Besserung, die aber doch nicht so nachhaltig war, um den Ausfall der ersten 6 Monate völlig zu decken. Trotzdem ist das Endresultat ein durchaus zufriedenstellendes. Der ganze Rest des Depots, welches der Jüdische Nationalfonds unserer Jaffaer Zentrale im vorigen Jahre zwecks langfristiger Darlehen zur Verfügung gestellt hatte, ist im Berichtsjahre zur Verteilung an Häuserbaugesellschaften gelangt. Ein weiteres Depot des J. N. F. haben wir an Kolonisten auf 10 Jahre verliehen. Im ganzen betragen die aus diesen Depots gewährten Kredite £ 21 148 (gegen £ 10 %2 im Jahre 1909). Die Geschäfte mit den Leihgenossenschaften haben eine weitere Ausdehnung erfahren. Am Ende des Jahres gab es 30 dieser Genossenschaften mit über 1200 Mitgliedern, deren Gesamtschuld sich per 31. Dezember auf £ 14 725 belief (gegen £ 12 861 im Jahre 1909). Depositen- und Scheckkonti zeigen eine ansehnliche Vermehrung; sie betragen Ende 1910 £ 208 000 (gegen £ 188 000 im Jahre 1909). In Jerusalem hält sich das Geschäft auf ziemlich unveränderter Höhe. In Beirut ist der Jahresgewinn infolge starker Konkurrenz, vornehmlich im Changegeschäft, zurückgegangen; die Aussichten für die Zukunft sind aber wieder günstiger. Entwicklung und Resultat des Haifaer Geschäftes sind sehr gut. Das Geschäft in Hebron bleibt unbedeutend, die Erträgnisse haben aber doch genügt, um wieder einen, kleinen Uberschuß über die Kosten zu ergeben. Im Spätsommer haben wir eine Agentur in Saffed eröffnet. Das Kapitalkonto hat sich im Laufe des Jahres um £ 25 899 erhöht und stellt sich am 31. Dezember auf £ 98 042, von welchen die im Laufe des zweiten Semesters emittierten £ 25 202 erst von 1911 ab dividendenberechtigt sind. Der Nettogewinn nach Abzug aller Geschäftskosten und nach Vornahme der erforderlichen Abschreibungen beträgt laut nachfolgender Bilanz £ 3 653.13.5, wovon laut Beschluß des Direktoriums £ 1000 auf Reservekonto gesetzt sind, so daß £ 2653.13.5, plus Vortrag ex 1909 £ 976.2.8 £ 3629.16.1 zur Verteilung disponibel sind. Das Direktorium hat beschlossen, der Generalver-