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Die Welt · 1910-12-16 · 50 (16.12.1910) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
50 (16.12.1910)
Date
1910-12-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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der Feier vollkommen befriedigt. — Am 2. November wurde der reguläre Unterricht in allen Klassen aufgenommen. Die eigentliche feierliche Einweihung des neuen Gymnasialgebäudes findet Sonntag dfen 25. Dezember, am Vorabend des Chanukafestes statt. Zahlreiche Freunde des Gymnasiums und des nationalen Erziehungswesens aus Jerusalem und den judäischen wie galiläischen Kolonien werden dieser Einweihungsfeier beiwohnen. Die Krisis in der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle Kurz vor Schluß des Blattes ist uns folgendes Schreiben des Deutschen Bureaus der A. I. U. zugegangen, auf das wir noch näher zurückkommen werden: Berlin, 12. Dezember 1910. Sehr geehrte Redaktion! Wie Ihren Lesern bekannt, fand am 30. November in Paris eine Sitzung des Zentralkomitees der Alliance israelite Universelle statt, in der die Wünsche der Deutschen Konferenzgemeinschaft zur Beratung standen. Das Ergebnis der Beratungen war nachstehende Entschließung, die mit allen gegen die deutschen Stimmen gefaßt wurde: 1. das Zentralkomitee bestätigt, nachdem es die Darlegungen der Herren Justizrat B. Timendorfer, H. Gumpertz, Lucien Picard, Philipp Schiff, Tb. Schlesinger, Machiels und See entgegengenommen, die in der Sitzung vom 20. April gefaßten, sämtlichen deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees durch Schreiben vom 2. Mai übermittelten Beschlüsse. Es beschließt ferner, die Organisation der Alliance in Deutschland, wie sie im Jahr 1904 bestand, wiederherzustellen und beauftragt seinen Vorstand, die zur Ausführung — nach Recht und Billigkeit — obiger Beschlüsse erforderlichen Maßnahmen zu treffen. 2. Die in Paris wohnhaften Mitglieder des Zentralkomitees appellieren an ihre Herren Kollegen in Deutschland und bitten sie inständig, ihnen ihre wertvolle Mitwirkung auch in Zukunft angedeihen zu lassen. Der erste und der dritte Präsident der Deutschen Konferenzgemeinschaft, Herr Geheimrat Timendorfer, Berlin, und Herr Lucien Picard, Frankfurt a. Main, haben hierauf ihre Ämter niedergelegt. Herr Justizrat Max Fuchs I, Berlin, der stellvertretende Vorsitzende, hat die provisorische Leitung der Geschäfte übernommen. Auf den.20. d. M. ist eine außerordentliche Tagung nach Berlin einberufen worden, die Stellung zu den einschneidenden Pariser Beschlüssen nehmen soll. Die Unterzeichneten werden den Antrag stellen, die Verhandlungen in voller Öffentlichkeit stattfinden zu lassen. In der Anlage fügen wir einen Bericht bei, den die deutschen Teilnehmer an der Pariser Sitzung ihren Kollegen von der Deutschen Konferenzgemeinschaft erstattet haben. Man hat, wie Sie aus diesem Bericht ersehen, keinen Zweifel darüber gelassen, daß - die Pariser Mitglieder des Zentralkomitees auch nicht das geringste Entgegenkommen gegenüber den Wünschen der deutschen Mitglieder zeigen wollten und überhaupt die Mitarbeit dieser deutschen Mitglieder als etwas Neues und Unerwünschtes empfanden. Indem wir um Aufnahme der obigen Mitteilung bitten, zeichnen wir mjt vorzüglicher Hochachtung Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle Dr. Apfel, Geschäftsführer im Ehrenamt. Fuchs, stellvertretender Präsident. Die Ausschreitungen gegen die Juden in Schiras Zu dem in der vorigen Nummer kurz berichteten Überfall auf das Judenviertel in Schiras seien hier folgende Einzelheiten nachgetragen, die dem Deutschen Alliancebureau vom Direktor der Allianceschule in Schiras berichtet worden sind: „Am Abend vor dem letzten Laubhütten-Feiertag wurde das Haus der beiden Oberrabbiner der Gemeinde von einer Bande Lutis (Straßenpöbel) überfallen, die einem Bazarhändler hierher nachgelaufen waren. Dieser behauptete, sein vierjähriges Töchterchen sei im Laufe des Nachmittags fortgelaufen und nirgends zu finden, es müsse zweifellos im Judenviertel versteckt gehalten werden, oder man habe es dort umgebracht, um ihr Blut zu benutzen. Man kann sich das Entsetzen der unglücklichen Rabbiner vorstellen; alle beide schwuren, daß ihnen nichts von dem Aufenthalt eines mohammedanischen Kindes in ihrem Viertel bekannt und daß eine solche Beschuldigung vollkommen grundlos sei. Die Lutis entfernten sich mit der Drohung, daß sie das Judenviertel mit Feuer und Blut überziehen würden, wenn das Kind bis zum nächsten Tag nicht wiedergefunden würde. Am andern Morgen kamen die beiden Rabbiner mit einigen Notabein zu mir, erzählten, was vorgefallen war, und beschworen mich, das Unglück zu verhüten, das die ganze Gemeinde schwer bedrohe. Ich beruhigte sie nach Kräften und schickte sofort an den Oberpriester der Stadt Mirza Ibrahim die Mitteilung von dem Zwischenfall. Dem Polizeichef, der gleichzeitig der Naieb der Mohallahs ist, schrieb ich ebenfalls und bat ihn, sofort die nötigen Maßregeln zu treffen. Diese beiden Schritte hatten den günstigsten Erfolg, und das drohende Unheil schien abgewendet. Das war am letzten Dienstag. Gestern, am Sonntag, ging ich um 7 Uhr morgens zur Schule. Ein Schuldiener erzählte mir, daß man am vergangenen Abend ungefähr ein Kilometer von der Stadt, nicht weit vom jüdischen Friedhof, den Leichnam eines Kindes gefunden habe; man vermute, daß dieses das vor zehn Tagen vermißte kleine Mädchen sei, und habe das Gerücht verbreitet, daß die Juden das Kind umgebracht hätten. Ich schickte sofort die beiden Mirzas zur Schule nach weitern Nachrichten aus und beauftragte gleichzeitig den einen, zum Interimsgouverneur Kawam-el Molk, den andern zu Mirza Ibrahim und zum Militärgouverneur der Stadt, Nasr-ed-Dowlet, zu gehen, damit eiligst die notwendigen Maßregeln ergriffen würden, um die judenfeindlichen Gerüchte zu ersticken. Ganz nahe an der Schule traf einer meiner Mirzas den Militärgouverneur Nasr-ed-Dowlet und übermittelte ihm meine Botschaft. Nasr-ed-Dowlet antwortete ihm, er wäre eben selbst gekommen, um seine Mannschaften zusammenzurufen und nach dem Judenviertel zu dirigieren, um die Menschenmenge von einem Einfall in die Mehalla zurückzuhalten. Wirklich wurden dreihundert Soldaten in der Richtung des Judenviertels abgeschickt, und ich glaubte 'mich über das Schicksal meiner Glaubensgenossen beruhigen zn dürfen. Bald aber konnte man in der Schule, wo ich mich eben befand, das Geheul und Geschrei der Menge hören, die sich vor dem Palast des Gouverneurs immer zahlreicher ansammelte, den angeblichen Leichnam des mohammedanischen Mädchens mit sich führte und die Juden beschuldigte, den Mord begangen zu haben. (Später ist bewiesen worden, daß der ganz unkenntliche Leichnam der eines kleinen jüdischen Knaben gewesen ist, der vor acht Tagen begraben worden und nun zum Zweck der Judenhetze ausgegraben worden war.) Der Interimsgouverneur Kawam-el-Molk hatte seinen Reitern Befehl gegeben, die Menge zu zerstreuen. Diese stürzte sich darauf sofort in das Judenviertel, das nun der Schauplatz unerhörter Greuel und Roheiten wurde. Die von Nasr-ed-Dowlet zum Schutz der Israeliten geschickten Soldaten beteiligten sich in erster Reihe an der Zerstörung und Plünderung des Judenviertels. Zwölf Juden wurden getötet, fünfzig verwundet, 5 — 6000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Schiras all ihrer Habe beraubt. Was bei diesem Ereignis auffällt und seltsam berührt, ist die Untätigkeit der Ortsbehörden. Sie scheinen nur eines getan, nämlich den Soldaten befohlen oder gestattet zu haben, mit der Bevölkerung gemeinschaftliche Sache zu machen und das Judenviertel zu berauben und seine Bewohner zu mißhandeln. Und das geschah trotz meiner dringenden Bitten, berittene Kosaken zu schicken, um der begonnenen Plünderung Einhalt zu tun, trotz der energischen Vorstellungen des englischen Konsuls Herrn Smart beim Interimsgouverneur Kawam. Am frühen Morgen bin ich heute im Judenviertel gewesen. Wie soll ich das schreckliche Elend, die fürchterliche Verwüstung beschreiben, die sich meinen Augen darbot! Die Straßen, die noch vor achtundvierzig Stunden das Bild lebhaftester Bewegung und intensivsten Lebens gezeigt, machen heute den schmerzlichen Eindruck eines von einem furchtbaren Naturereignis heimgesuchten Ortes." Personalnachricht Herr S. Hoofien, Direktor der Kölner zionistischen Bureaus, hat sich am 14. d.M. mit Frl. M. Maykels in Amsterdam vermählt. Wir sprechen den Neuvermählten hierdurch unsere herzlichsten Glückwünsche aus.

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