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Die Welt · 1911-02-03 · 5 (3.2.1911) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
5 (3.2.1911)
Date
1911-02-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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100 DIE^ELT No. 5 verfehlen. Zunächst müssen die bestehenden Betriebe soweit erstarken,- daß sie wirklich aktionsfähig sind. Das andauernde Neugründen verhindert auch das Ausbreiten der Organisation, der indirekt zu viel Geldmittel entzogen werden, die für die Ausbreitung der Idee bitter nötig sind. Stärkung des Nationalfonds, der Palestine Land Development Company und der Siedlungsgenossenschaft muß zunächst die Parole bleiben. Bietet sich uns aber ein großes und lohnendes Qlück, so müssen wir leitende und sachverständige Männer der Bewegung mit der Begründung einer privaten Erwerbsgesellschaft betrauen, die sich auf rein kaufmännischen Prinzipien aufbaut und das Feld nimmt, wo es eben zu beschaffen ist. Dabei darf nicht ängstlich auf den Einfluß des Aktionskomitees oder der Kongresse gesehen werden. Es kommt darauf an, daß gearbeitet wird, nicht daß die Organisation als solche Einfluß besitzt. Nur dahin muß gewirkt werden, daß gute Juden das Unternehmen leiten. Objekte dieser Art sind vorhanden, nur am Oelde fehlt es zunächst, und der Kongreß wird gut tun, darüber zu beraten, ob es nicht ein Mittel gibt, größere Finanzinstitute und reiche Privatleute für lohnende Unternehmungen in Palästina zu interessieren. Eine wichtige Vorbedingung für das Gelingen solcher Verhandlungen ist nun, daß auch seitens unserer Finanzinstitute eine größere Kapitalbeteiligung möglich ist. Denn es ist jedem, der sich mit Geschäften befaßte, kl ar,daßAuff orderungen anDritte,sichbei Unternehmungen mit größern Beträgen zu beteiligen, nur dann Erfolg haben werden, wenn der Aufforderer durch die eigne Beteiligung beweist, daß er die Gründung für gut und gewinnbringend hält. Heute gibt man Geld für Palästina noch immer lediglich aus gutem Herzen und das ist der ' Hauptgrund, weshalb die Arbeit so langsam vonstatten geht. Erst wenn der Kopf und nicht das Herz die gespendeten Beiträge bestimmt, ist auf eine Besserung zu hoffen. Die Londoner Bank wird aber solche Geldmittel nur disponibel haben, wenn sie ihre jetzigen Geschäfte baldigst liquidiert. Ein dahingehender Beschluß des Aktionskomitees wird hoffentlich noch vor dem Kongreß gefaßt werden. Der Kongreß sollte dann zunächst eine aus Fachmännern der kapitalkräftigen Länder bestehende Kommission wählen, die sich lediglich mit der Frage der Interessierung von Geldleuten für ein bestimmtes größeres Unternehmen zu befassen hätte. Der Kommission müssen dann die vorliegenden Projekte unterbreitet werden. Endlich muß dahin gewirkt werden, daß die verschiedenen Kolonisationsvereine und -Gesellschaften ihre Eigenbrödelei aufgeben und sich zu einem Verbände zusammenschließen, der systematische Arbeit treibt. Es ist ein Unding, daß das Odessaer Komitee, der Esra, die A. J. K. 0., der Kölner und Wiener Kolonisationsverein, die kleineren Vereine in Amerika und Rußland ihre Mittel zersplittern und oft genug nur handeln, „ut aliquid fieri videatur". Nicht eine engherzige Vereinspolitik darf maßgebend sein, sondern lediglich das Gedeihen des Landes. Heute hat man in den Vereinsvorständen manchmal das Empfinden, als ob die Hauptsache sei, energisch das eigene „Prestige" zu wahren. Dazu verstehen manche der seit vielen Jahren erbgesessenen Vorstände von der Sache wenig genug und sind selbstzufrieden, wenn nur das Geld irgendwie Verwendung findet. Von einer großzügigen Agitation ist meistens keine Rede. Es wäre daher von höchstem Werte, wenn es gelänge, diese Organisationen unter einer sachverständigen Leitung zu einen und so einen großen internationalen Kolonisationsverein zu bilden. Natürlich wäre für die Erreichung dieses Zieles sehr wichtig, wenn in den Vereinsleitungen möglichst viele Zionisten säßen, denn unsere Gesinnungsgenossen sind gewöhnt, das Wohl des ganzen über Vereinsinteressen zu setzen. Sie würden ein einigendes Element darstellen gegenüber den auseinanderstrebenden Tendenzen, die sich sonst leider oft genug zeigen. Anderseits sind die Vereine wichtig für die Heranziehung von Nichtzionisten. Führende Zionisten sollten daher die repräsentativen Ämter nur in Ausnahmefällen bekleiden und der neutrale Charakter der Kolonisationsvereine muß streng gewahrt bleiben. Unsere Mitarbeit muß still, aber intensiv sein. Wenn es so wirklich gelänge, eine imposante und kräftige Organisation zu bilden, würde sicher auch der moralische Druck die Ica und Alliance veranlassen, eine veränderte Position einzunehmen. Die schnelle Nachgiebigkeit des Pariser Zentralkomitees gelegentlich des festen Auftretens der Deutschen Konferenzgemeinschaft hat gezeigt, daß man in Paris keineswegs so unempfindlich ist, wie oft angenommen wird. Die Erörterung dieser Punkte sollte unseres Erachtens den X. Kongreß beschäftigen. Sie sind wahrlich ernster Erwägungen wert und sollten eigentlich der Kernpunkt der Debatten sein. Denn nicht wie der Zionismus sich organisiert, nicht wer ihn leitet, sondern was er an positiver Arbeit schafft, das allein wird über die Zukunft Palästinas und des jüdischen Volkes entscheiden. Nissim Behar über den Zionismus und den Artikel Zangwills Ein Vertreter der Jargon-Zeitung „Dos Yiddische Folk" in New- York hatte eine Unterredung mit Herrn Nissim B6har, dem frühem langjährigen Vertreter der Alliance Israelite Universelle in Palästina und Inspektor der Alliance-Schule in Jerusalem. Herr Behar, ein Spiniole, ist in der Türkei geboren und erzogen und hat seine Ausbildung in den dortigen Alliance-Schulen erhalten. Seit einigen Jahren weilte er in Amerika, um dort für die Alliance und ihre Institutionen Propaganda zu machen. Er ist einer der besten Kenner des türkischen Judentums im allgemeinen und der jüdischen Bevölkerung Palästinas im besondern. Der Vertreter des „Yiddischen Folk" stellte an Herrn %Behar folgende Fragen: „Mr. B6har, Sie haben doch sicherlich den Brief Israel Zangwills an das Komitee der „La Tribuna Libera" in Saloniki gelesen. Wie Sie wissen, rät er den türkischen Juden in diesem Briefe, sie sollten sich um den Zionimus nicht kümmern. Er meinte, die türkischen Juden hätten ihre eignen politischen Interessen wahrzunehmen und sich nicht mit zionistischen Träumereien abzugeben. Wie denken Sie hierüber? Ist Mr. Zangwill im Rechte? Sie sind doch mit der Lage vertraut!" Herr B6har beantwortete diese Frage folgendermaßen: Jen habe vor Mr. Zangwill große Hochachtung. Er ist nicht nur ein großer Schriftsteller, sondern auch ein aufrichtiger Freund seines Volkes. Ich unterscheide jedoch in Zangwill zwei Personen, Zangwill den Aufbauer und ZangwilL den Zerstörer. Sehr oft reißt Zangwill der Zerstörer in einem Augenblick nieder, was Zangwill der Aufbauer mit großer Mühe errichtet hatte. Für den Zerstörer * in Zangwill habe ich aber durchaus keine Sympathie.

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