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Die Welt · 1911-01-27 · 4 (27.1.1911) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE ELT KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 \w ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRQ. KÖLN, 27. Januar 1911 p-)ir6 Dq'Wn rQD »"d No, 4, ZUR ZIONISTISCHEN FINANZFRAGE Von Dibarti Während die Fonds des Zionismus immer kapitalkräftigerwerden, wenn, auch eine etwas größere Schnelligkeit noch zu ertragen wäre, zeigt die Kasse unserer Qesamtorganisation ständig Ebbe, und der Zauberspruch, der die Flut herbeirufen würde, ist trotz eifrigen Bemühens noch nicht gefunden. Einer der Gründe, die man manchmal als Ursache der Ebbe angeben hört, ist dieser: Der demokratische Charakter unserer Organisation ist schuld iaran. Stimmt das? Sehen wir einmal zu. „Gleiche Pflichten, gleiche Rechte" — darauf basiert unsere Schekelorganisation. Sehr richtig, sehr demokratisch! Aber ebenso unrichtig und ganz undemokratisch, wenn man die gleiche Pflicht so versteht, daß ein jeglicher, gleichviel wie groß sein Geldbeutel, jährlich nur eine Mark zur Kasse unseres zionistischen Gemeinwesens beizusteuern hat. Denn das ist doch keine recht verstandene Gleichheit. „Eine Mark" ist ein recht relativer Begriff.;"ür den galizischen Luftmenschen, für den Juden der WienerLeopoldstadt,fürdenKellerbewohner des russischen Ghetto, ist eine Mark ein Vermögen, — für den Mann mit 100 000 Mark Jahreseinkommen oder einer halben )der ganzen Million Vermögen ein Nichts. Und wieviel Stufen liegen dazwischen? Und darüber hinaus auch! Da beteiligen sich Zionisten an den Wahlkämpfen in den jüdischen Gemeinden, und in dem Programm, las sie aufstellen, steht: Einführung demokratischer Prinzipien. Die liberalen Machthaber sträuben sich .^egen diese Demokratisierung (und die Konservativen >hne Macht im Grunde genommen auch). Aber das Steuersystem, das jetzt in unsern Großgemeinden meist herrscht und das die Zionisten durch ein gerechteres und demokratischeres ersetzt haben wollen, ist immer noch bei weitem gerechter und demokratischer als das Steuersystem in der zionistischen Gemeinschaft. Die Gemeinde- Beiträge sind immerhin so, daß die höhern Einkommen entsprechend mehr zu zahlen haben, als die niedern. ^Vennauch — was eben reformbedürftig ist, welche Reform aber von den sonst so Reformlüsternen abgelehnt wird - der Prozentsatz der Besteuerung für alle Einkommen- Massen der gleiche ist: während z. B. bei der preußischen Einkommensteuer die höhern Einkommenklassen einen höhern Prozentsatz entrichten müssen als die niedern. Immerhin aber zahlen, wie gesagt, auch in den jüdischen Gemeinden die höhern Einkommen jedenfalls mehr als die niedern. In unserer zionistischen Gemeinschaft ist aber nicht einmal diese erste Stufe zur Gleichheit beschritten. Bei uns, den demokratischen Zionisten, zahlt der Millionär und der Luftmensch — recht ungleich jeder eine Mark im Jahr. So kann selbstverständlich die Karre aus dem Sumpf nicht heraus. Und man wende ja nicht etwa ein: So ist es bloß beim Organisationsbeitrag; beimNationalfonds usw.gleicht sich das aus. Erstens ist am letzten Ende die Organisation wirklich das Wichtigste, — geht sie kaputt, dann schweben in der Tat alle unsere schönen Institutionen in der Luft. Und dann: es ist ja gar nicht wahr, daß der Nationalfonds usw. ausgleichend wirkt. Wer einigermaßen die Zionisten kennt und nur ein wenig weiß, wie es um ihre finanzielle Position bestellt ist, und dann die Spendenverzeichnisse verfolgt, der weiß, daß es nicht unsere großen Vermögen und hohen Einkommen sind, die das bißchen Fett für unsere diversen Suppen gebracht haben. Das waren zumeist unsere minderbemittelten Schichten. Sonst wären unsere Suppen auch voller Fett, es schwämmen nicht bloß hie und da ein paar Fettaugen herum von den wenigen rühmlichen Ausnahmen aus dem „Klub der bebänderten Zigarren". So geht es nicht weiter. Sonst können wir die Bude zumachen. Die Idee wird fortbestehen. Aber in die Wirklichkeit umsetzen wird sie erst ein späteres Geschlecht, — wenn es dann noch möglich ist. Es ist einmal für die Abänderung des Organisationsstatuts angeregt worden, statt des bisherigen Schekelparagraphen zu sagen: Jeder Zionist hat jährlich einen Schekel entsprechend seinen Vermögensverhältnissen nach eigener Einschätzung (Vermögenssteuer) zu entrichten. Derselbe beträgt mindestens eine Mark. Die Kommission, die das neue Statut vorbereitete, scheint diese Anregung gar nicht in Erwägung gezogen zu haben. Warum? Weshalb? Glaubt man, daß die Opferwilligkeit unserer Gesinnungsgenossen nicht so

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