Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 47 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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1254 DIE1SEELT: No. 47 Palästina Ahndung von Überfällen auf jüdische Kolonien Vor einiger Zeit nahmen die Bewohner des arabischen Dorfes- Kalkiiie zwei Juden aus der Kolonie Kafr-Saba gefangen. Die jüdischen Kolonisten rüsteten zu einer Strafexpedition und drohten den Bewohnern des arabischen Dorfes mit empfindlichen Repressalien. Schließlich mußten diese um Verzeihung bitten und der jüdischen Kolonie 2000 Frcs. Buße bezahlen. — Ein Araber aus dem Dorfe Kult in halte mehrfach Raubzüge in die Kolonie Chedera unternommen und dort großen Schaden angerichtet. Mit Hilfe der jüdischen Kolonisten wurde die Polizei des gefährlichen Räubers schließlich habhaft und warf ihn ins Gefängnis. Von dort schickte er ein Bittschrpiben an den Vorstand der jüdischen Kolonie, worin er der Kolonie vollständigen Schadenersatz versprach, wenn man seine Enthaftung erwirken würde. Der Vorstand der Kolonie ist über dieses Ansuchen noch nicht schlüssig geworden. Ein neuer Waad in Petach Tikwah Petach-Tikwah, 20. Okt. Unsere Kolonie steht jetzt im Zeichen der Versöhnung. Der Friede zwischen den Alten und den Jungen, der bereits im vorigen Jahre eingeleitet worden ist, ist bei den eben stattgefundenen Wahlen des neuen Waad zum vollen Abschluß gelangt. Beide ^Parteien sind in gleichem Maße bestrebt gewesen, den Bruderstreit, der nun einige Jahre die Kolonie entzweit und die ruhige Entwicklung unseres Gemeinlebens hintangehalten hat, aus der Welt zu schaffen. Die Partei der „Ze-irim" (Jugend) beschränkte daher ihr Programm auf wenige Forderungen, die das Wohl der gesamten Kolonie bezwecken, und die Partei der Alten akzeptierte diese Forderungen. Herr Elijahu Safir, Subdirektor der A. P. C, der beim Zustandekommen des Friedens zufällig in unserer Kolonie weilte, hielt aus diesem Anlaß eine mit lautem Beifall aufgenommene Rede. Er wies insbesondere auf die vermittelnde Rolle hin, die Herr Chaim Cohn, der jetzige Rosch ha Waad, von jeher in der Kolonie gespielt hat. Da nun auch in diesem Jahre die materielle Lage unserer Kolonisten infolge guter Ernteergebnisse und eines günstigen Marktes sich wesentlich gebessert hat, so herrscht jetzt allgemein in der Kolonie eine gehobene, arbeitsfreudige Stimmung. Der Friedensschluß wurde am jüngsten Chol-Hamoed Sukkoth durch ein öffentliches Fest gefeiert, an dem die gesamte Bevölkerungder Kolonie teilnahm. Am Simchath-Thora wurden feierliche Umzüge in den Straßen der Kolonie veranstaltet. Am darauffolgenden Abend defilierte die Bevölkerung der Kolonie im geschlossenen Zuge mit dem Orchester an der Spitze, welches fröhliche Weisen spielte, vor dem Hause des Rosch-Hawaad (Kolonievorstehers) Chaim Cohen, sowie vor den Häusern des Oberaufsehers Abraham Schapira und der Führer der Jugend. Für den dem Jüdischen Nationalfonds angegliederten Fonds für die Errichtung von Arbeiterhäusern in Palästina hat unsere Kolonie einstimmig 600 Frcs. bewilligt. Traurige Vorfälle in Sichron-Jakob Sichron-Jakob, 20. Okt. In unserer Kolonie sind zwei traurige Vorfälle zu verzeichnen. Ein Kolonist, der auf dem unserer Kolonie gehörenden Terrain „Marak" der Bewachung wegen übernachtet hat, wurde dort überfallen und an einem Arm schwer verletzt. Eine gerichtliche Kommission ist bereits aus. Haifa eingetroffen, um eine Untersuchung einzuleiten und die Übeltäteraus- - findig zu machen. — Weit trauriger ist der «weite Vorfall. Ein jüdischer Wächter hat nämlich unbeabsichtigt einen 19 jährigen Kolonistensohn erschossen. Das geschah in früher Morgenstünde, als der Wächter in einem entlegenen Garten seinen Browning probierte und der Kolonistensohn unverhofft vor die Waffe trat. Er sank sofort tot zu Boden. AllgemeineKonferenzen der Arbeiterorganisationen Jaffa, 25. Okt. Zu Chol ha Moed haben hier die alljährlichen Konferenzen der Arbeiterorganisationen „Poale Zion" und „Hapoel hazair" stattgefunden. _ In beiden Konferenzen kam zum Ausdruck, daß der mit großer Übertreibung breitgetretene Pessimismus einer optimistischeren Auffassung und arbeitsfrohern Stimmung Platz gemacht hat. Die günstigen Resultate der Pächtergenossenschaftr in Urn-il Djuni bei Kinereth und die Schaffung des Fonds für Arbeiterhäuser sind von der Arbeiterschaft mit großer Genugtuung aufgenommen worden. In der Konferenz des „Hapoel hazairu waren es besonders die Mitglieder der sogenannten „Kinerether Kommune" (einer Gruppe von zehn Arbeitern, die seit zwei Jahren kommunistisch leben und sich allgemeine Achtung verschafft haben), die der optimistischen Richtung zum Siege verholfen haben, indem sie aus eigener Erfahrung darauf hinwiesen, daß auch unter den jetzigen Verhältnissen sich Arbeiter erträgliche Lebensbedingungen schaffen können. Generalversammlung des „Koheleth" Jaffa, 25. Okt. Die Generalversammlung des Verlags „Koheleth" zur Herausgabe von Lehr- und Lesebüchern für die palästinensische Schule, hat hier zu Chol ha Moed stattgefunden. In der Abwesenheit des Vorsitzenden, Herrn Diesenhoff, eröffnete Her/ Direktor Elijahu Safir mit einer beifällig aufgenommenen Rede die Versammlung. Dem Rechenschaftsbericht, der von Herrn Lehrer Papper erstattet wurde, war zu entnehmen, daß der Verlag demnächst einige wichtige Bücher veröffentlichen wird. Herr Safir, der Verfasser eines geographischen Buches, hat auf das Honorar zugunsten des Verlags verzichtet. Materielle Unterstützung fand der Verlag insbesondere in Amerika, wo sich junge Freunde des Hebräischen von selbst für die Werbetätigkeit gemeldet haben. Von den gefaßten Beschlüssen ist der wichtigste, daß der Verlag „Koheleth" eine Monatsschrift für die Jugend herausgeben soll. Nach der Wiederwahl cjes frühern Vorstandes schloß Herr Safir die würdig verlaufene Versammlung. Wohnungsnot in Jaffa Welche große Notwendigkeit die Erbauung des neuen Stadtviertels Tel A wi w für die jüdische Bevölkerung Jaffas gewesen ist, wird am besten durch den Umstand illustriert, daß auch jetzt, nachdem bereits in Tel Awiw ca. 50 Häuser mit mehr als 80 Wohnungen erbaut sind und auch außerhalb Tel Awiws eine allgemeine rege Bautätigkeit herrscht, dennoch in Jaffa eine gewisse Wohnungsnot noch immer vorhanden ist und die Mietpreise fortgesetzt gesteigert werden. Die vom Palästinaamt vor etwa einem halben Jahre veröffentlichten Sätze für Wohnungspreise in Palästina treffen zum Teil für Jaffa nicht mehr zu. Dies gilt nicht bloß von Tel Awiw, wohin sich der Sauberkeit, gesunden Luft und verschiedener .hygienischer Vorkehrungen wegen die Wohlhabenden wenden, sondern auch in Nweh Zedek und Nweh Schalom, den zum Teil recht ungesunden jüdischen Stadtvierteln', ist ein starkes Steigen der Wohnungsmiete zu konstatieren. Da nun im verflossenen Jahre Einwanderung und Auswanderung einander ungefähr die Wage hielten, so ist diese Wohnungsnot nicht etwa auf Zuzug von auswärts zurückzuführen, vielmehr scheint der Grund der zu sein, daß die Familien, die in frühern Jahren eingewandert sind und in der ersten Zeit mit jeder Wohnung, die sie bekommen konnten, vorliebnahmen, nunmehr sich hier eingebürgert haben und größere Bequemlichkeit beanspruchen. In jedem Falle ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Erbauung und Vermietung von Wohnhäusern in Jaffa für Jahre hinaus ein sicheres und einträgliches Geschäft sein wird. Die heimischen Kapitalisten haben dies seit langem eingesehen und sich daher immer mehr dem Baugeschäft zugewandt. Nichtsdestoweniger bleibt auch für ausländisches Kapital auf diesem Gebiete sowohl in Jaffa wie auch in andern Städten, ja sogar in manchen Kolonien, noch genug Spielraum Monatsschrift „Palästina" Die uns vorliegende Doppelnummer 11/12 des VII. Jahrganges der Monatsschrift „Palästina" (Wien IX., Türkenstraße 9) können wir wieder wegen ihres interessanten und reichhaltigen Inhalts unsern Lesern empfehlen. Das Heft enthält nebst einer Jahresrückschau, in der die jüdische Arbeit in Palästina in gedrängter und übersichtlicher Form dargestellt wird, einen interessanten Artikel von Dr.Teilhaber über die Chalukah. Dr. Haris Gideon Heymann, Berlin, schreibt über Landgesellschaften, während Dr. Hausmann, Lemberg, seine Artikelserie über Reisebeobachtungen in Palästina fortsetzt.— Weiter wird u. a. die Palästinanummer der „Welt* ausführlich und detailliert besprochen. Von der A. J. U. Vor wenigen Tagen fand in Frankfurt a. M. eine Konferenz des Präsidiums der deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance J. U. statt, an der die Herren Justizrat Timmendorfer, Schiff, Picard sowie Justizrat Dr. Blau teilnahmen. Die Besprechungen galten den Differenzen, die zwischen der Pariser Zentrale der Alliance und der deutschen Konferenzgemeinschaft bestehen und die auf der demnächst stattfindenden Sitzung des Zentralkomitees der Alliance erledigt werden sollen. Das deutsche Bureau der A. J. U. teilt uns folgendes mit: Auf Wunsch des Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle ist in Beratung des von der