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Die Welt · 1911-01-13 · 2 (13.1.1911) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
15 (1911)
Issue
2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT IEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XV. JAHRG. KÖLN, 13. Januar 1911 ::-pr6 no"nn'frt rQD z"*1 No. 2. ZANGWILL ALS RATGEBER Von Israel Cohen Herr Zangwill hat der Geschichte seiner Beziehungen zu dem Zionismus ein neues Kapitel hinzugefügt. Es besteht in einem Briefe, in dem er den ottomanischen Juden Ratschläge gibt und der in der Januarausgabe der Londoner „Jewish Review" sowie auch in dem Newyorker „American Hebrew" veröffentlicht ist. Dieser Brief ist an das Komitie „La Tribuna Libera", einer spaniolischen Zeitung in Saloniki, gerichtet, das die folgende Anfrage an Herrn Zangwill richtete: „Was ist zu tun, um die verschiedenen nationalen jüdischen Theorien zu vereinigen, damit das ottomanische Judentum, von einheitlichen Gefühlen beseelt, in der Lage ist, auf die Mitwirkung der ganzen Intelligenz und aller Energien zu rechnen und so für seine Wiedergeburt zu arbeiten?" Herr Zangwill beantwortet diese Frage ausführlich. Er legt seine letzten Ansichten über den jüdischen Nationalismus dar und greift wieder die zionistische Bewegung an, deren leidenschaftlicher Verfechter er einst war. Sein Brief oder vielmehr Artikel — denn das" ist er in Wirklichkeit — erscheint zu einem besonders interessanten Zeitpunkt; denn die jüdischen Antizionisten in der Türkei sind jetzt eifriger denn je an der Arbeit, und die Veröffentlichung des antizipnistischen Artikels eines ehemaligen hervorragenden Zibnisten in einer Saloniker Zeitung dürfte kaum ihren Eifer dämpfen. Aus diesem Grunde verdient der Artikel besondere Aufmerksamkeit und kritische Analyse, damit seine Unterstellungen bloßgelegt, seine Widersprüche enthüllt und seine grundlosen Beschuldigungen zurückgewiesen werden können. Die „verschiedenen jüdischen nationalen Theorien", auf die in der Anfrage aus Saloniki Bezug genommen wird, werden von Herrn Zangwill als Judaismus, Territorialisrnus. und Nationalismus bezeichnet. Unter Judaismus versteht er nur die Religion, und er hebt deshalb hervor, daß alle ottomanischen Juden, die das Religionsgesetz halten, auf der Basis ihrer Religion zusammenarbeiten können. Aber da es Juden in der Türkei geben mag, die — wie Herr Zangwill sich ausdrückt — den Glauben an das Sinaitische Gesetz verloren haben, so muß eine andere gemeinsame Platform für/ sie gefunden werden: Territorialismits oder Nationalismus. „Territorialismus", sagt Herr Zangwill, „ist die Theorie, ein Heim für die Rasse zu finden, in welchem Juden als überwiegende Elemente sein sollen; in der begrenzten Form des Zionismus würde sich der Territorialisrnus nur auf Palästina und seine Nachbarschaft beschränken." Diese Definition des Zionismus als einer spätem ' Entwicklung des Territorialismus ist eine launische Verdrehung der jüdischen Nationalidee. Herr Zangwill schweigt des weitern über die von ihm selbst inaugurierte Bewegung aus dem Grunde, weil die „Erwerbung eines Gebietes außerhalb des ottomatiischen Reiches" die ottomanischen Juden nur wenig berühren würde. Es ist indessen wohl begreiflich, daß er nichts mehr über den Territorialismus sagt, aus dem einfachen Grunde, weil es jetzt nichts mehr über ihn zu sagen gibt; er kündigte selbst den Tod dieser Bewegung vor mehr als achtzehn Monaten in der „Fortnightly Review" an. Er beschränkt sich daher jetzt in seinem „Ratschlag"- Brief auf Zionismus und Nationalismus, unter welchen er zwei vollständig verschiedene Dinge versteht. Zunächst bezeichnet Herr Zangwill die Lage der Zionisten als „furchtbar albern" und zwar mit der Begründung, daß ihre „Methode, ein Land zu bekommen, darin besteht, in sicherer Entfernung, darüber zu schwätzen." Er sagt, daß von dem Augenblicke an, als man die Charterpolitik verließ, „nichts übrig blieb als die tatsächliche Einwanderung in Palästina und ein langsamer Aufbau der jüdischen Position in diesem Lande unterdem Ansporndes patriotischenEnthusiasmus." „Aber anstatt dieser Alternative zu folgen", erklärt er weiter, „hat der Zionismus jetzt sich beinahe vollständig verwandelt, und anstatt .einen politischen Auszug aus der Diaspora in ein jüdisches Gebiet zu bedeuten — wie es die armen russischen Juden träumten, als sie ihre Hütten mit Herzls Bild schmückten — bedeutet er nunmehr bloß eine Bewegung zur Verbreitung jüdischer Kultur in der Diaspora mit einem geringen Zugeständnis an den alten Zionismus, daß auch Palästina dieser Kultur teilhaftig werden soll, wie z. B. in der Form einer Universität in Jerusalem." „Es ist deshalb", fährt er fort, „rührend amüsant, euch ottomanische Juden durch eine Bewegung beunruhigt und in Verlegenheit

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