Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 15 (1911)
- Issue
- 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316458-3316468--54264-3348043- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
124 DIE HÄKELT fio. 6 großen Satiriker vor der Gefahr der Übertreibung, der z. B. sein Schüler, der ihm kongeniale Scholem AI eichem, bisweilen erlegen ist, geschützt hat. Die Natur war es, die ihn gelehrt hat, Maß und Rhythmus in allen Dingen zu suchen, und sie war es wohl auch, die ihm Maß und Rhythmus in seinem Schaffen diktiert hat. So hat denn Mendele die reife, künstlerische Schilderung der Natur und des Lebens und den Stil für diese Schilderung geschaffen. Und dies genügt, um ihm den Titel eines Reformators und Lehrers in höherm Sinne zu verleihen. Allein Mendele war noch in anderer Beziehung ein Neu ere in unserer Literatur. Auch die Probleme, die er in seinem Dichten angeschnitten, waren für seine Zeit durchaus neu. Zur Zeit des Haskalahtaumels,wo die „ Aufklärung" und die bürgerliche Emanzipation das Um und Auf der Literatur und des öffentlichen Lebens bildeten, war es eine kühne Neuerung, wenn Mendele in der „Taxe" das soziale Problem, das Problem der sozialen Gerechtigkeit und der widerstreitenden sozialen Interessen, wie sie im Ghetto zum Ausdruck kamen, aufgeworfen hat. Ebenso neu war die Fassung des nationalen Problems, des Problems der Fremde und der Wurzellosigkeit, wie sie die „Schindmähre" (1873), die man mit Recht als die erste Offenbarung des nationalen Pathos in der jüdischen Literatur bezeichnet hat, bietet. * * Es wurde gefragt: Welches ist das Verhältnis Mendeles, des Dichters, zur jung-jüdischen Bewegung? Was hat er für die nationale Renaissance geleistet? Eine sonderbare Frage. Als ob der Schöpfer unvergänglicher nationaler Werke, der Bildner und Ausgestalter der nationalen Sprache nicht eo ipso Hebel und MachÜ'aktor der nationalen Wiedergeburt wäre. Wenn jetzt schon in Palästina, irn Lande unserer Zukunft, unseres aufkeimenden nationalen Eigenlebens, unsere nationale Sprache zur lebendigen, dynamischen, entwicklungskräftigen Volks- und Umgangssprache werden konnte, so ist dies nicht zuletzt dem jahrzehntelangen Mühen und Schaffen Mendeles auf dem Gebiete der hebräischen Literatur zu verdanken. Und noch eins. Mendele hat in uns Kindern des Ghettos, die für Dinge, welche weder Handelsobjekt noch Gegenstand und Akzidens des religiösen Kultus sind, nichts übrig hatten, die Liebe und Sehnsucht zur Natur geweckt. In dieser Liebe und Sehnsucht ist der Keim und die Gewähr für das neue Aufblühen unseres Volkes gegeben. Und nun zuletzt Mendeles Einfluß auf unser Verhältnis zum alten Ghetto. Denn es ist durchaus nicht gleichgültig für unser Sehnen und Hoffen, für unser Ringen und Streben nach nationalem Volleben wie wir uns zum Ghetto und seinen Menschen stellen. Mendele war es, der uns gelehrt hat, das Ghetto abzulehnen, seine Insassen aber menschlich zu lieben. Wir sind uns nunmehr zu gut, um uns vom Ghetto mit Groll abzuwenden, um unsere Vergangenheit als schweren Ballast zu empfinden, der uns in einen dumpfen Abgrund hinabzuzuziehen droht. Wir sind reif und gerecht genug, um die stille, wehmütige, aber echte und tiefe Poesie und den Adel des Ghettolebens zu sehen. Dies soll uns jedoch nicht hindern, all die Pracht und Schönheit der großen Welt draußen wahrzunehmen und tief innerlich zu erleben. Es liegt uns fern, das tiefe Gemütsleben und den sittlichen Ernst des alten Ghetto gering einzuschätzen; deshalb aber wollen wir doch all den Reichtum und den Glanz, die Natur und Leben jenseits der Ghettomauern bieten, nicht übersehen. Unser Erbgut soll nicht zum alten Eisen geworfen werden, es soll aber bereichert und verschönert werden. Vielleicht wird das die schönste Frucht unseres neuen Lebens, der Sinn und die innere Rechtfertigung unserer nationalen Wiedergeburt sein, daß wir zu einer tiefern und harmonischem Konzeption von Welt und Leben, als es bis jetzt jemand vergönnt war, gelangen; daß wir den abgeklärten Ernst des Daseins, den sittlichen Gehalt und Wert des Lebens, an denen unserm Volke immer so ungemein viel gelegen war, mit der reichsten ästhetischen Empfänglichkeit und Schaffenskraft verbinden werden. Vielleicht soll erst der neue Jude die hohe Synthese von Lebenswahrheit und Lebensfülle, nach der sich die Menschheit immer gesehnt hat, herstellen. Wir wissen aber, daß dies nicht geschehen wird, bevor das alte Ghetto endgültig zusammengebrochen ist. Und wir wissen auch, daß dieses Ghetto unwiderruflich dem Untergang geweiht ist, und es bemächtigt sich unser bisweilen eine melancholische Vergänglichkeitsstimmung darob. Aber die innere Stimme verkündet uns, daß uns eine neue, reichere, schönere Welt auf den Ruinen der alten erblühen wird Und eine alte, sterbende, doch mir so nah verwandte Welt Tritt lautlos vor mich hin mit wehmutsvollem Blick, Als sagte sie: Mein Sohn! . . . Nun weiß ich wohl, wir müssen uns nicht grämen. — Odessa, Tebeth 5671. (Jakob Kahan) o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG Schekelausweis S 61.20 Schekelsammlung für das Jahr 5670 (IX. Ausweis) Südafrika Bethlehem £ 1.80, Springfontein 1.60, Johannesburg 0.60 zus. £ 3.00 Deutschland Danzig 36.—, Namslau 20.—, Stuttgart 20.—, Königsberg I. —, Murowana-Goslin 5.50, Aschaffenburg 1.—, Wiesbaden 1.- , Hannover 10. — , Hochfelden 5.—, Berlin 1. —, Allenstejn 1—, Schönlanke 31.—, Halle (Saale) 2. —, Straßburg 4.—, Berlin 2.—, Gleiwitz 29.—, Essen <>.—, Berlin 1.--, Mühlhausen 2.—, Mühlhausen L—, Stettin 12.--. München 1.—, Metz 20.— , Kiel 6.-, Rappenau 3.—, Briesen 10.--, Mannheim 21.—, Heidelberg 1.—, Stettin 7.—, Königsbergs.--, Frankfurt (Oder) 2. --, Messingwerk 2.—, Marburg 7.—, Leipzig 27.—, Hannovers.—, Dortmund 3.—, Göttingen 12.—, Leipzig 3. —, Düsseldorf 5.- , Berlin 1.—, Halberstadt 10.-—"! Goldap 1. , Zwickau (Sachsen) 19.—, zus.....Jt 368.50 Rußland {Spezifikation fehlt) :;........Rbl. 1545.34 Jt 3312.— I 0000000 I 3 0000000 Ungarn Györ Kr. 28.80. Nagysuräny 1.20, Kajdanö 1.20, Aranyosgyeres 1.20, Felegyahäza 12.—, Budapest 1.80, Kismartön K3.20, Rözsahegy 10.80, Zölyommiklös 2.40, Tereny 2.40, Vägujhely 8.40, Lakompak 4.80, zus. Kr. 88.20 Jt 73.90 Schweden Stockholm...............Kr. 5.— Jt 5.50 Palästina Beyrouth 32 Schekei Frcs. 40.—, Jemma 18 Schekel Frcs. 25.80 Jt 52.65 England (Spezifikation fehlt)...........£ 25.— Jt 510.— Vereinigte Staaten von Nord=Amerika Boston S 33.50, Brooklyn 4.75, Cleveland 29.25, New- Haven 5.25, New York 2.25, Plainfield 3.—, St. Louis 1.—, Waterbury 13.—, zus........$ 92,- Jt 383.65 Galizien Stanislau (Spezifikation folgt)...........*ä 200,..... Krakau, Distriktskomitee: Krakau 130, Chrzanow 54, Rozwadow 36, Jaslo 56, Wielicka 1, zus. 277 Schekei Kr. 325.47 Jt 276.25