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Die Welt · 1911-03-17 · 11 (17.3.1911) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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248 DIE^ELT No. 11 gemeinsame Plattform für die Erfüllung des Gesetzes zu schaffen bestrebt sei. Er forderte die Orthodoxen auf, in die Zionistische Organisation einzutreten. — Der moralische Eindruck des Abends war bedeutend. Österreich Gablonz a. N. Der zionistische Verein „Theodor Herzl" veranstaltete am 15. Februar eine außerordentlich gut besuchte Bibelvorlesung, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Hermann Baneth in gedankenreicher und formschöner Rede über die Bedeutung der Bibel für das Judentum und die Menschheit sprach, und Herr Franz Schönwald, Regisseur am Gablonzer Stadttheater, in glänzender Weise ausgewählte Stücke aus der Bibel zum Vortrag brachte. — Am 4. März sprach im großen Saale des Hotel Geling Dr. Ignaz Zollschan aus Wien als Gast des Vereins über den „Rassenwert der Juden." Der Vortrag des berühmten Gelehrten bedeutete für Gablonz ein zionistisches Ereignis. In der nachfolgenden Diskussion hatte Dr. Zollschan Gelegenheit, unter stürmischer Zustimmung des zahlreichen Publikums von Gegnern erhobenen Anwürfe gegen den Zionimus zurückzuweisen. Der glänzende Vortrag hinterließ einen nachhaltigen Eindruck. Teplitz. Am 25. Februar veranstaltete der Volksverein „Zion" ein Maskenkränzchen. Der Besuch war ausgezeichnet. Das Reinergebnis betrug 200 Kronen. Sniatyn. Am 25. Februar fand im Lokale des hierortigen Zionvereins „Esra" ein Vortrag über die „Legende des Baalschem" statt, über welches Thema Herr Ch. Morgenstern („Zephira", Czernowitz) referierte. In kurzen Zügen zeigte der Referent die Entwicklung des Chassidismus, beleuchtete die Ideale des Begründers dieser Lehre und wies auf die Momente hin, die den Chassidismus zur Entartung brachten. Ungarn Budapest. Die von dem hiesigen zionistischen Akademiker- Verein „Makkabäa" angestrebte Errichtung eines jüdischen Studententisches ist nach langem Bemühen in die Tat umgesetzt worden. Der Ungarsch-Israelitische LandeskultuTverein hat sich der Angelegenheit angenommen, indem er die nötigen Mittel bereitstellte, worin ihm allerdings auch die Zronisten behilflich waren, die unter anderm das Reinerträgnis der im Lande veranstalteten Makkabäerfeiern zugunsten der Mensa abtraten. Am 1. März fand die feierliche Eröffnung des Studententisches in seinen Lokalitäten, die sich in der Nähe der Universität und der Technischen Hochschule befinden, statt. Nach den Begrüßungsworten des Präsidenten des Kulturvereins, Baron M. L. Herzog, hielt Rabbiner Dr. Simon Hevesi eine längere Ansprache. Namens des Damenkomitees sprach Frau Hofrat Neurnann. Weitere Reden hielten Dr.Weiller, Dr. Elias Hevesi und namens der Makkabäa cand. med. Viktor Jordan. Die Gründung des Studententisches ist auch aus dem Grunde zu begrüßen, weil er eine regelmäßige Zusammenkunft der jüdischen Studenten, die ungefähr ein Drittel der Budapester Akademiker bilden, ermögichen wird. England English Zionist Federation Herr Joseph Co wen, der auf der Jahresversammlung der englischen zionistischen Föderation in Manchester zum Präsidenten gewählt worden war, hat dieses Amt angenommen. Dr. Alexander Marmorek in Manchester Am 5. März sprach in Manchester Herr Dr. Alexander Marmorek vor einer großen Versammlung. Obgleich die Versammlung erst 24 Stunden vorher angekündigt worden war, war der Saal doch von mehreren hundert Personen besetzt Den Vorsitz führte Herr Dr. Charles Dreyfus. Dr. M a rm orek, den die Versammlung sehr freundlich begrüßte, führte aus: Obgleich der Zionismus seinen ersten Führer verloren habe, lebe doch die Idee der Bewegung weiter, daß sich nämlich das jüdische Volk durch seine eigene Kraft regenerieren soll. Die Aufgabe des bevorstehenden X. Kongresses werde es sein, wieder Ordnung und Frieden in die Bewegung zu bringen. Die Zionisten der ganzen Welt hätten sich gefreut, daß der Friede in England durch die Konferenz in Manchester gesichert worden sei. Was die zionistische Politik anbelange, so erkläre sich Redner noch immer als politischer Zionist, nicht in dem Sinne einer Ausschließung der praktischen Arbeit, sondern ihrer Unterstützung und zur Stärkung. Es werde die Aufgabe des nächsten Kongresses sein, eine Synthese der beiden Richtungen zu bilden. Redner schloß mit einem aufmunternden Appell an alle Anwesenden, sich eifrig an der zionistischen Arbeit zu beteiligen. Der folgende Redner, Herr Dr. C. Weizmann, wies auf die praktische Arbeit hin, welche man jetzt in Palästina leiste. Die zionistische Organisation mache Pionierarbeiten für das ganze jüdische Volk, welches schließlich allein das zionistische Ideal durchführen könne. Es sprachen sodann noch die Herren J. Massel, I. Wasselewsky, M. Sortman, J. I. Loewy, Rabbiner M. M. Cohen und Fräulein Weisberg. Southampton. Am 5. März hielt hier Herr Dr. J M. Salkind aus London im Vereinshaus der Jewish Social Society einen Vortrag über das Wesen und die Bestrebungen des Zionismus. Der Redner wußte die gut besuchte Versammlung so zu begeistern, daß sie die Gründung eines zionistischen Vereins unter dem Namen „Bonei Zion" beschloß. Der Verein verspricht recht tätig zu sein. Southampton gehört zu den angesehensten und ältesten "jüdischen Gemeinden Englands. Schweiz Zürich. Am 26. Februar sprach Herr Dr. D. Pasmanik aus Genf hier im großen Saale des Hotels Royal vor einem Auditorium von mehrern hundert Personen über „Zukunftspläne im Judentum". In einem fünfviertelstündigen Vortrag behandelte der Referent die .wichtigsten das Judentum bewegenden Fragen, die Assimilation, ihre Vertreter und verheerenden Wirkungen im jüdischen Volke, die Bestrebungen der Nationalautonomisten, deren Verfechter und die recht zweifelhaften Aussichten dieser Bewegung, den Kampf der jüdischen Jargondialekte gegen die hebräische Sprache, um dann am Schlüsse seiner Ausführungen auf die einzig Erfolg versprechende Lösung hinzuweisen, auf die zwingende Notwendigkeit, das jüdische Volk wieder bodenständig zu machen auf dem einzig dafür in Betracht kommenden Territorium, in Palästina. In der Diskussion gelang'en Vertreter der verschiedensten Richtungen zum Wort, die ihren Standpunkt zum Teil in interessanter Weise erörterten. Im Schlußwort stand das Publikum wieder ganz unter dem Banne der innigen und fesselnden, von begeisterter Liebe zum jüdischen Volke und seiner Geschichte beherrschten Vortragsweise des verehrten Referenten. Reicher Beifall bewies dem Vortragenden, wie sehr seine Ausführungen die Herzen der Zuhörer gt funden hatten. Der Abend war ein großer Erfolg der zionistischen Ortsgruppe. Ein Kommers vereinigte dann noch den Vortragenden mit den Mitgliedern der jüdisch-nationalen Studentenverbindung „Makkabäa", die in corpore an dem Vortrag teilgenommen hatte, dem Präsidium des Schweizerischen Zionistenverbandes und den Vorstandsmitgliedern der Ortsgruppe. Belgien Antwerpen. Am 18. Februar sprach im großen Saale der Diamantbörse auf Einladung des Misrachivereins „Bnei Zion" Her: J. J. Braun, Parteisekretär der Misrachifederation, über das Themar „Fortbestand des Judentums und der Zionismus". Ca. 250 Personen aus Kreisen, die bisher der Bewegung fernstanden, fanden sich zu dem Vortrage ein. Der Redner entrollte ein Bild des zeitgenössischen Judentums und schilderte eingehend die Aufgabe des Misrachi und seine bisherigen Erfolge. Starker Beifall zollte dem Redner den Dank der Anwesenden. Dem Vortrag foJgte eine lebhafte Diskussion. Der Abend brachte unserm Vereine eine Reihe neuer Freunde. Während seines Aufenthaltes in Antwerpen war Herr Braun auch für die Taschkemonischule tätig und gelang es ihm, für dieselbe größere Geldspenden in hiesigen jüdischen Kreisen zu erhalten. Italien Turin. Am 19. Februar verschied hier der angesehene Kaufmann und Gg. Samuele Valabrega, gewesene Präsident des Gruppo Sionistico Piemontese in seinem 63. Lebensjahr. Die Bestattung fand am 20. Februar unter überaus großer Teilnahme statt, bei welcher im Namen der Ortsgruppe Gg. Dr. Roberto Lazzaro (Modena) einen bewegten Nachruf widmete. Valabrega hat sich der Bewegung bereits in fortgeschrittenem Alter angeschlossen und hat für die Verbreitung der Idee seitdem mit jugendlichem Eifer gewirkt. Norwegen Christiania. Dem rührigen Gesinnungsgenossen Julius Holländer aus Altona, der seine Anwesenheit hier dazu benützte, um vor einem stattlichen Hörerkreis ein anschauliches Referat über „Zionistische Erfolge in Palästina" zu halten, ist es gelungen, eine Misrachi-0rtsgruppe hier ins Leben zu rufen. Die Gruppe zählt bereits 26 Mitglieder und wird voraussichtlich noch einen starken Zuwachs erfahren, da der wirkungsvolle Vortrag den Boden vorbereitet hat und noch eine starke Agitation der jungen Gruppe eingesetzt hat.

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