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Die Welt · 1911-02-10 · 6 (10.2.1911) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
6 (10.2.1911)
Date
1911-02-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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130 DIEX&ELT No. 6 die jährlich abgesandt werden, beziffert sich nach Millionen und, so fügt die Truth hinzu, „es kann keinen merkwürdigem und interessantem Anblick geben, als diese elegant gekleideten Herren, die die Ankunft jedes Schiffes in Jaffa erwarten, um die Post und die Geldsendungen in Empfang zu nehmen. Die vornehm aussehenden Herren sind Vertreter der Bettlergenossenschaft von Jerusalem/' Eine Expedition zur Erforschung des Toten Meeres Die vor kurzem, wie gemeldet, in Berlin gegründete Pa 1 ästinaforschungsgesellschaft, die sich die archäologische, historische, naturwissenschaftliche und wirtschaftliche Erforschung des Landes zum Ziele gesetzt hat, plant die Entsendung einer wissenschaftlichen Expedition zur Erforschung des Toten Meeres. Man hofft, einen bekannten jüdischen Gelehrten für die Leitung der Expedition zu ewi nnen. Dr. Ephraim Adler-Stiftung in Palästina Aus Lübeck wird uns gemeldet: Das Kuratorium der „Dr. Ephraim Adler-Stiftung in Palästina" hat beschlossen, die eingelaufenen Spenden der Tachkemonischule zu überweisen. Palästina-Gesellschaftsreise Die vom Wiener Informationsbureau für Palästina und die Türkei arrangierte Palästinareise wird am 23. Mäiz d. J. gemeinsam in Triest angetreten. Auf dem Schiffe wird koschere Kost verabreicht werden. Die Schiffspreise von Triest näch Jaffa und retour mit dem Eildampfer betragen für I. Klasse Frcs. 590.10, II. Kl. Frcs. 401.10, III. Kl. Frcs. 166.—, IV. Kl. (Verdeck ohne Verpflegung) Frcs. 110.—. Die definitive Reservierung der Schiffsplätze erfolgt erst nach Einsendung eines Fünftels des einfachen Passagepreises. Der letzte Zeitpunkt für die Anmeldung ist der 20. Februar d. J. Ausführliche Prospekte versendet das Informationsbureau für Palästina und die Türkei, Wien IX, Türkenstraße 9. Eine Charakterisierung der Taufseuche Wir haben letzthin erwähnt, daß der verstorbene sozialdemokratische Führer Paul Singer bis an sein Lebensende Jude geblieben war. Dieses Moment hat auch der Reichstagsabgeordnete Richard Fischer, der am 5. Februar im Namen der Berliner Arbeiterschaft am Sarge Singers auf dem Zentralfriedhof von Friedrichsfelde die Gedächtnisrede hielt, hervorgehoben und folgende Worte gesagt, die ein verdammendes Urteil für alle die Juden darstellen, deren psychische Elastizität sie zur Taufe veranlaßt: „Wie hat man" — sagte Abg. Fischer nach dem Berichte des „Berliner Tageblatt" — „ihn geschmäht, weil er Jude war! Wenn aber Singer, der den Glauben seiner Väter innerlich überwunden hatte, treu zu seiner Gemeinde hielt, so ist das ein weiterer Beweis seines moralischen Mutes, seines Widerwillens gegen feige Kompromisse." Schärfer kann man wohl die zur Mode gewordene Desertion nicht mehr zeichnen. Verein „Moriah"—redivivus? Wie die in Berlin erscheinende hebräische Wochenschrift „Haibri" mitteilt, hat Rabbiner Dr. Lern er in Altona vor kurzem wieder ein Rundschreiben an führende, gesetzestreue Persönlichkeiten verschiedener Länder gerichtet, worin er zur Gründung einer gesetzestreuen Palästinaorganisation „Moriah" auffordert. Wie erinnerlich, hat Rabbiner Lerner Anfang 1910 den gleichen Versuch unternommen, der aber an der Gegnerschaft der „Freien Vereinigung" der deutschen Orthodoxie und an dem Indifferentismus weiter orthodoxer Kreise gegenüber allen Palästinabestrebungen scheiterte. Ob dem jetzigen Wiederbelebungsversuch mehr Erfolg beschieden sein wird, bleibt abzuwarten. Nach dem bisherigen Verhalten der „offiziellen" Orthodoxie in Deutschland, Ungarn, Rußland usw. darf man immerhin starke Zweifel hegen, daß diese Herren den bequemen Standpunkt ihres „passiven Zionismus" (R. Breuer) verlassen und sich der positiven Palästinaarbeit zuwenden werden. Ein jüdischer Kindergarten in Saloniki geschlossen Der vom Hilfsverein der Deutschen Juden in Saloniki hier eröffnete Kindergarten ist von den Behörden gesperrt worden, weil die Eröffnungsmodalitäten nicht vorschriftsmäßig waren. Die Leiterin ist eine russische, eine Lehrerin eine rumänische Staatsangehörige. Ein Antisemitenführer Der gewesene jungtschechische Abgeordnete und Stadtrat Wenzel Brzeznovsky in Prag, einer der ärgsten antisemitischen Hetzer, der sich besonders in der traurigen Hilsneraffäre hervorgetan hat, ist von zwei Personen beschuldigt worden, seinen Einfluß als Stadtrat durch Annahme von Geschenken für Interventionen mißbraucht zu haben. Brzeznovsky mußte klagen. Das Bezirksgericht hat nun nach der am 1. Februar durchgeführten Verhandlung die beiden Angeklagten wegen des erbrachten Wahrheitsbeweises freigesprochen. Dieses Urteil bedeutet die moralische Verurteilung des Antisemitenführers. Antisemitismus unter den Pariser Studenten Die Hörer der Rechte an der Pariser Universität haben am 1. Februar den Professor des bürgerlichen Rechts, Wa h 1, verhindert, seinen Vortrag zu halten, und sich nicht damit begnügt, ihn aus der Fakultät zu vertreiben, sondern ihm auch noch vor seiner Wohnung eine wüste Katzenmusik dargebracht, der die Polizei durch einen Angriff auf die Lärmmacher und die Verhaftung ihrer Rädelsführer ein Ende machen mußte. Als Erklärung für die Demonstration gaben die Studenten an, Professor Wahl sei ein zu strenger Prüfer und habe sich eines Lehrstuhles vollkommen bemächtigt, in den früher zwei Professoren sich teilten. Das sind indes nur Vorwände. Der wirkliche Grund ist kein anderer als die Tatsache, daß Professor Wahl Jude ist. Die Studenten erklären, daß sie ihre Kundgebungen fortsetzen werden, bis sie die Entfernung Wahls aus der Fakultät durchgesetzt haben. Das österreichische Hausiergesetz Wüste Szenen im österreichischen Parlament Im österreichischen Abgeordnetenhause, das am Dienstag nach der Delegationspause wieder zusammengetreten war. brachte die Regierung den Entwurf 'des neuen Hausiergesetzes ein. Das aus der verflossenen Amtsperiode des christlichsozialen Ministers Weißkirchner herrührende üesetz enthält für die jüdischen Hausierer geradezu vernichtende Bestimmungen. Abgeordneter Dozent Dr. Mahl er nahm in einer äußerst scharfen Rede Stellung gegen das Gesetz, das für die Juden einen Faustschlag bedeute. Dr. Mahlers Rede wurde von den Christlichsozialen und den alldeutschen Antisemiten fortwährend unterbrochen. Es kam zu wüsten Schimpfereien seitens der deutschnationalen und klerikalen Abgeordneten. Schließlich wurde Dr. Mahler von dem Alldeutschen M a 1 i k tätlich bedroht. Schluß des redaktionellen Teiles Bei der Administration der „Weit" in Köln sind eingegangen: Für die „Tachkemonischule" in Jaffa: Izak Katzner, Krakau Kr. 3.-............J(, 2,55 Sammlung des hebräischen Lehrers S. Kamiel in Delatyn Kr. 7.90......................, ö.72 Dr. M. Zobel und Frau in Köln gratulieren zur Vermählung Josef Kessler-Zürich-Laura Horn-Bukaczowce . . . . J( - .50 Dr. H. Wiesel, Jerusalem, gratuliert zur Vermählung Helene Hirsch-Jos. Messinger-Zürich . . Frcs. 2.— — „ L60 Für das Mikrobiologische Institut: Verein Chovevi Zion David, Bukarest, gesammelt bei verschiedener! Spendern Lei 48.- .......... „ 38.40 Eingegangen bei Herrn Prof. Warburg-Berlin: Für das Palästinaressort der Zionistischen Organisation: Spende des Vereins „Patria" in R. Sarat Lei 10.— . . M 8.—

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